EZB-Ratssitzung am Donnerstag
Höhere Zinsen kommen – aber nicht jetzt

Bessere Konjunkturaussichten und steigende Inflationsraten, immense Liquidität und historisch niedrige Leitzinsen – seit Jahren nicht gab es im Euro-Raum so viele Argumente für eine straffere Geldpolitik wie derzeit. Doch nach Ansicht von Volkswirten ist die Zeit für eine Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) noch nicht gekommen.

DÜSSELDORF. Auf ihrer Ratssitzung am Donnerstag sollte sich die Notenbank abermals für konstante Leitzinsen entscheiden, lautet das Votum des EZB-Schattenrats. Dem Gremium gehören 18 prominente europäische Ökonomen aus Banken, Hochschulen und Forschungsinstituten an.

Auf der jüngsten Sitzung hat sich abermals eine breite Mehrheit für eine abwartende Geldpolitik ausgesprochen. Allerdings zeichnet sich auch bei Mitgliedern, die eine unveränderte Geldpolitik propagieren, zunehmend eine Neigung zu Zinserhöhungen ab. „Noch plädiere ich dafür, die Zinsen konstant zu halten, tendiere aber in Richtung Erhöhung“, sagte der Genfer Professor Charles Wyplosz. „Die Frage ist nicht, ob die EZB ihre expansive Geldpolitik beenden muss, sondern nur, wann der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist“, betonte auch Michael Heise, Chefvolkswirt der Dresdner Bank. Bereits seit Mitte 2003 liegt der Leitzins im Euro-Raum auf dem historischen Tiefstand von zwei Prozent. Zuletzt hatten EZB–Ratsmitglieder verstärkt vor Inflationsgefahren gewarnt. Daher rechnen Beobachter im Euro-Raum mit einer Zins-Erhöhung im ersten Quartal 2006. Immer mehr halten einen solchen Schritt noch in diesem Jahr für möglich.

Nach Ansicht der meisten Schattenratsmitglieder ist es für eine Straffung der Geldpolitik aber noch zu früh. Zwar verdichteten sich die Anzeichen, dass die Wirtschaft stärker an Fahrt gewinne. Aber Ausmaß und Dauer der Erholung sei nach wie vor zu unsicher. „Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage scheint zwar anzuziehen, aber die Zunahme ist nicht besonders groß“, sagte Agnès Bénassy-Quéré, Vizedirektorin des Pariser Wirtschaftsforschungsinstituts CEPII.

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