EZB
Trichet warnt seine Gegner

Die Europäische Zentralbank wird am Donnerstag den Zeitzins erhöhen. Alles andere wäre für Experten überraschend. Und EZB-Präsident Trichet hat den Gegnern einer Zinserhöhung schon einmal eine klare Ansage gemacht.

HB FRANKFURT. Erstmals seit gut einem Jahr steht im Euro-Raum wieder eine Zinserhöhung an. Wegen des deutlichen Anstiegs der Inflation auf mittlerweile vier Prozent dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) unter Führung ihres Präsidenten Jean-Claude Trichet am morgigen Donnerstag Experten zufolge die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte heraufsetzen. Trichet hatte bereits nach der Sitzung des EZB-Rates Anfang Juni erklärt, er schließe eine kleine Anhebung in der nächsten Sitzung nicht aus.

Sorgen bereitet den Währungshütern vor allem der Anstieg der Inflation, die im Juni im Euro-Raum auf 4 Prozent hochschnellte. Die Lebenshaltungskosten liegen damit deutlich über dem Wert von knapp zwei Prozent, den die EZB als Preisstabilität definiert.

EZB-Präsident Trichet warnte daher auch vor Nachlässigkeit im Umgang mit der Inflation. "Wir Notenbanker tragen eine große Verantwortung. Wenn wir nicht entschlossen sind, besteht das Risiko, dass die Inflation explodiert. Wenn wir entschieden handeln, dann können wir die Situation meistern", sagt Trichet der "Zeit".

Im Gegensatz zur US-Notenbank, die wegen der Abkühlung der Finanzmarktkrise die Zinsen in mehreren Schritten auf 2 Prozent senkte, hat die EZB die geldpolitischen Zügel seit dem Ausbruch der Turbulenzen im vergangenen Sommer nicht gelockert. Zum letzten Mal erhöhte die EZB die Zinsen im Juni 2007. Der entscheidende Leitzins liegt seitdem bei vier Prozent.

Höhere Zinsen machen Kredite teurer und helfen im Kampf gegen die rasante Inflation, die im Euro-Raum im Juni mit vier Prozent auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro am 1. Januar 1999 kletterte. Zugleich bremsen höhere Zinsen aber auch das Wirtschaftswachstum. Dabei waren die Aussichten für die Euro-Zone zuletzt deutlich schlechter geworden. Deshalb kritisieren Gewerkschafter und Politiker wie Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) die Pläne der EZB heftig und fürchten ein Abwürgen der Konjunktur.

Das Dilemma für die europäischen Notenbanker lag nach Ausbruch der Finanzmarktkrise darin, dass eine Abhebung der Leitzinsen zwar die Inflation dämpfen, zugleich aber das Wirtschaftswachstum drosseln würde. Eine Lockerung der geldpolitischen Zügel zur Förderung der Konjunktur könnte dagegen der Teuerung weiteren Auftrieb geben.

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