EZB
Trichet signalisiert Zinserhöhung

Im Euro-Raum muss mit weiter steigenden Zinsen gerechnet werden. Der Leitzins wird voraussichtlich im September oder Oktober über die Vier-Prozent-Marke klettern.

HB FRANKFURT. „Die derzeitigen Einschätzungen der Märkte sind richtig“, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, nach der Ratssitzung in Frankfurt. Volkswirte erwarten wegen des starken Wirtschaftsaufschwungs und der damit verbundenen Inflationsgefahren die nächste Zinserhöhung in einem der beiden Monate und rechnen mit einer weiteren Anhebung im Dezember auf dann 4,50 Prozent - den höchsten Wert seit mehr als sechs Jahren. Am Donnerstag ließ die EZB den Leitzins zur Versorgung der Kreditwirtschaft wie erwartet bei 4,0 Prozent.

Seit Ende 2005 hat die EZB den Zins in acht Schritten auf das derzeitige Niveau verdoppelt. Höhere Zinsen verteuern Kredite für Verbraucher und Unternehmen; zugleich werden Sparguthaben besser verzinst. Trichet sagte, die Notenbank werde die Risiken für die Preisstabilität „genau im Auge behalten“. Diese Formulierung benutzt die EZB zur Ankündigung weiterer Zinserhöhungen. Einen Zeitpunkt wollte Trichet aber nicht nennen. „Wir werden tun, was notwendig ist, aber wir legen uns nicht im Vorhinein fest“, sagte der Notenbankpräsident.

Knapp über der Vier-Prozent-Marke ist der Zins nach Expertenansicht auf einem neutralen Niveau, das heißt, die Wirtschaft wird dadurch weder gedämpft noch angeschoben. Der Aufschwung in der Euro-Zone ist laut EZB robust und wird sich fortsetzen. „Die Aussichten für die Wirtschaft sind gut“, sagte Trichet. Die Firmen investierten weiterhin und der private Konsum werde wegen der Besserung am Arbeitsmarkt anziehen.

Zuletzt hatte die EZB Anfang Juni den Leitzins um 0,25 Punkte auf 4,0 Prozent erhöht. Die Notenbank strebt Preisstabilität mit Teuerungsraten von knapp unter zwei Prozent an. Zwar liegt die Inflationsrate seit zehn Monaten auf einem niedrigen Niveau und blieb auch im Juni mit 1,9 Prozent darunter. Doch wegen der anziehenden Öl- und Lebensmittelpreise sowie steigender Löhne erwartet die EZB bis zum Jahresende Raten über dieser Schwelle.

„Die Teuerungsrate wird gegen Ende des Jahres gehörig anziehen“, sagte Trichet. Die hohe Kapazitätsauslastung der Werke und der Mangel an Fachkräften könnte die Löhne übermäßig steigen lassen und die Preise in die Höhe treiben. „Ein entschlossenes und rechtzeitiges Vorgehen zur Sicherung der mittelfristigen Preisstabilität ist daher notwendig.“

Im Gegensatz zur EZB erhöhte die britische Notenbank am Donnerstag ihren Leitzins wie erwartet um 0,25 Prozentpunkte auf 5,75 Prozent. Das teilte der geldpolitische Ausschuss der Notenbank in London mit. Der britische Leitzins liegt damit auf dem höchsten Niveau seit etwa sechs Jahren.

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