Fed
Bernanke deutet zinspolitische Wende an

US-Notenbankchef Ben Bernanke hält eine Pause bei den Zinserhöhungen für denkbar. Die Fed hatte zuvor den Leitzins fünfzehnmal in Folge auf aktuell 4,75 Prozent angehoben. Der Euro stieg nach den Aussagen Bernankes auf ein Tageshoch.

HB WASHINGTON. Es sei durchaus möglich, dass die Zentralbank (Fed) bei künftigen Sitzungen die Zinsen nicht ändere und zunächst weitere Informationen zur Konjunkturlage abwarte, sagte Bernanke bei seiner Anhörung vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses am Donnerstag.

Die Aussicht auf ein möglicherweise baldiges Ende der Politik moderater Zinsanhebungen in den USA löste an den Märkten umgehend Kursbewegungen aus: Der Euro zog zum Dollar an, die US-Aktienmärkte drehten zeitweise ins Plus. Anleger warten seit Monaten gespannt auf derartige Hinweise des neuen Fed-Chefs. Für die nächste Fed-Sitzung am 10. Mai rechnen Volkswirte weiter mit einer Anhebung, beim darauf folgenden Treffen im Juni ist ein solcher Schritt Händlern zufolge dagegen unwahrscheinlicher geworden.

„Künftige geldpolitische Entscheidungen werden zunehmend von der Entwicklung des Konjunkturausblicks abhängen, der wiederum von den veröffentlichten Daten geprägt wird“, sagte Bernanke vor den Abgeordneten. Es sei vernünftig anzunehmen, dass sich das US-Wachstum 2006 auf ein nachhaltigeres Niveau abschwächen werde. Die Fed müsse aber dennoch weiter wachsam sein, was Inflationsgefahren angehe.

Zwar sei der Ausblick für die Teuerung recht günstig, doch die Energiepreise gäben weiter Anlass zur Sorge. „Sollten sich die Energiekosten indes in diesem Jahr stabilisieren, selbst auf einem hohen Niveau, so dürften ihre negativen Effekte auf Inflation und Wachstum etwas nachlassen im Verlauf der Zeit“, betonte Bernanke. Der Ölpreis war in der vergangenen Woche auf ein Rekordniveau von bis zu 75 Dollar gestiegen, ist seither aber wieder etwas gesunken.

„Selbst wenn sich die Risiken für die von uns angestrebten Ziele noch nicht vollständig die Waage halten, könnte es sein, dass wir irgendwann in der Zukunft bei einem Treffen entscheiden, die Zinsen nicht zu ändern“, sagte Alan Greenspans Nachfolger an der Spitze der US-Notenbank. Zugleich machte er jedoch deutlich, dass eine Pause im Zinserhöhungszyklus nicht identisch sei mit einem Ende. Die Währungshüter entschieden jedes Mal wieder neu, sagte er.

Die US-Notenbank hat seit knapp zwei Jahren den Leitzins kontinuierlich 15 Mal in Folge angehoben und damit auf den Abschwung der US-Wirtschaft reagiert. Da die Konjunktur der weltgrößten Volkswirtschaft seit einiger Zeit aber wieder kräftig im Aufwind ist, war zuletzt verstärkt über ein Ende dieses Zyklus' spekuliert worden. Die Zinsen liegen derzeit bei 4,75 Prozent und damit so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Bernanke äußerte sich bei seiner Anhörung auch zu längerfristigen Risiken in Folge der Defizite in der US-Leistungsbilanz und im Haushalt. Beide Ungleichgewichte stellten die US-Wirtschaft vor große Herausforderungen und müssten dringend reduziert werden. Bislang hätten die USA wenig Probleme gehabt, ausreichend ausländisches Kapital zur Finanzierung des Handelsdefizits anzulocken, sagte der frühere Wirtschaftsberater von US-Präsident George W. Bush. Dennoch dürfe das Defizit nicht kontinuierlich weiter wachsen, da sonst die Gefahr einer abrupten Dollar-Abwertung bestehe.

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