EZB-Schattenrat Weidmann findet bei Ökonomen wenig Unterstützung

Der Bundesbankpräsident steht mit seiner Fundamentalkritik an den Anleihekäufen der EZB im Abseits. Nur zwei der 13 führenden Volkswirte des Schattenrates sind auf seiner Seite. Die Mehrheit unterstützt Draghi.
Update: 02.09.2012 - 18:11 Uhr 41 Kommentare
Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Quelle: dpa

Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt.

(Foto: dpa)

FrankfurtBei europäischen Volkswirten findet die Fundamentalkritik von Bundesbankpräsident Jens Weidmanns harte nur wenige Unterstützer. Das berichtet das Handelsblatt vorab aus seiner Montagsausgabe. Im EZB-Schattenrat, in dem führende europäische Volkswirte auf Initiative des Handelsblatts monatlich geldpolitische Themen diskutieren, schlugen sich nur zwei von dreizehn Sitzungsteilnehmern auf Weidmanns Seite, Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer und der Münchner Anlagestratege der Allianz Fondstochter Pimco, Andrew Bosomworth. Zwei Mitglieder des Expertengremiums kritisierten das von Draghi umrissene Anleihekaufprogramm sogar als zu restriktiv. Die große Mehrheit bezeichnete die EZB-Pläne als prinzipiell richtig.

„Mit diesen Anleihekäufen würde die EZB de facto Regierungen finanzieren, was nach den europäischen Verträgen verboten ist“, stützte Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer die Kernkritik des Bundesbank-Präsidenten. Dadurch würde der Reformdruck auf die Regierungen gemindert und die EZB riskiere ihre Unabhängigkeit. Pimco-Manager Bosomworth sagte voraus, dass auch dieses neue Programm nicht dauerhaft wirken werden, solange das institutionelle Rahmenwerk der Währungsunion nicht grundlegend reformiert ist.

Die Mehrheit stimmt dagegen Draghi zu, dass es darum gehe, die Spekulation auf eine Auseinanderbrechen der Währungsunion zu kontern, die sich in den hohen Anleiherenditen mancher Länder widerspiegele. Für sie sind die Vorbedingung eines mit den Rettungsschirmen vereinbarten Reformprogramms und die Beschränkung der Käufe auf kurz-laufende Anleihen effektive Möglichkeiten, um zu verhindern, die Schützenhilfe von der EZB zu einem Erlahmen des Reformwillens führt.

Unter den Fachleuten herrscht weitgehend Einigkeit, dass die Notenbank keine festen Obergrenzen für Anleiherenditen kommunizieren sollte, weil das Spekulanten zu Gegenwetten einladen würde. Sie muss aber nach der Mehrheitssicht der Ökonomen viel entschlossener als beim ersten Anleihekaufprogramm vorgehen und dürfe keine Obergrenzen für das Volumen der Käufe haben. Die EZB wird ihren Wirtschaftsausblick nach Einschätzung der Schattenräte kräftig nach unten revidieren müssen.

Während die Experten im EZB-Schattenrat nach einer kräftigen Abwärtsrevision in diesem Jahr eine Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,5 Prozent und im nächsten Jahr nur noch ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent erwarten, geht die letzte EZB-Prognose von Juni noch von einem 2012 knapp stagnierenden und 2013 um ein Prozent zulegenden BIP aus. Von 13 teilnehmenden Schattenräten stimmten elf für eine Zinssenkungsempfehlung.

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41 Kommentare zu "EZB-Schattenrat: Weidmann findet bei Ökonomen wenig Unterstützung"

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  • Ökonomem? Woher kommen die? Aus den Schuldenstaaten?
    Klar dass die Draghi den Rücken stärken. Denn der verspricht diesen Staaten neues und billiges Geld. Leider auf Kosten Deutschlands. Es wäre dringendst notwendig, dass die deutsche Politik aktiv wird!

  • Natürlich stimmt ein italienischer Volkswirt Draghi zu.Die halten zusammen,Inflation ? -na und - ist ihr zweiter Name.

  • Deutschland kann und darf jederzeit aus der EU/Währungsunion, wenn von Vorteil, austreten.
    Also keine Panik, im Moment geht es Deutschland prächtig und es profitiert des Malheurs der anderen.
    Wenn die Zeit für den Austritt reif ist wird sich schon jemand finden der das tut, keine Sorge.
    Aber im Moment leben wir Deutsche wie die Marder im Speck und auf Kosten der schwächeren EU-Länder die sich gegen unsere Exportlawine wegen der EU-Verträge (Freihandelszone) nicht wehren können. Somit können wir unsere Arbeitslosigkeit über unseren Leistungsbilanzüberschuss exportieren (15 Milliarden im Schnitt PRO MONAT und das seit 17 Jahren)
    Was wollen wir noch mehr, die paar Milliarden die wir netto an Brüssel zahlen müssen sind Peanuts im Verhältnis zum Leistungsbilanzüberschuss den wir durch unsere Mitgliedschaft in der EU realisieren dürfen.
    Uns Deutsche geht es prächtig, genießen wir es einfach, egal wie es den anderen EU-Ländern geht und ob in Spanien die Jugendarbeitslosigkeit über 50% liegt. Wem juckt denn das? Dem Herr Weidmann bestimmt nicht und mir auch nicht!

  • Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten sich zu positionieren. Entweder man schlägt mit der Faust, am besten mit beiden auf den politischen Tisch und zwingt die Verantwortlichen das gescheiterte Experiment sofort zu beenden, mit welchen Mitteln auch immer,
    oder man nimmt das ganze wie "Kino" und schaut sich die Chose einfach an.
    Die meisten,wenn sie der "Kram" überhaupt interessiert haben sich für Kino entschieden.
    Die Folgen dieser katastrophalen Inzenierung werden eh erst in einigen Jahren sagen wir zwei bis drei, voll zu spüren sein, bis dahin also.... ahoi auf der Andrea Doria.

  • Meine Thesen an den EZB-Schattenrat:

    1. Keine ZB der Welt kann die Stabilität einer Währung sicherstellen, wenn die Staaten hoffnungslos überschuldet sind.
    2. Für die Geldwertstabilität macht es bei gleicher Höhe der Staatsschuld keinen Unterschied, ob sich der Staat direkt bei der ZB oder auf dem Umweg über Banken verschuldet.
    3. Jede Geldmenge ist eine Geldmenge der Währung, auch die über Banken.
    4. Nicht die ZB sondern der Gesetzgeber teilt der ZB die Aufgaben zu. Es ist das Recht des Staates, die ZB zu verpflichten, nicht nur Banken und sonstigen Marktteilnehmern sondern auch dem Staat selbst Darlehen gegen Sicherheiten zu gewähren.
    5. Für die Aufgaben der ZB reicht es aus, wenn die Höhe der Staatsschulden begrenzt wird, z.B. auf die Stabilitätskriterien in den EU- und den Euroverträgen.
    6. Der Unterschied der Meinung zwischen Weidmann und Draghi/EZB/Assmussen besteht nur in der Höhe der Zinsen, die den Banken für die Staatsfinanzierung zufliessen soll.
    a. Weidmann sagt, die Zinsforderungen der Banken sollen nicht eingeschränkt werden.
    b. Draghi/EZB/Assmussen sagen, die Höhe der Zinsen an Banken soll wegen der Währungsstabilität beschränkt werden.
    c. Ich sage, die Währung gehört nicht der ZB sondern dem Staat. Die Logik verbietet, dass der Staat Zinsen für etwas zahlt, das ihm selber gehört.
    7. Der Euro ist zwar eine Gemeinschaftswährung. Er besteht aber aus den Geldmengen, die die 17 Mitgliedsstaaten eingebracht habe. Jedes Mitgliedsland ist in Abstimmung mit der EZB alleinverantwortlich für seinen nationalen Teil des Euro.
    8. Die Mitgliedsstaaten können die EU-Verträge dahingehend ändern, dass jedes Land darlehen von seiner ZB und nicht von der EZB erhält.
    9. Ziffer 9 würde bedeuten, dass keine Schuld-/Haftungsübernahme unter den Euro-Staaten notwendig ist.

    Ich hoffe, die Kommentatoren unterstützen aktiv meinen Vorschlag, das mal wir Kommentatoren den Auftrag an den EZB-Schattenrat bestimmen.

  • DAS SOLLTE UNS ALLEN ZU DENKEN GEBEN!

    Die Rationalität ihrer einheitlichen Argumentation zur Rolle der EZB begleitet sie von der Spitze derselben im aufrechten Gang aus dem Dunstkreis des geldpolitischen Machtzentrums.
    Die anerkannten Ökonomen und Spitzennotenbanker Axel Weber, Jürgen Stark und - ich mutmaße auch Jens Weidmann - übernehmen Verantwortung, wenn sie diese angesichts der politisch getriebenen Kurzsichtigkeit nicht mehr mit gebotener Überzeugung wahrnehmen können.

  • Schonmal das Modell/Theorie der optimalen Währungsräume gelesen (Mundell,...) ? Nein?, dann fragen Sie einen durchschnittlichen VWL-Student im Hauptsudium. Es ist nicht schwer. Für ein grunhdlegendes Verständis braucht man auch keine 40 Volkswirte bei der EZB einstellen.
    (Ironie off)

    Ich gehe davon aus, dass Vernunft nicht unbedingt durch Worte wirkt, aber die Vernunft durch Leid erfahren werden kann.

    Der Euro war ein unkontrolliertes Experiment gutgläubiger und grössenwahnsinniger Poliker und ein paar berauschten Eurokraten. Einige merken es vielleicht jetzt erst, einige wussten es vielleicht, einige vertrauten den Politikern vielleicht. Keiner in Brüssel hat das Experiment überprueft und Maastricht eingefordert, wie man es bei so einem wichtigen Experiment ertwarten würde von einem optimistischen staatstragenden Deutschen. Auch ich, ein armer kleiner damals arbeitender Deutscher habe vertraut. Denn es war ja nicht so klar... Es gab ja Vorteile wie wegfallende Transaktionkosten zwischen den einzelnen Ländern usw. Die Stimmung war gut damals vor 11.9.2001. Also , why not, let,s do it.

    Aber die Fakten sind doch eindeutig jetzt! Das Experiment hat gezeigt, es geht nicht. Und jetzt mit allen Mitteln diesen Euro aufrechtzuerhalten zu Gunsten eines Establishments ist Wahnsinn, ausser man hat einen Posten in Brüsssel oder bei der EZB, den man erhalten möchte oder was weiss ich.

    Alle haben sich auf Politiker verlassen damals vor 2000.
    Jetzt verlässt man sich auf die EZB. Wie typisch! Wie bei fallenden Aktien, will man Verluste nicht realisieren. B

    Gläubiger und Schuldner müsste man in Haftung nehemen und das Euro - Experiment überprüfen und dann den Völkern vorlegen und Eier in der Hose haben, zuzugeben, wie es aussieht.

    Die ganze Eurokleptikerklasse in Brüssel müsste den Völkern die Vertrauensfrage stellen, so wie bis jetzt unsere Zukunft regeln zu wollen.

    Eine Frechheit! ist das ganze
    Genug geärgert..



  • Im Prinzip vollkommen richtig.

    Nur hat Wall Street neulich schon gejault, wie Draghi nicht direkt in Aktion gekommen ist, da Weidmann sich quergestellt hat. Scheinbar war das so nicht abgesprochen und dann gab es am Tag nach der letzten EZB Sitzung Verluste und Desorientierung in NY. Ist Ihnen das nicht aufgefallen?

  • Der Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer und der Münchner Anlagestratege der Allianz Fondstochter Pimco, Andrew Bosomworth sind zurecht gegen die Pläne von Herrn Draghi.

    Es geht nicht darum die Finanzmärkte zu beruhigen, vielmehr um das Wirtschaftswachstum der Eurozone zu stärken. Die Politik unterstützt eine gigantische Finanzblase um des Euro wegen. Doch wäre ein teilweiser Austritt einzelner Länder aus dem Euroraum nach reinen ökonomischen Gesichtspunkten viel kostengünstiger.

    Der Euro wird von sämtlichen Politikern viel zu Hoch stilisiert, dass ist das eigentliche Problem. Die Gemeinschaftswährung muss kein Fortschritt sein. Viele Länder in Europa haben sich wieder in mehre einzelne Staaten verkleinert. Dafür gibt es genug Gründe.

  • Das sagt wohl über die Qualität der Aussage alles.
    Für`s Protokoll: lautes bis wieherndes Gelächter!!!!
    "Im EZB-Schattenrat,"

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