Fed-Aufsicht
Bernanke geht in die Offensive

Ben Bernanke ist in der Regel kein Mann der lauten Töne. Auf die Vorschläge des US-Kongress, die Notenbank strenger zu beaufsichtigen, reagierte Bernanke jedoch mit scharfer Kritik. Steht erstmal die Geldpolitik infrage, gilt dies auch für die Wirtschaftserholung, so der Tenor.
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HB WASHINGTON. Wenige Tage vor seiner Anhörung hat US-Notenbank-Chef Ben Bernanke Kongressvorschläge zur Fed-Aufsicht ungewöhnlich deutlich kritisiert. Solche Maßnahmen gingen nicht mit dem weltweiten Konsens über die angemessene Rolle der Zentralbanken einher, schrieb Bernanke in einem Gastbeitrag für die Internet-Ausgabe der „Washington Post“. Eine Überprüfung der geldpolitischen Entscheidungen der Fed könnte den Aussichten auf eine wirtschaftliche Erholung schaden. Durch sie würden die Prognosen für die Wirtschafts- und Finanzstabilität in den USA beeinträchtigt, schrieb Bernanke weiter.

Der Fed bläst im Kongress derzeit heftiger Wind entgegen. Kritiker werfen ihr unter anderem vor, die Immobilienblase am US-Häusermarkt nicht rechtzeitig erkannt zu haben. In seinem Beitrag räumte Bernanke ein, die Fed habe - wie andere Aufsichtsbehörden in der ganzen Welt - in der Phase, die zur Krise führte, besonders riskante Verhaltensweisen an den Märkten nicht erkannt. „Aggressive“ Eingriffe der Notenbank hätten aber dabei geholfen, einen noch schlimmeren Zusammenbruch zu verhindern. „Die Fed hat eine bedeutende Rolle beim Stopp der Krise gespielt, und wir sollten danach streben, ihre Fähigkeit zur Förderung der Finanzstabilität und der Konjunkturerholung ohne Inflation zu bewahren und nicht zu vermindern.“

Im Bankenausschuss des US-Senats findet am Donnerstag eine Anhörung zur Bestätigung einer zweiten Amtszeit Bernankes statt. Der Vorsitzende des Ausschusses, Christopher Dodd, hatte kürzlich vorgeschlagen, den Einfluss der Fed auf die Festlegung des Zinssatzes zu beschränken. Ein Ausschuss des Repräsentantenhauses bewilligte vor kurzem eine Maßnahme, die die geldpolitischen Entscheidungen der Fed für Regierungsprüfungen zugänglich macht.

US-Präsident Barack Obama will als Konsequenz aus der Finanz- und Wirtschaftskrise die Finanzmarktaufsicht in den USA reformieren. Die Fed wiederum pocht auf ihre Unabhängigkeit.

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