Konjunktur
EZB reduziert Wachstumserwartungen

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält die Zinsen erwartungsgemäß konstant. Der wichtigste Leitzins zur Versorgung der Kreditwirtschaft in der Euro-Zone mit Zentralbankgeld bleibt unverändert bei 2,0 Prozent. Das teilte die EZB am Donnerstag nach ihrer Ratssitzung in Frankfurt mit. Die meisten Volkswirte rechnen frühestens im zweiten Halbjahr 2005 mit einer ersten Zinserhöhung.

HB FRANKFURT. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins betrage weiterhin 2,00 %, teilte die EZB am Donnerstag in Frankfurt mit. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wird den Beschluss ab 14.30 Uhr MEZ vor der Presse in Frankfurt erläutern. Dabei wird er auch die neuesten Prognosen des EZB-Stabes für Wachstum und Inflation in der Euro-Zone bekannt geben. Die Akteure an den Finanzmärkten werden aber vor allem auf Äußerungen des EZB-Chefs zur Euro-Stärke achten.

Devisenexperten sagten, Trichet müsse nun einen schärferen Ton als bisher anschlagen, wenn er mit Worten den Euro-Aufwärtstrend aufhalten wolle. Am Dienstag hatte er im Europäischen Parlament seine Warnung wiederholt, die jüngsten Kurs-Bewegungen seien nicht willkommen. Er hatte die Euro-Stärke aber nicht mehr als „brutal“ bezeichnet, eine Wortwahl, die vor vier Wochen ebenso wie im Februar schon den Markt beeindruckt hatte. Trichet habe sich damit zuletzt weniger streng über den Euro geäußert, davon werde er wahrscheinlich nun nicht abgehen, erwartete Stefan Bielmeier, Volkswirt von der Deutschen Bank.

Nach einem unbestätigten Zeitungsbericht soll die EZB mit Verantwortlichen in Japan bereits über gemeinsame Marktinterventionen gesprochen haben. Händler bezweifelten aber, dass die EZB ohne die USA, denen die Dollar-Schwäche als Konjunkturstütze gelegen kommt, handeln würde. Der Euro erreichte am Morgen ein neues Rekordhoch von 1,3383 Dollar und hat damit seit Anfang September knapp zehn Prozent zugelegt.

In Europa wächst die Sorge, der hohe Euro-Kurs werde die Exporte noch mehr dämpfen und damit die Konjunkturerholung beenden. Trichet war zuletzt trotzdem zuversichtlich, dass das Wachstum sein moderates Tempo nicht verlieren und 2005 zwei Prozent erreichen wird. Seit der Ratssitzung im November häuften sich aber schlechte Nachrichten über die Wirtschaftsaussichten. Allerdings ist noch unklar, ob das Wachstum in der Euro-Zone im dritten Quartal nur eine Verschnaufpause einlegte oder der Aufschwung schon endete, ehe er in Fahrt kommen konnte. Eine Mehrheit der von Reuters zuletzt befragten 62 Bankvolkswirte rechnet deshalb mit einer Zinserhöhung erst im zweiten Halbjahr 2005. Vor einem Monat hatten viele noch auf die erste Jahreshälfte getippt. Manche Banken und Wirtschaftsforscher sehen schon eine weitere Zinssenkung kommen, wenn die Konjunktur unter der Last von teurem Euro und Öl einbrechen sollte.

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