Fall Merrill Lynch
Bernanke stellt sich seinen Kritikern

US-Notenbankchef Ben Bernanke ist im US-Kongress ein ungewöhnlich rauer Wind entgegengeschlagen: Bei der Anhörung zu seiner Rolle beim Notverkauf der Investmentbank Merrill Lynch an die Bank of America (BoA) nahmen Abgeordnete aus dem Regierungslager und der Opposition den mächtigsten Notenbanker der Welt ins Kreuzverhör.

HB WASHINGTON. Bernanke musste am Donnerstag den Vorwurf parieren, er habe BoA-Chef Ken Lewis mit Entlassung gedroht, falls dieser das riskante Geschäft platzen lassen würde. "Ich habe dem Management nicht gesagt, dass die Notenbank gegen das Board oder das Management vorgehen würde", verteidigte sich Bernanke.

Der republikanische Abgeordnete Darrell Issa und andere Kongresspolitiker führten insbesondere eine E-Mail für ihr Argument ins Feld, dass Bernanke eine Drohkulisse zur Absicherung der Zwangsehe zwischen Merrill und der Bank of America aufgebaut habe. Darin schrieb der Notenbanker Jeffrey Lacker, Bernanke habe deutlich gemacht, dass das BoA-Management gehen müsse, sollte es den Kauf torpedieren und später einmal auf Staatshilfe angewiesen sein.

Mit der Mail als Munition ging Issa den Notenbankchef in der Anhörung frontal an: "Auf den Punkt gebracht meint er (Lacker) doch, dass sie eine Drohung planten - lügt er etwa?" Bernanke antwortete ausweichend, er könne sich an die Details der Unterredung nicht entsinnen. "Ich habe aber niemals gedroht. Ich habe dieses Thema auch nie im Gespräch mit Ken Lewis aufgebracht", beteuerte Bernanke. Auch habe er Lewis nicht aufgefordert, die Milliardenrisiken des Geschäfts der Öffentlichkeit und damit auch den Aktionären zu verschweigen.

Lewis hatte jüngst erklärt, Bernanke habe ihn unter Druck gesetzt, für den Fall, dass er die Übernahme der angeschlagenen Investmentbank hätte scheitern lassen. Bernanke argumentiert hingegen, er habe Lewis lediglich auf die möglichen Folgen für die Stabilität des Finanzsystems hingewiesen. Der Notenbank-Chef steht wegen der Rolle der Fed bei dem Geschäft seit einiger Zeit unter Druck und muss um seine Wiederbenennung durch Präsident Barack Obama fürchten. Sollte der Notenbankchef die Vorwürfe letzlich nicht überzeugend entkräften können, dürften seine Tage an der Spitze der Zentralbank gezählt sein. Seine erste Amtszeit läuft Ende Januar aus.

Obama hat sich bislang noch nicht festgelegt, ob er Bernanke für weitere vier Jahre nominieren will. Auch Obamas Wirtschaftsberater Lawrence Summers gilt als aussichtsreicher Kandidat für den Posten. Zusätzlich Brisanz erhält die Affäre dadurch, dass der Präsident der Fed im Zuge der geplanten Reform der US-Finanzaufsicht deutlich mehr Macht geben will. Der demokratische Vorsitzende des Ausschusses, vor dem sich Bernanke verantworten muss, Edolphus Towns, machte auch die Unterstützung des Kongresses für die Aufsichtsreform vom Ausgang der Bankenaffäre abhängig. Man sei bei der Aufklärung der Rolle der Aufseher erst ganz am Anfang, betonte er.

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