EZB-Schattenrat
Weidmann findet bei Ökonomen wenig Unterstützung

Der Bundesbankpräsident steht mit seiner Fundamentalkritik an den Anleihekäufen der EZB im Abseits. Nur zwei der 13 führenden Volkswirte des Schattenrates sind auf seiner Seite. Die Mehrheit unterstützt Draghi.
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FrankfurtBei europäischen Volkswirten findet die Fundamentalkritik von Bundesbankpräsident Jens Weidmanns harte nur wenige Unterstützer. Das berichtet das Handelsblatt vorab aus seiner Montagsausgabe. Im EZB-Schattenrat, in dem führende europäische Volkswirte auf Initiative des Handelsblatts monatlich geldpolitische Themen diskutieren, schlugen sich nur zwei von dreizehn Sitzungsteilnehmern auf Weidmanns Seite, Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer und der Münchner Anlagestratege der Allianz Fondstochter Pimco, Andrew Bosomworth. Zwei Mitglieder des Expertengremiums kritisierten das von Draghi umrissene Anleihekaufprogramm sogar als zu restriktiv. Die große Mehrheit bezeichnete die EZB-Pläne als prinzipiell richtig.

„Mit diesen Anleihekäufen würde die EZB de facto Regierungen finanzieren, was nach den europäischen Verträgen verboten ist“, stützte Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer die Kernkritik des Bundesbank-Präsidenten. Dadurch würde der Reformdruck auf die Regierungen gemindert und die EZB riskiere ihre Unabhängigkeit. Pimco-Manager Bosomworth sagte voraus, dass auch dieses neue Programm nicht dauerhaft wirken werden, solange das institutionelle Rahmenwerk der Währungsunion nicht grundlegend reformiert ist.

Die Mehrheit stimmt dagegen Draghi zu, dass es darum gehe, die Spekulation auf eine Auseinanderbrechen der Währungsunion zu kontern, die sich in den hohen Anleiherenditen mancher Länder widerspiegele. Für sie sind die Vorbedingung eines mit den Rettungsschirmen vereinbarten Reformprogramms und die Beschränkung der Käufe auf kurz-laufende Anleihen effektive Möglichkeiten, um zu verhindern, die Schützenhilfe von der EZB zu einem Erlahmen des Reformwillens führt.

Unter den Fachleuten herrscht weitgehend Einigkeit, dass die Notenbank keine festen Obergrenzen für Anleiherenditen kommunizieren sollte, weil das Spekulanten zu Gegenwetten einladen würde. Sie muss aber nach der Mehrheitssicht der Ökonomen viel entschlossener als beim ersten Anleihekaufprogramm vorgehen und dürfe keine Obergrenzen für das Volumen der Käufe haben. Die EZB wird ihren Wirtschaftsausblick nach Einschätzung der Schattenräte kräftig nach unten revidieren müssen.

Während die Experten im EZB-Schattenrat nach einer kräftigen Abwärtsrevision in diesem Jahr eine Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,5 Prozent und im nächsten Jahr nur noch ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent erwarten, geht die letzte EZB-Prognose von Juni noch von einem 2012 knapp stagnierenden und 2013 um ein Prozent zulegenden BIP aus. Von 13 teilnehmenden Schattenräten stimmten elf für eine Zinssenkungsempfehlung.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

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  • Ökonomem? Woher kommen die? Aus den Schuldenstaaten?
    Klar dass die Draghi den Rücken stärken. Denn der verspricht diesen Staaten neues und billiges Geld. Leider auf Kosten Deutschlands. Es wäre dringendst notwendig, dass die deutsche Politik aktiv wird!

  • Natürlich stimmt ein italienischer Volkswirt Draghi zu.Die halten zusammen,Inflation ? -na und - ist ihr zweiter Name.

  • Deutschland kann und darf jederzeit aus der EU/Währungsunion, wenn von Vorteil, austreten.
    Also keine Panik, im Moment geht es Deutschland prächtig und es profitiert des Malheurs der anderen.
    Wenn die Zeit für den Austritt reif ist wird sich schon jemand finden der das tut, keine Sorge.
    Aber im Moment leben wir Deutsche wie die Marder im Speck und auf Kosten der schwächeren EU-Länder die sich gegen unsere Exportlawine wegen der EU-Verträge (Freihandelszone) nicht wehren können. Somit können wir unsere Arbeitslosigkeit über unseren Leistungsbilanzüberschuss exportieren (15 Milliarden im Schnitt PRO MONAT und das seit 17 Jahren)
    Was wollen wir noch mehr, die paar Milliarden die wir netto an Brüssel zahlen müssen sind Peanuts im Verhältnis zum Leistungsbilanzüberschuss den wir durch unsere Mitgliedschaft in der EU realisieren dürfen.
    Uns Deutsche geht es prächtig, genießen wir es einfach, egal wie es den anderen EU-Ländern geht und ob in Spanien die Jugendarbeitslosigkeit über 50% liegt. Wem juckt denn das? Dem Herr Weidmann bestimmt nicht und mir auch nicht!

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