EZB-Spitzenposten
Widerstand aus Frankreich gegen Axel Weber

Frankreich will offenbar verhindern, dass Bundesbankpräsident Axel Weber den Franzosen Jean-Claude Trichet an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) beerbt. Deshalb sind jetzt Spekulationen lanciert worden, Frankreich wolle den Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, als Trichet-Nachfolger in Stellung bringen.
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FRANKFURT/PARIS/WASHINGTON. Kaum haben politische Kreise in Frankreich den IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn als Kandidaten für die Nachfolge von Jean-Claude Trichet an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) lanciert, wird auch schon Widerspruch laut. "Das ist nicht einmal ein Dementi wert", verlautet aus dem Umfeld des Pariser Finanzministeriums. Man kommentiere "solcherlei Spekulationen grundsätzlich nicht", hieß es beim IWF in Washington. Informierte Kreise in Frankreich vermuten, dass die Nachricht dort als eine Möglichkeit gesehen werden, Deutschland klar zu machen, dass der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy an einem Deutschen im EZB-Chefsessel nicht interessiert ist.

Die französische Zeitung "Libération" hatte am Donnerstag unter Hinweis auf eine "hoch angesiedelte Quelle" berichtet, Paris denke darüber nach, als Nachfolger von Trichet mit Strauss-Kahn erneut einen Franzosen als EZB-Präsidenten vorzuschlagen. Offenbar sei die Regierung entschlossen, sich der Nominierung von Bundesbankpräsident Axel Weber für das Amt zu widersetzen, der bisher der "natürliche" Kandidat für das Amt gewesen sei. "DSK", wie er in Frankreich genannt wird, habe viele Qualitäten, unter anderem spreche er Englisch und Deutsch, und er habe den Respekt der internationalen Finanzszene, vor allem der Amerikaner und der Chinesen. Einziges Problem, fragt Libération, wie bringt man die Deutschen dazu, zu schlucken, dass bei der EZB auf einen Franzosen schon wieder ein Franzose folgt?

Heute berichtete die Zeitschrift "La Tribune" unter Berufung auf Quellen im Umfeld von Sarkozy, der Präsident lehne den Bundesbankpräsidenten als Nachfolger von Trichet ab. Sarkozy habe Bundeskanzlerin Angela Merkel nie zugesichert, dass er bereit sein, nach dem Ende von Trichets der Amtszeit die Leitung der Bank einem Deutschen zu überlassen. Sarkozy sähe dem Bericht zufolge lieber Mario Draghi, den Gouverneur der italienischen Zentralbank, an der Spitze der EZB.

Sowohl im Elysée als auch beim IWF ist man sich offenbar bewusst, dass ein zweiter Franzose an der EZB-Spitze schwer zu verkaufen sei. Zudem müsse es schon jemand mit Zentralbankerfahrung sein, verlautet aus Finanzkreisen in Washington. Strauss-Kahn blickt dagegen auf eine lange politische Erfahrung zurück.

Strauss-Kahn habe in Washington hervorragende Arbeit geleistet, heißt es in Pariser Regierungskreisen. Der IWF sei unter seiner Führung eine völlig neue und starke Institution geworden. Der Franzose habe nicht nur die Möglichkeit, französischer Staatspräsident zu werden, er könnte auch der Nachfolger von Herman van Rompuy, dem Präsidenten des Europäischen Rates werden, wenn dessen Amtszeit 2012 ausläuft.

Spekuliert wird, ob Sarkozy selbst hinter dem Vorschlag in der Presse steht, Strauss-Kahn für die EZB-Spitze vorzuschlagen. Der Staatspräsident könnte versuchen, sich mit Blick auf die Präsidentenwahl in Frankreich 2012 eines scharfen Konkurrenten zu entledigen. Von Strauss-Kahn ist bekannt, dass er die Nachfolge von Sarkozy anstrebt. Bereits 2007 war Sarkozy ein ähnlicher Coup gelungen, indem er Strauss-Kahn zum IWF weg lobte. Damit hatte er sich für Frankreich einen weiteren internationalen Schlüsselposten gesichert und sich zugleich eines potenziellen politischen Rivalen entledigt.

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin
Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " EZB-Spitzenposten: Widerstand aus Frankreich gegen Axel Weber"

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  • Langsam müssen wir begreifen, dass Frankreich mehr und mehr die Macht in der EU übernimmt. Frau Merkel hat längst nichts mehr zu melden, sie hat es nur noch nicht gemerkt.
    Sie hat zu sehr große Weltstaatsfrau spielen wollen, das gefiel nicht allen.
    Nun wird sie mehr und mehr kalt gestellt zum Schaden Deutschlands

  • Frankreichs intentionen sind nachvollziehbar und sogar für die EU vernünftig. Es geht in der übrigen EU nicht ohne eine gewisse Flexibilität in der Währungs.- und Finanzpolitik. Die Gegensätze gegenüber Deutschland sind aufgrund der Produktivität und Kreativität der Deutschen mit einer Harmonisierung dieser Politik nicht ohne Schaden für die eine oder die andere Seite zu überbrücken. bis jetzt hat Deutschland fast allein für dieses Schaden gezahlt. Unsere Politik muß sich entscheiden ob sie den Weg des lockeren Geldes mitgehen will. Dann muß sich jetzt auch schnellstens unsere Lohnpolitik und die Politik gegenüber allen Leistungsempfänger ändern. Wir tragen dann der zwangsläufig einsetzenden inflation Rechnung. Wir werden zwangsläufig unseren Export wegen automatisch abnehmender Konkurrenzfähigkeit abbauen müssen, zugunsten einer steigenden binnennachfrage. Es wäre die Umverteilung von unten nach oben gebremst.
    Eine Politik, die Deutschland weiterhin als Kompensator einer sonst unsoliden europäischen Wirtschaftpolitik misbraucht, wird nicht von bestand sein können. Es ist von unseren, den deutschen Politikern eine Richtungsentscheidung gefordert, die für alle, auch Europa, eine berechenbarere Wirtschaftpolitik einleitet.

  • Herr Weber wäre ein guter Kandidat und ein guter EZb-Präsident. Das Problem aber ist, dass Frau Merkel gegenüber Sarkozy immer schwach wird. Ein würdiger Nachfolger für Weber wäre Sarrazin oder ein anderer Politiker, der noch versorgt werden muß. Eignung spiel hier keine Rolle, nur das richtige Parteibuch.

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