Fed-Entscheid
US-Notenbank lässt Märkte im Unklaren

Der künftige Kurs der amerikanischen Notenbank ist ein Stück unsicherer geworden. Die Federal Reserve (Fed) ließ am Mittwoch zwar die Leitzinsen wie erwartet unverändert bei 5,25 Prozent. Die Notenbanker passten jedoch ihre Konjunktureinschätzung der unübersichtlichen Konjunkturlage an.

NEW YORK. So spricht die Fed in ihrer Erklärung ausdrücklich von „gemischten“ Konjunktursignalen und weist darauf hin, dass die „Anpassung“ auf dem krisengeschüttelten Immobilenmarkt in den USA weitergehe. Zugleich betonen die Notenbanker jedoch, dass die Inflation ihre „Hauptsorge“ bleibe. Sie verweisen darauf, dass die Kerninflation sich seit der letzten Fed-Sitzung Ende Januar etwas erhöht habe.

Anders als damals lassen Fed-Chef Ben Bernanke und seine Kollegen jetzt jedoch offen, in welche Richtung die sich Leitzinsen in den USA künftig entwickeln werden. „Die Risikoeinschätzung ist jetzt neutral“, sagte Bill Gross, Chef des weltgrößten Anleihehändlers Pimco.

Die Finanzmärkte benötigten einige Zeit, um die Botschaft der Notenbank zu deuten. Am Ende behielten jedoch die Bullen an der Börse die Oberhand und der Dow Jones Index in New York zog um fast 100 Punkte an. Der Dollar verlor gegenüber dem Euro an Boden, was ebenfalls die Erwartung einer weniger restriktiven Geldpolitik widerspiegelt.

Eine sofortige Zinssenkung hatten die Märkte jedoch nicht erwartet. Die Leitzinsen in den USA stehen seit Juni vergangenen Jahres bei 5,25 Prozent. Seitdem haben sich jedoch die Konjunkturaussichten eingetrübt. So ist das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal 2006 auf nur noch 2,2 Prozent zurückgegangen. Auch in den ersten drei Monaten des lau-fenden Jahres hielt die Flaute an. So hat die Forschungsgruppe Macroeconomic Advisers ihre Wachstumsprognose gerade von 2,5 auf 1,7 Prozent zurückgenommen.

Als Konjunkturbremse wirkt vor allem die Immobiliekrise. Noch sind sich die Ökonomen uneins, ob das Schlimmste bereits überstanden ist. Das Lager der Optimisten wird ange-führt von Fed-Chef Ben Bernanke. Er glaubt nicht, dass die Zahlungskrise im untersten Segment auf den gesamten Hypothekenmarkt übergreifen wird. Auch sieht er bislang keinerlei Hinweise darauf, dass der private Konsum durch den Wohlstandsverlust der Hausbesitzer einbrechen könnte.

„Die Fed sorgt sich mehr um die Inflation“, sagt Drew Matus, Öko-nom bei der Investmentbank Lehman Brothers. Trotz rückläufiger Energiepreise ist es Bernanke bislang nicht gelungen, die Preis-steigerungsrate unter die Zwei-Prozent-Marke zu drücken. Im März lag die Rate für die Kerninflation 2,7 Prozent über dem Vorjahr.

Führende Ökonomen wie Jan Hatzius, Chef-Volkswirt der Investmentbank Goldman Sachs, prophezeien dennoch eine Lockerung der Geldpolitik in den kommenden Monaten. Hatzius rechnet damit, dass die Fed die Leitzinsen ab dem Sommer in mehreren Schritten um insgesamt 0,75 Prozentpunkte senken wird. Der Goldman-Ökonom glaubt, dass die Immobilienkrise noch lange nicht ausgestanden ist. Auch können sich die Hausbesitzer angesichts des jüngsten Einbruchs auf den Aktienmärkten nicht mehr darauf verlassen, dass der sinkende Wert ihrer Häuser durch Gewinne an der Börse ausgeglichen wird.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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