EZB-Schattenrat
Euro beunruhigt Ökonomen

Renommierte europäische Ökonomen befürchten, dass ein weiterer Anstieg des Euro-Kurses die noch schwache Wirtschaftserholung gefährden könnte. Der EZB-Schattenrat drängt darauf, dass die Zentralbank zu den Auswirkungen der Euro-Aufwertung auf Wachstum und Preise Stellung bezieht.
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FRANKFURT. Sie fordern die Europäische Zentralbank (EZB) auf, in ihren Analysen der Wirtschaftslage ausdrücklich auf diese Gefahr hinzuweisen. Das könne bereits die Aufwertungstendenz dämpfen. Der EZB-Schattenrat erwartet ohnehin nur eine zaghafte Konjunkturbelebung: Bis Ende 2011 werde die Euro-Zone erst gut die Hälfte des Rückgangs der Wirtschaftsleistung aus dem laufenden Jahr aufgeholt haben. Dem Schattenrat gehören 15 leitende Volkswirte aus Finanzinstituten, Hochschulen und Forschungsinstituten an.

Der Euro könnte im kommenden Jahr auf 1,80 Dollar steigen

Jean-Michel Six, Europa-Chefvolkswirt der Ratingagentur Standard & Poor’s, rechnet damit, dass der Euro bis Mitte 2010 auf 1,80 Dollar steigen wird. „Die Märkte wissen, dass die Zinsen in den USA lange niedrig bleiben werden. Der Dollar wird daher noch lange eine beliebte Währung bleiben, um sich zu verschulden“, warnt Six. Wenn ein Anleger einen Dollar-Kredit in den USA aufnimmt und das Geld in Schwellenländer-Aktien oder Rohstoffe investiert, drückt das den Dollar, weil er die Kreditsumme am Devisenmarkt in die Anlagewährung umtauscht. Je niedriger die Kreditzinsen in Dollar, desto attraktiver sind solche Geschäfte.

Mit knapp 1,50 Dollar steht der Euro noch etwa sieben Prozent unter seinem Höchststand aus 2008. Der von der EZB berechnete Wert gegenüber einem Währungskorb wichtiger Handelspartner hat seinen historischen Höchststand fast eingeholt.

Gustav Horn, wissenschaftlicher Leiter des Konjunkturforschungsinstituts IMK in Düsseldorf, drängt daher die EZB, sie solle ankündigen, dass sie bei einem weiteren Anstieg des Euro-Kurses den Leitzins von derzeit 1,0 Prozent nochmals senken werde. Das würde die Zinsdifferenz zu den USA verringern, wo der Leitzins knapp über null liegt. In einer abgeschwächten Form fand dieser Vorschlag bei mehr als jedem zweiten Schattenratsmitglied Unterstützung.

Die Ökonomen wollen, dass die EZB anders als bisher in ihrer Analyse der Lage und Risiken explizit die Rolle des Wechselkurses nennt. Da ein stärkerer Euro normalerweise Wachstum und Preise dämpft, würden entsprechende analytische Aussagen der EZB tendenziell die Leitzinserwartungen und damit auch den Euro-Kurs nach unten drücken. „Diese Kommunikationsstrategie hat die Bank von Kanada in jüngster Zeit mit Erfolg eingesetzt,“ sagte Angel Ubide, Chefvolkswirt des Hedge-Fonds Tudor Asset Management.

Inflation bleibt 2010 niedrig

Die Jahresteuerungsrate im Euro-Raum lag, wie die Statistikbehörde Eurostat am Freitag mitteilte, im Oktober bei minus 0,1 Prozent. Die EZB strebt an, diese Rate mittelfristig bei knapp zwei Prozent zu halten. Doch auch für 2010 erwarten die Experten nur eine Teuerung von etwas mehr als einem Prozent.

Es gibt allerdings auch die Gegenmeinung, dass eine Notenbank sich hüten sollte, Aussagen über den Wechselkurs zu machen. Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, warf zudem ein, dass der Wechselkurs für die Exportchancen weit weniger wichtig sei als die Nachfrage in den Exportmärkten.

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  • Vor einer massiven Euro Auwertung brauch sich niemand ängstigen. Die Größe des binnenmarktes gestattet es auf Euro basis ein ausreichendes Handelsvolumen zu generieren.
    Die mit einer massiven Aufwertung verbundenen Einkaufsvorteile insbesonders auf den Rohstoff- und Energiemärkten heben die Nachteile der außenwirtschaftlichen Erschernisse auf. Exporte in den originären Dollarraum, die vereinigten Staaten von Nordamerika, sind wegen der dortigen Wirtschaftsschwäche sowieso nicht zu erwarten.
    Ein werthaltiges Zahlungsmittel ist letztlich ein nicht zu ersetzender Handelsvorteil. Die Geschichte der D-Mark, die eine Geschichte der relativen Stabilität ist kann als beleg hierfür herangezogen werden. Vom Schweizer Franken der diese Politik noch extremer repräsentiert ganz zu schweigen.

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