Fed fordert Unterstützung
US-Immobilienkrise verstärkt den Druck auf den Staat

In den Vereinigten Staaten nehmen Zwangsvollstreckungen zu. Experten rechnen damit, dass rund zwei Millionen Familien in diesem Jahr ihr Haus verlieren. Der Fed-Chef Ben Bernanke fordert großzügige Refinanzierungsangebote für zahlungsunfähige Hausbesitzer.

NEW YORK. In den USA wächst der politische Druck auf die Regierung, stärker als bisher in die Immobilien- und Kreditkrise einzugreifen. Denn zum einen droht die steigende Zahl von Zwangsvollstreckungen eine wachsende Zahl von Amerikanern obdachlos zu machen. Zum anderen geraten viele kommunale Einrichtungen in Finanzengpässe, weil sie ihre öffentlichen Anleihen nur noch zu deutlich höheren Zinsen refinanzieren können.

In dieser Woche sind bei der Versteigerung öffentlicher Anleihen nahezu 70 Prozent aller Auktionen gescheitert. Grund dafür ist die Ungewissheit bei den Investoren über das weitere Schicksal der Bondversicherer. Die sogenannten Monoliner garantieren mit ihren bislang erstklassigen Bonitätsnoten die öffentlichen Bonds. Durch die Hypothekenkrise sind die Versicherer jedoch selbst in Kapitalnot geraten. Vielen Investoren ist selbst der Kauf von als sicher geltenden Staatsanleihen zu risikoreich. Investmentbanken, die üblicherweise die Bonds übernehmen, wenn sich nicht genug Käufer finden, weigern sich, die Schuldtitel in die eigenen Bücher zu übertragen. „Selbst wenn es weiterhin Versteigerungen gibt, werden wir vermutlich nicht mehr zu den günstigen Zinssätzen der Vergangenheit zurückkehren“, sagte Roger Roux, Finanzchef des Kinderkrankenhauses Rady in San Diego, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Das Hospital musste zuletzt 940 000 Dollar zusätzlich für höhere Zinsen ausgeben. Seit Januar haben sich die durchschnittlichen Kreditkosten verdoppelt.

Zu schaffen macht den Kommunen auch die Welle von Zwangsvollstreckungen auf dem Häusermarkt. Experten rechnen damit, dass rund zwei Millionen Familien in diesem Jahr ihr Haus verlieren. Notenbank-Chef Ben Bernanke hat jetzt an die Banken appelliert, Kredite abzuschreiben, wenn die Schulden den gesunkenen Immobilienwert übersteigen. Darüber hinaus fordert Bernanke, dass die staatliche Federal Housing Administration den zahlungsunfähigen Hausbesitzern mit großzügigen Refinanzierungsangeboten zur Hilfe eilt. Der Notenbanker geht damit über die bisherigen Hilfsangebote von Finanzminister Hank Paulson hinaus.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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