EZB-Schattenrat
Experten drängen auf mehr Großzügigkeit

Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte nach Ansicht prominenter europäischer Ökonomen die Banken noch längere Zeit großzügig mit Liquidität versorgen und den Leitzins nicht antasten. Eine Verteuerung langfristiger Kredite an die Banken könnte als erster Schritt zu höheren Leitzinsen verstanden werden.
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FRANKFURT. Die Mitglieder im Expertengremium EZB-Schattenrat, die am Donnerstag auf Einladung des Handelsblatts in Frankfurt zusammenkamen, waren mehrheitlich der Ansicht, dass die EZB sehr vorsichtig dabei vorgehen müsse, die Liquidität wieder aus dem Finanzbereich abzuziehen. "Wenn die EZB etwas tut, was zu deutlich höheren Zinsen am Geldmarkt führt, dann würde das wohl als Einleitung einer geldpolitischen Wende verstanden", sagte Julian Callow, Europa-Chefvolkswirt von Barclays Capital. "Das könnte einigen von den schwächeren Banken größere Probleme bereiten", fügte er hinzu.

Derzeit spekulieren die Märkte: Wie die EZB ihr im Dezember anstehendes einjähriges Refinanzierungsgeschäft mit den Banken handhaben wird, ob sie die Kredite erneut zum Festzins von einem Prozent herausgibt, oder einen Aufschlag auf den Leitzins einführt. Die EZB hat sich vorbehalten, diese einjährigen Kredite mit einem Zinsaufschlag über den Leitzins zu versehen. Ob sie das tun wird, entscheidet sie auf ihrer nächsten Ratssitzung am 3. Dezember.

Außerdem ist offen, ob es nach Dezember weiterhin solche einjährigen Kredite von der Zentralbank geben soll. Vor der Krise hatten Banken wöchentlich Gelegenheit, sich durch Abgabe eines hinreichend hohen Zinsgebots kurzfristige Kredite von der EZB zu sichern. Die auszugebende Menge wurde vorab von der EZB festgelegt.

Im Zuge der Krise hat die EZB jegliche Mengenbeschränkung aufgehoben und die Laufzeiten der Kredite verlängert. Seither versorgt sie die Banken in jeder gewünschten Höhe mit Kredit von einer Laufzeit bis zu einem Jahr und zum sehr niedrigen Leitzins von einem Prozent. "Nach Dezember sollte es keine weiteren Einjahreskredite mehr geben", sagte José Alzola vom Beratungsunternehmen The Observatory Group.

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