Fed-Chef
Bernanke verteidigt sich und seine Geldpolitik

Macht ihm die Kritik zu schaffen? US-Zentralbankchef Ben Bernanke hält daran fest, dass der kürzlich erfolgte Schritt, weiteres Geld in die Märkte zu pumpen, richtig gewesen sei. Das geht aus einer Rede hervor, die er Frankfurt halten sollte.
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HB WASHINGTON/FRANKFURT. US-Notenbank-Chef Ben Bernanke hat die jüngste Lockerung der Geldpolitik in den Vereinigten Staaten vehement verteidigt. Das langsame Wachstum, der Rückgang der Inflation und eine seit Monaten hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit seien die Gründe für den Schritt der Federal Reserve, hieß es in der Nacht zum Freitag in Auszügen aus einer Rede, die Bernanke in Frankfurt halten sollte. „Bei der jetzigen wirtschaftlichen Entwicklung in den USA besteht die Gefahr, dass Mio. Arbeiternehmer viele Jahre lang nicht beschäftigt oder unterbeschäftigt bleiben. Für unsere Gesellschaft sollte dies inakzeptabel sein“.

In den vergangenen Tagen hatten mehrere amerikanische Notenbanker, darunter Bernankes Vize Janet Yellen und der Chef der wichtigen Fed of New York, William Dudley, das Anfang des Monats beschlossene neue 600-Milliarden-Dollar-Programm der Fed verteidigt. Es soll die lahmende US-Wirtschaft mit billigem Geld versorgen und damit Anreize für Investitionen schaffen. Der Schritt schwächt jedoch zugleich den Dollar. Die Maßnahme ist unter anderem deshalb im In- und Ausland umstritten. Viele Länder, vor allem die großen Schwellenländer fürchten, dass die Politik der Federal Reserve über Kapitalimporte zu einer starken Aufwertung ihrer Währungen führt und so ihren Export belastet. Auch Deutschland hat die Fed massiv kritisiert.

Gegenwind bekommt Bernanke aber auch aus der Fed selbst. Zuletzt hatten mehrere republikanische Finanzexperten demonstrativ gegen die Politik Bernankes Front gemacht. Ihnen hielt der Notenbankchef entgegen, eine weitere Ausweitung der Geldmenge sei angesichts der großen Probleme der Wirtschaft das einzig sinnvolle Rezept: „Der beste Weg um weiterhin den Dollar zu stärken und zugleich die Erholung der Weltwirtschaft zu unterstützen ist eine Politik, die im Kontext stabiler Inflationsraten zu einem robusten Wachstum beiträgt.“

Die USA kommen nach wie vor nur sehr zäh aus der auf die schwerste Finanzkrise seit Jahrzehnten gefolgten tiefen Rezession. Zwar wächst die Wirtschaft wieder, doch verharrt die Arbeitslosigkeit bei für die Vereinigten Staaten ungewöhnlich hohen knapp zehn Prozent. Zudem ist die Teuerung so niedrig wie seit vielen Jahren nicht mehr. Bernanke und andere wichtige Ökonomen fürchten deshalb, dass die US-Wirtschaft in eine Spirale fallender Preise abgleiten könnte. Dies würde sowohl den Konsum als auch die Investitionen der Unternehmen hemmen und somit in einem Abwärtsstrudel münden - wahrscheinlich mit noch mehr Arbeitslosen.

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