Fed
Ben Bernanke droht Streit im eigenen Haus

In der US-Notenbank wird der Ton rauer: Neue Mitglieder kritisieren den Fed-Chef und die Politik des billigen Geldes. Durch die Neubesetzung verändert sich empfindlich das Verhältnis zwischen Tauben und Falken. Letztere könnten für Ben Bernanke zum Fallstrick werden.
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NEW YORK . Der US-Notenbank Fed stehen 2011 heftige interne Diskussionen über die expansive, konjunkturstützende Geldpolitik ins Haus. International steht die Fed dafür bereits in der Kritik. Nun drohen auch innerhalb der Notenbank starke Spannungen, denn durch die turnusmäßige Neubesetzung des entscheidenden Fed-Gremiums FOMC rücken mit Richard Fisher, Charles Plosser und Narayana Kocherlakota gleich drei Kritiker von Fed-Chef Ben Bernanke an den Verhandlungstisch. Sie alle sind Befürworter einer restriktiveren Geldpolitik. Ein koordiniertes Vorgehen der Kritiker würde "zu Rissen in der bislang konsensorientierten Natur des FOMC führen", urteilt Michael Gapen, Fed-Experte bei der britischen Barclays Bank, mit der für die Notenbankerszene typischen Zurückhaltung.

"Falken" gegen "Tauben"

Diese Zurückhaltung haben die Akteure selber allerdings schon längst aufgegeben. Die sich anbahnende Polarisierung im FOMC zeigte sich bereits vor der Dezember-Sitzung, als scheidende und neue FOMC-Mitglieder den Streit um die Gelddruckprogramme der Fed entgegen der sonst üblichen Art öffentlich über die Medien austrugen.

Zum Jahreswechsel werden mit Fisher, Plosser, Kocherlakota und Charles Evans turnusmäßig vier neue Mitglieder in das FOMC aufrücken. Die ersten drei gelten im Wall–Street-Jargon als "Falken", also als Gegner der von Bernanke propagierten expansiven, konjunkturstützenden Geldpolitik. Sie legen mehr Wert auf die Inflationsbekämpfung und sehen die aktive Konjunkturpolitik kritisch. Lediglich Evans hat sich mit seinen Äußerungen als Bernanke-Fan geoutet und wird daher der Fraktion der "Tauben" zugerechnet. Von den scheidenden vier Mitgliedern gilt lediglich Tom Hoenig, Chef der Fed-Filiale von Kansas City, als "Falke", sodass 2011 mehr Bernanke-Gegner in das FOMC hinein- als herausrotieren.

Manifestieren werden sich die Streitigkeiten innerhalb des FOMC am sogenannten "Quantitative Easing". Darunter versteht man den Ankauf von Kreditpapieren durch die Fed, durch den sie die Kapitalmarktzinsen senken will. In der Krise 2008/2009 hatte sie zunächst die Zinsen auf faktisch null Prozent gesenkt. Als dies nicht half, kaufte die Fed bis Frühjahr 2010 Kreditpapiere im Wert von 1,7 Billionen Dollar. Im Jahresverlauf zeigte sich, dass die Konjunktur immer noch schwächelte und so legte die Fed ein weiteres, 600 Milliarden Dollar schweres Ankaufsprogramm auf. Über die mögliche Verlängerung dieses als "QE2" bezeichnete Programm wird im zweiten Quartal 2011 entschieden. Die einzige Gegenstimme gegen diese Politik innerhalb des FOMC stammte bislang vom scheidenden Mitglied Hoenig. Aber Neumitglied Plosser machte bereits im Herbst keinen Hehl aus seiner Ablehnung. Auch die Äußerungen von Fisher, Kocherlakota und dem ständigen FOMC-Mitglied Kevin Warsh lassen massive Bedenken erkennen. Drei oder mehr Gegenstimmen hat es im FOMC seit 1992 nicht mehr gegeben.

Obama hilft dem Fed-Chef

Das Weiße Haus in Washington hat allerdings außergewöhnliche Umstände dazu genutzt, die Bernanke-Fraktion im FOMC zu stärken. Denn der eigentlich siebenköpfige Gouverneursrat der Fed, der dauerhaft Teil des FOMC ist, operierte bis zum Herbst übergangsweise mit nur fünf Mitgliedern. Da zudem Fed-Vize Donald Kohn im Sommer in den Ruhestand ging, hatte US-Präsident Barack Obama die historische Chance, gleich drei neue Fed-Gewaltige nach seinen Wünschen auszusuchen.

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  • End the Fed, or have America go down.

  • Die FED hat das Mandat, anders als die Deutsche bundesbank damals und die EZb heute, sowohl für stabile Preise einerseits als auch für hohe beschäftigung anderseits gleichzeitig zu sorgen. Der ehemalige FED-Chef Alan Greenspan hat zudem noch ein weiteres (persönliches) Ziel verfolgt, nämlich grenzenloser Reichtum für alle, in dem er durch zuviel billiges Geld die Vermögenspreise seit 1980 hat explodieren lassen.

    inwieweit die FED die ihr gesetzten Ziele erreicht hat, läßt sich an folgenden volkswirtschaftlichen Daten kurz ablesen: 9,8% Arbeitslosigkeit, unterdurchschnittliches Wirtschaftswachstum, das Platzen der Spekulationsblase hat den Gesamtwert aller immobilien in den USA seit 2006 um neun billionen Dollar sinken lassen, private Haushalte in USA halten ca. 2,5 billionen USD an Verbraucherkrediten, die Staatsverschuldung der USA beträgt 110% der Wirtschaftskraft Amerikas, sofern man die halbstaatlichen Hypothekenfinanzierer Fanny und Freddy mitrechnet, und durch die Verlängerung der jüngst beschlossenen Steuererleichterungen kommen noch einmal 850 Mrd. USD bis 2013 oben drauf.

    Somit läßt sich feststellen, die FED hat nicht nur ihre Ziele nicht erreicht, was die oben genannten Daten eindrucksvoll belegen, sondern auch ein horrenden wirtschaftlichen Schaden weltweit verursacht.

    Um den Status Quo zu erhalten, hat die FED kürzlich beschlossen, ihre bilanz durch den Aufkauf von amerikanischen Staatsanleihen um 600 Mrd. USD bis Sommer 2011 weiter zu vergrößern. FED-Chef bernanke gibt als begründung an, die Arbeitslosigkeit sei zu hoch und die inflation zu niedrig. Desweiteren sollen die Zinsen am langen Ende weiter fallen und die Aktienpreise steigen, um den gefühlten Wohlstand der US-Amerikaner für den Konsum zu erhöhen.

    Seit das Programm aber im Herst aufgelegt wurde, läuft etwas für die FED gewaltig aus dem Ruder. Nämlich die Rohstoffpreise explodieren und die Zinssätze amerikanischer Staatsanleihen steigen steil nach oben. Diese Entwicklung muß der FED sorgen machen, bedeuten höhere Rohstoffpreise gleichzeitig höhere input-Preise für die Produktion von Gütern und steigende Zinsen höhere Kapitalkosten für die Finanzierung der investitionen. beides belasten die bilanzen der Unternehmen und inwieweit die Unternehmen die Mehrkosten an die Verbraucher durch Erhöhung der Verbraucherpreise angesichts hoher Arbeitslosigkeit überhaupt weitergeben können, bleibt mehr als fraglich. Am Ende könnte die jetzt eingeleitete Politik der FED sogar kontraproduktiv und risikobehaftet für die Konjunktur insgesamt sein. Die Arbeitslosigkeit könnte sogar weiter steigen, sollten die Unternehmen die Mehrkosten durch weitere Entlassungen, sprich Produktivitätsverbesserungen, kompensieren, um ihre Gewinnmargen zu halten.

    Vielleicht sind wir gerade Zeitzeuge, wie sich die amerikanische Notenbank selber ein Grab gräbt und ihre Fülle an Macht verliert. Vielleicht werden die Politiker in Amerika aufwachen und das Mandat der FED ändern. bis dahin wird die inflation galoppieren und mehr und mehr Menschen arbeitslos sein. Dies ist wahrscheinlich der Preis, den die FED zu bezahlen hat, für den Tanz um das goldene Kalb.



  • Guten Tag,
    könnte sich nach ihrer Sichtweise, evtl. kurz- bis langfristig ein Krieg entwickeln?
    Schon Kinder lernen beim Lego spielen, dass wenn man etwas zerstört, es wieder aufbauen muss und beide male lacht dass Kind, ob beim Einsturz des Turmes oder beim bau und Fertigstellung des neuen Turmes.
    in jedem Mensch bzw. Mann steckt auch noch dass innere Kind, dass sich über Zerstörung und Wiederaufbau freut.
    So bleibt alles im fließen, denn Stillstand bedeutet Tod.

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