EZB
Trichet vermeidet Konfrontation im Währungsstreit

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält sich vorerst aus dem eskalierenden Streit über einen globalen Währungskrieg heraus. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet warnte diplomatisch vor „Schwankungen“ an den Devisenmärkten und verschob das Problem auf die Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds in Washington.
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HB FRANKFURT. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet vermied es im Anschluss an den Zinsbeschluss der Währungshüter am Donnerstag in Frankfurt, weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Stattdessen wiederholte er frühere Warnungen vor „exzessiven Schwankungen und ungeordneten Bewegungen“ an den Devisenmärkten, die die Stabilität von Weltwirtschaft und globalem Finanzsystem gefährdeten.

Zum Währungsstreit zwischen China und dem Westen verwies Trichet auf jüngste „wichtige“ Diskussionen mit der Regierung der asiatischen Wirtschaftsmacht. Es sei von großer Bedeutung, dass China die zugesagte Reform seines Wechselkursregimes vorantreibe. Die USA und Europa werfen der Regierung in Peking vor, den Wechselkurs des Yuan künstlich niedrig zu halten, um die heimische Wirtschaft vor der internationalen Konkurrenz abzuschirmen.

Zur jüngsten Abwertung des Dollars erklärte Trichet erneut, er gehe davon aus, dass ein starker Dollar nach wie vor im Interesse der USA sei. Der Greenback steht seit Wochen unter Druck, nachdem die US-Notenbank weitere Konjunkturspritzen per Notenpresse angekündigt hatte, sollte sich die nach wie vor schwache Lage am Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten nicht bessern. Der Kursverfall des Dollars und damit der Weltleitwährung sorgte zuletzt in immer mehr Staaten für Unruhe, weil ihre Konjunktur unter dem spiegelbildlichen Anstieg der eigenen Währung leidet. Betroffen sind Exportnationen wie Südkorea, Brasilien oder Japan. Dort hat die Zentralbank bereits gegen den starken Yen am Devisenmarkt interveniert.

Der Euro übersprang während der Pressekonferenz mit Trichet erstmals seit Anfang Februar wieder die Marke von 1,40 Dollar. Einige Ökonomen befürchten dadurch Nachteile für Europas Exporteure gegenüber der Konkurrenz auf dem Weltmarkt. Trichet und andere Notenbankchefs und Finanzminister treffen am Wochenende bei der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington zusammen. Trichet sagte, das Treffen werde eine gute Gelegenheit sein, sich ausführlich über das Streitthema Währungen auszutauschen.

Immer mehr Länder fürchten einen Abwertungswettlauf der Währungen, da immer mehr Staaten versuchen ihre heimische Wirtschaft auf dem Umweg über Abwertungen zu schützen. Die Regierung Brasiliens hatte unlängst einen beginnenden Währungskrieg ausgemacht; IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn warnte vor den Folgen eines Wettkampfs um die billigste Währung. Zudem war am Mittwoch nach Äußerungen von US-Finanzminister Timothy Geithner und Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao der Währungsstreit zwischen den USA und China eskaliert.

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