EZB unter Druck
Europas Banken vergeben weniger Kredite an Firmen

Auch im September setzt sich der Rückgang der Kredite an Firmen und Privathaushalte fort. Dadurch steigt der Handlungsdruck auf die EZB. Dessen Direktor Jörg Asmussen rechnet mit einer Lösung durch den Banken-Check.
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FrankfurtDie Banken in der Euro-Zone haben ihre Kredite an Firmen und Privathaushalte im September ähnlich stark wie bereits im Ferienmonat August gekappt. Dies teilte die Europäische Zentralbank am Freitag mit. Die Notenbank steht dadurch unter größerem Druck, die Kreditvergabe mit noch mehr billigem Geld anzukurbeln. In der Summe schrumpften die Kredite um 1,9 (August: 2,0) Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Allerdings nahm das Tempo des Rückgangs zuletzt ab. Während die Banken im Juli noch 16 und im August 12 Milliarden Euro weniger an Firmen verliehen, lag das Minus im September bei vergleichsweise moderaten sieben Milliarden Euro.

„Das ist dann auch schon das einzig halbwegs Positive, was man aus den Daten herauslesen kann“, sagte Howard Archer, Ökonom beim Analysehaus His Global Insight. Allerdings glaubt er nicht, dass die EZB schon Anfang November auf den andauernden Rückgang der Kredite reagieren und den Leitzins weiter senken wird. Auch eine weitere massive Geldspritze – in Form eines langlaufenden Refinanzierungsgeschäfts – für die Banken sei zumindest vorerst unwahrscheinlich. Die EZB entscheidet das nächste Mal am 7. November über ihren geldpolitischen Kurs. Der Leitzins liegt aktuell bei 0,5 Prozent.

EZB-Direktor Jörg Asmussen sagte in einem Interview mit der italienischen Zeitung „Il Sole 24 Ore“, er erwarte, dass der in den kommenden Monaten anstehende Gesundheitscheck der größten Banken der Euro-Zone durch die EZB wichtig werde für die Bereitschaft der Banken, mehr Kredite zu vergeben. „Ich glaube, die Kreditvergabe an die Unternehmen wird zu den erwünschten Niveaus zurückkehren, wenn wir die Bankbilanzen bereinigt haben.“

Das Wachstum der für die Zinspolitik der EZB wichtigen Geldmenge M3 lag bei 2,1 (2,4) Prozent. Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (Juli bis September) erhöhte sich M3 um 2,2 (2,3) Prozent. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit. Eine stark wachsende Geldmenge signalisiert eine potenzielle Inflationsgefahr.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EZB unter Druck: Europas Banken vergeben weniger Kredite an Firmen"

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  • Warum sagt uns die Politik nicht die Wahrheit ?

    Weil es uns in Wirklichkeit verdammt schlecht geht !

    Es gibt auch keinen der sich darüber freut das es so ist!

    Auch nicht der Chinese!

  • Hmm schade hat das ganze billige Geld doch irgendwie nichts gemacht Außer heißer Luft.....

    Die oligarchen bedanken sich beim Steuerzahler
    der Eu für ihre großmütig Spende....

    Beim Kreuzen an der Adria werden sie bestimmt ein Sekunde an "uns" denken und sich vor lachen auf die Schenkel klopfen...

    Dann können wir uns ja bald auf zustände wie in Weimar freuen....

    Himmel wo bekommen wir nur schnell einen Stresemann her....
    der sowohl auf Linke wie auf Rechte Radikale Schiessen läst...

    Mein armes Deutschland.
    Staufenberg Rotiert sicher im grabe mit Bismark um die Wette...

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