Fed/EZB-Politik

Wirtschaftsforscher dämpfen Inflationsangst

Sind die Anleihen-Kaufprogramme der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank in der Lage einen Inflationsschub auszulösen? Ökonomen sehen keinen Grund, sich große Sorgen zu machen. Das Problem ist ein anderes.
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Die Geldschwemme der Fed macht europäische Exportgüter teurer. Quelle: dpa

Die Geldschwemme der Fed macht europäische Exportgüter teurer.

(Foto: dpa)

BerlinNach Einschätzung von deutschen Ökonomen lösen die Anleihen-Kaufprogramme der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank nicht automatisch einen Inflationsschub aus. „Es lässt sich ökonomisch belegen, dass sich daraus kein Inflationsschub ergeben muss“, sagte der Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel Handelsblatt Online. Dies sei aber nur zu erkennen, wenn die Notwendigkeit der Stabilisierung der Finanzmärkte erkannt werde.  In den USA ziele die Geldschwemme bei Nullzinsen auf die Vermeidung einer ausufernden konjunkturellen Abschwächung sowie den Abbau der Arbeitslosigkeit. Diese dritte Phase des „Qantitative Easing“  werde jedoch nicht in eine sich beschleunigende Inflation umschlagen. „Denn es geht darum, mit kreditfinanzierte Ausgaben vor allem im Bereich unternehmerischer Investitionen das Produktionspotenzial auszuschöpfen und nachfragegetrieben auszuweiten“, sagte Hickel. „Wenn dies gelingt, entsteht auch kein Inflationspotenzial.“

Die EZB verfolge hingegen mit ihrem Anleihen-Aufkaufprogramm das Ziel, die Zinsen für die Anleihen klammer Euro-Staaten nach unten zu drücken. Spekulanten würden dadurch Spielräume genommen. Denn die mit dieser „Bazooka-Politik“ erhöhte Liquidität führe nicht zu einem Schub an effektiver Nachfrage, unterstrich Hickel. Schließlich werde ein Anstieg der konsumtiven Nachfrage vor allem durch Lohnerhöhungen nicht die Folge sein. Zudem sei die Notenbank in der Lage, im Falle der Inflation sofort gegenzusteuern. „Die EZB ist die einzige Instanz, die glaubhaft die Spekulanten aus dem Refinanzierungsgeschäft der Krisenstaaten zurückdrängen kann.“

Die US-Notenbank hatte den Kauf weiterer Staats-Anleihen angekündigt, um die Konjunktur anzukurbeln. Wie die "Federal Reserve" in Washington mitteilte, will sie unter anderem zur Stärkung des Häuser- und Wohnungsmarkts monatlich für 40 Milliarden Dollar Immobilien-Papiere erwerben. Dies werde so lange geschehen, bis die Arbeitslosigkeit substanziell zurückgehe, hieß es. Außerdem soll der faktisch null Prozent betragende Leitzins bis zum Jahre 2015 nicht erhöht werden. Ziel dieser Geldpolitik ist, die Investitionsbereitschaft von Unternehmen ebenso anzuregen wie den Konsum der Verbraucher. Die EZB hatte vor einer guten Woche beschlossen, theoretisch unbegrenzt Anleihen von Euro-Schuldenstaaten zu kaufen, wenn sie einen Hilfsantrag beim Euro-Rettungsschirm ESM stellen.

Der Mannheimer Wirtschaftsforscher Hans Peter Grüner sieht deshalb keinen Grund, in Inflationspanik zu verfallen. „Die Frage, ob es zu mehr Inflation kommen wird, wird vor allem in den Krisenstaaten beantwortet werden“, sagte der Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftspolitik an der Universität Mannheim Handelsblatt-Online. „Wenn die Sekundärmarktkäufe der EZB als Einladung zu laxer Fiskalpolitik verstanden würden, dann würde das langfristig die Inflationserwartungen und damit auch die Nominallöhne ansteigen lassen.“

Fed-Entscheidung trifft deutsche Exportwirtschaft
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23 Kommentare zu "Fed/EZB-Politik: Wirtschaftsforscher dämpfen Inflationsangst"

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  • Wer über Inflation spricht, sollte wissen was Inflation ist und wie sie entsteht.
    Was ist Inflation?
    Der aus dem Lateinischen entlehnte Begriff bedeutet aufblasen oder anschwellen.
    Im Bezug auf Preise steht Inflation für Teuerung.
    Da sich die Verbraucher für ihr Geld weniger leisten können, schwindet ihre Kaufkraft.
    Das Geld wird entwertet.
    Wen trifft die Inflation besonders?
    Geringverdiener, die einen Großteil ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben, trifft es besonders hart.
    Ebenso leiden Sozialhilfeempfänger und Rentner, deren staatliche Leistungen meist nicht entsprechend erhöht werden.
    Auch Sparer verlieren einen Teil ihres Vermögens.
    So knabbert die Inflation an Bargeldbeständen auf Tagesgeldkonten oder Sparbüchern und der Rendite für festverzinsliche Wertpapiere wie Staats- oder Unternehmensanleihen.
    Wer profitiert davon?
    Schuldnern, also auch dem Staat, kommt die Inflation zu Gute.
    Wenn alle anderen Preise steigen, verlieren die Schulden relativ an Wert.
    Wie kann man sich vor der Geldentwertung schützen?
    Damit die Reallöhne nicht sinken, müssten Arbeitnehmer und Gewerkschaften entsprechende Lohnsteigerungen durchsetzen.
    Verbrauchern bleibt nur, auf Konsum zu verzichten.
    Sparer können umschichten:
    Dass der Goldpreis immer weiter klettert, ist ein Zeichen, dass Anleger in sichere Häfen flüchten.
    Beliebt in Inflationszeiten sind auch Immobilien, das so genannte Betongold, sowie Rohstoffe.
    Selbst Aktien verlieren in Zeiten steigender Preise nicht unbedingt an Wert.

  • Naja bevor ich Hickel fragen würde frage ich lieber meine Oma, die kennt sich genauso gut mit Wirtschaftspolitik aus.
    Und kommen Sie jetzt bitte nicht mit Horn oder Bofinger.

  • Ach, diese ganzen Aussagen sollen sowieso nur die BEvölkerung verunsichern um sie so leichter manipulieren zu können!
    Ich sage nur"Griechenland bekommt nicht mehr Zeit", und jetzt doch.
    Fast alle Dementis die es bisher gab trafen (wenn nicht noch härter)anschließend doch zu!
    Das ist das einzig was uns die Krise lehrt!
    Soll jeder selsbt auf sein Bauchgefühl hören!
    Ich jedenfalls kaufe Gold, wenn auch nicht zu extrem.
    DAs ist das einzigste was man nicht "drucken" kann!

  • "Warum soll eine Inflation kommen, wo sie doch die Reichen ärmer und die Armen reicher macht?" Weil selbst die Superreichsten ab einem gewissen Punkt nur noch Zuschauer der Ereignisse, die auch sie überrollt, sind.

  • @ schmidt – Voellig richtig! Es ist unter anderem die Erwartungshaltung, die die Inflation beschleunigt. Je heftiger die Geldschwemme wird, desto weniger sind Anleger geneigt, nominale Geldwerte zu halten. Auch die Banken, die eine zeitlang Einlagen bei der Zentralbank halten, sehen sich nach Alternativen um. Eine Alternative ist die Anlage in Rohstoffen. Steigende Rohstoffpreise fuehren zu steigenden Produktkosten. Es ist ein fataler Trugschluss, dass schwache Nachfrage zu sinkenden Produktpreisen fuehren muesse. Kein Unternehmen kann auf Dauer seine Produkte unter Kostenpreis anbieten. Bei steigende Rohstoffpreisen und Nachfrageschwaeche schraenken Unternehmen die Produktion ein. Selbst einer gleichbleibenden Geldmenge stuende eine sinkende Produktmenge gegenueber. Dieses Phaenomen nennt sich Stagflation. Zimbabwe ist das richtige Beispiel! Inflation beginnt langsam, laesst sich selten aufhalten. Die Erosion der Geldfunktion fuehrt letztendlich zu einem Zusammenbruch der Guetermaerkte. Konjunkturbelebung durch Gelddrucken ist eine Fata Morgana.

  • solange die grundsätzlichen Probleme des Geldsystems nicht angegangen werden fährt dieser Zug unweigerlich in den Abgrund - wir erhöhen mit diesen lächerlichen und betrügerischen Aktionen von EZB, ESM und Fed nur das Tempo.

    Da hatte der gute Mises mal wirklich recht...
    "Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur, ob die Krise früher, durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll oder später, zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems.".

    Erst wenn man das Geld zum Fließen bringt und der Schuldenstand die vorhandene Geldmenge nicht mehr übertrifft, wird die Sklaverei ein Ende haben...

  • Weiss ist schwarz. Krieg ist Frieden.Inflation ist Deflation. Schulden sind Wertgegenstände. Rechts ist links, pleite ist solvent.

  • Einen Bremer BWL Professor als wichtigen Ökonomen darzustellen ist schon krass.

  • Die Wirtschaftswissenschaftler wissen, dass man ihnen nicht glaubt. Insbesondere wenn sie sich öffentlich äußern. Noch besser: Sie setzen darauf. Gerade deshalb wird sich die Inflationsangst ausbreiten. Inflation muss daraus aber dennoch nicht werden, im Gegenteil. Wenn die Menschen jetzt ihr Geld aus dem Fenster werfen, kann das der Anfang einer Deflation sein, denn es fehlt ihnen dann später vielleicht.
    Warum soll eine Inflation kommen, wo sie doch die Reichen ärmer und die Armen reicher macht? Nur Deflation macht die Reichen richtig reich und die Armen wirklich arm!

  • Meinen Sie das: "Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.192 Euro* *bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 1,92 Prozent"?

    Ist doch lustig. PISA live, sozusagen. Sie sind hier beim Handelsblättchen, da sind minderwertige und vor Fehlern nur so strotzende Artikel der Normalzustand. Nehmen Sie zum Beispiel diesen hier, der ist auch recht hübsch: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/schuldenabbau-2013-droht-die-rote-null-im-staatshaushalt/7129022.html (Auflösung unter "Kommentare").

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