EZB-Präsident
Mario Draghi - ein Freund klarer Worte

Mario Draghi ist ein Mann der klaren Worte und der großen Schritte - und das nicht erst seit seinem Versprechen, den Euro zu retten. Draghi steht für ein starke EU und für eine EZB, die immer mehr Aufgaben übernimmt.
  • 13

Mailand/London/FrankfurtAnalysten und Journalisten haben es seit dem Amtsantritt von Mario Draghi als Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) viel leichter. Denn Draghi sagt deutlich, was er denkt und was er will. Damit hebt er sich von seinem Vorgänger Jean-Claude Trichet ab, dessen Kommunikationsstil weit undurchsichtiger war. „Um Draghi zu verstehen, muss man viel weniger auf die Zwischentöne achten als bei Trichet", sagt Christian Schulz, der bei der Privatbank Berenberg die EZB im Auge behält.

Das jüngste Beispiel war die Rede, die er in London gehalten hat. „Die EZB ist bereit, zu tun, was immer nötig ist, um den Euro zu erhalten", hatte der Notenbanker betont. „Glauben Sie mir, das wird ausreichen." Damit ließ er dem Entscheidungsgremium der EZB, dem 23-köpfigen EZB-Rat, kaum noch eine andere Wahl, als dem umstrittenen Ankauf von Staatsanleihen von Krisenstaaten wie Spanien und Italien prinzipiell zuzustimmen.

Draghi hatte das unter seinem Vorgänger Trichet gestartete Ankaufprogramm im vergangenen Jahr auslaufen lassen und vorübergehend auf Eis gelegt. Stattdessen pumpte die EZB im Dezember und im Februar über zinsgünstige, dreijährige Kredite an die privaten Banken Liquidität ins Finanzsystem.

Unter Trichet war es wegen der Anleihekäufe letztlich zum Bruch mit der Bundesbank gekommen. Bundesbank-Präsident Axel Weber und EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark, der vorher Bundesbank-Vize gewesen war, traten zurück. Zwar macht auch Webers Nachfolger Jens Weidmann aus seiner Ablehnung von Anleihekäufen keinen Hehl. Aber die beiden arrangieren sich. „Draghi hat es bislang weit besser als sein Vorgänger verstanden, einen Kompromiss mit der Bundesbank zu finden", sagt Berenberg-Ökonom Schulz.

Zusammen mit dem Chef des Europäischen Rates Herman van Rompuy, dem Präsidenten der Euro-Gruppe Jean-Claude Juncker und dem Chef der EU-Kommission Manuel José Barroso hat Draghi vor dem EU-Gipfel im Juni eine Blaupause für die Zukunft der Euro-Zone vorgelegt. Ein zentrales Element war der Einstieg in eine Bankenunion mit einer zentralisierten, Euro-weiten Bankenaufsicht, die bei der EZB angesiedelt werden soll - ein Vorschlag, den die Staats- und Regierungschefs in Brüssel direkt aufgriffen.

Seite 1:

Mario Draghi - ein Freund klarer Worte

Seite 2:

Ein Mann mit Krisenerfahrung

Kommentare zu " EZB-Präsident: Mario Draghi - ein Freund klarer Worte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Na schön, Draghi isst also gern Pizza uns steigt gern auf Berge - und was soll ich damit nun anfangen?

    Geldpolitik, und das ist Tätigkeitsfeld einer Zentralbank, besteht in Aktionen zur Regulierung des Geldzinses, der Geldmenge und auch des Wechselkurses. Dies in erster Linie, um von der monetären Seite her für Preisniveaustabilität zu sorgen.

    Geldpolitik ist nicht die Kreditvergabe an Staaten oder Haushalte oder Unternehmen. Es ist auch nicht so, daß der Euro selbst in Gefahr ist - einige Wirtschaftsinstitutionen sind hoch verschuldet, andere aber nicht. Insgesamt haben wir keinen Geldmangel, allerdings eine starkt ungleiche Verteilung.

    Das wird die EZB nicht mit dem Fluten der Geldmenge verbessern können, sondern eher noch verschlechtern. Es ist eine intelligente Fiskalpolitik gefragt, nicht Geldpolitik.

  • Ich bin auch ein Freund klarer Worte.

    Würde der Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,
    müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und wir bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen.

    Unser GANZES Leben wird also nicht von der Politik, sondern von den Banken bestimmt.

  • Mario "vernichtet" kein Geld, er verteilt es lediglich um - von den Deutschen zu den südeuropäischen Freunden und Partnern.
    Denn Inflationierung ist nichts anderes als Umverteilung.

    Und Mario kann nichts dafür, daß die Deutschen so bekloppt waren,
    keine Sicherheiten für ihre Finanzgarantien zu verlangen, so wie etwa die schlauen Finnen.

    Damit die Dinge richtig laufen können, müssen die Mißstände also beim Namen genannt werden.
    Die Demokratie versagt in Deutschland, weil
    - die Presse ihre Kontrollfunktion nicht wahrnimmt, sondern wie damals unter Goebbels gleichgeschaltet ist
    - es keine Konkurrenz unter den Parteien gibt: "System Merkel" bedeutet, daß alle kompetenten Köpfe in den Koalitionsparteien entsorgt werden, so daß Merkel selbst ungehindert linke Positionen übernehmen kann, was der Opposition das Wasser abgräbt. Merkel, die Unsterbliche.

    So kann Merkel ungehindert agieren. Über ihre Ziele spricht sie i.a. nicht, man darf aber vermuten, daß sie
    - den Kohlschen Euro-Gigantismus vertritt
    - jetzt ihre falsch gewählten Positionen nicht mehr korrigieren will, um keine Fehler eingestehen zu müssen

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%