Fed-Beschluss: Zweite Widersacherin: Loretta Mester

Fed-Beschluss
Wer Janet Yellen Kontra gibt

  • 4

Zweite Widersacherin: Loretta Mester

Loretta Mester, wie George 1958 geboren, ist Präsidentin der Fed Cleveland. Zuvor arbeitete sie bei der regionalen Notenbank in Philadelphia. Ende August ließ sie in einem Interview durchblicken, dass sie an eine robuste Erholung der US-Wirtschaft im zweiten Halbjahr glaubt. Eine Abstimmungstendenz für den gestrigen Abend war damals noch nicht erkennbar.

Ähnlich wie George hatte auch sie bereits im Juni in einer Rede davor gewarnt, die Zinsen auf einem langfristig niedrigen Niveau verharren zu lassen. Ein durch langes Zögern verursachte aggressive Anhebung der Zinsen könne die Stabilität des Finanzsystems gefährden, so Mester damals.

Dritter Widersacher Eric Rosengren

Die Entscheidung der Falken hatte sich also angedeutet. Eric Rosengren, Chef der Fed Boston seit 2007 und damit geldpolitischer Entscheidungsträger schon unmittelbar vor der Finanzkrise, mahnte kürzlich eine Überhitzung des Gewerbeimmobilienmarktes an, verursacht durch eine laxe Geldpolitik über einen längeren Zeitraum. Durch ihr Zögern, so Rosengren, riskiere die Fed eine Rezession – insofern war es nur konsequent, dass auch er sich gegen die Mehrheit gestellt hat.

US-Medien sprechen dieser Tage von einer „tief gespaltenen Fed“ – eine durchaus fragliche Bezeichnung. Auch die Falken fordern nur sehr vorsichtige Zinserhöhungen. Fed-Chefin Yellen und ihre Befürworter haben die Risiken einer zu langsamen Normalisierung durchaus im Blick. Niemand bestreitet etwa, dass auf dem Markt für Gewerbeimmobilien eine Überhitzung droht. Dieser Bereich umfasst allerdings nur einen kleinen Teil des Immobilienmarktes – daher sei er nach Ansicht der „Tauben“, also den Anhängern einer weichen Geldpolitik, nicht ausschlaggebend.

Auch bei der Analyse der wirtschaftspolitischen Situation herrscht Konsens. Die US-Wirtschaft wächst langsam und stetig, der Arbeitsmarkt ist relativ stark und die Inflation auf einem guten Weg. Doch ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Die Falken glauben Ersteres und plädieren daher für eine vorausschauende Geldpolitik. die Tauben hingegen denken etwas pessimistischer – und sehen noch keinen Handlungsdruck.

Letztlich hängt die Entscheidung allen voran an den ständigen Vertretern. Yellen, ihr Stellvertreter Fischer und New-York-Chef Dudley haben den größten Einfluss. Ihr Spitzname: die „Troika“. Solange die drei Entscheidungsträger zusammenhalten, dürfte die Mehrheit kaum gefährdet sein. Yellen und Dudley gelten als Tauben, Fischer hingegen folge hin und wieder einer härteren Linie, heißt es.

Als Yellen legte im vergangenen Dezember großen Wert auf ein einstimmiges Votum, als sie zum ersten und bislang einzigen Mal seit der Finanzkrise die Zinsen anhob. Im Vorfeld hatte sie intensive Gespräche mit den Ausschuss-Mitgliedern geführt. Man kann davon ausgehen, dass bei einer Zinserhöhung Einstimmigkeit vorausgesetzt wird. Andernfalls – so wie in diesem Monat – dürfte die Anhebung verschoben werden.

Kurz vor der US-Präsidentschaftswahl im November tagt die Fed ein weiteres Mal. Doch eine Zinserhöhung gilt zu diesem Zeitpunkt als unwahrscheinlich, die meisten Beobachter rechnen eher mit einem im Dezember. Bereits der Tonfall des jüngsten Fed-Statements sei härter und „falkenhafter“ geworden, analysierte Torsten Slok von der Deutschen Bank. Und Yellen dürfte hart daran arbeiten, im Dezember eine möglichst einstimmige Entscheidung herbeizuführen.

Seite 1:

Wer Janet Yellen Kontra gibt

Seite 2:

Zweite Widersacherin: Loretta Mester

Kommentare zu " Fed-Beschluss: Wer Janet Yellen Kontra gibt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Notenbank-Chefin Yellen dürfte viel dafür tun, damit im Dezember wieder Einigkeit herrscht."

    Ob sie das schafft, wird hoffentlich von der Überzeugungskraft ihrer Argumente abbhängen.

  • Die Leute können schimpfen wie sie wollen, FED, EZB usw. KÖNNEN den Zins doch gar nicht mehr anheben, weil dann sofort die völlig überschuldeten Saaten sowie Wirtschaft und Privatpersoenen finanziell in die Knie gehen und der Ballon platzt. "Georges Warnung: Es bestehe die Gefahr, dass „zinssensible“ Bereiche der Wirtschaft „zu viele Schulden machen und zu schnell wachsen“ – und dann auf gefährliche Weise wieder abspecken müssten." LOL, genau das ist doch schon längst passiert, wo lebt die denn?

  • Die Chefs der großen Notenbanken ... den Investment-Banken tief ergeben!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%