Fed-Politik
Ökonomen verdammen Bernankes Geldflut-Strategie

Der Einsatz steigt und steigt: Anfang 2009 waren es noch 300 Mrd. Dollar, mit denen Ben Bernanke versuchte, die Konjunktur wiederzubeleben. Nun verdoppelt der Chef der US-Notenbank den Einsatz und setzt dem Patienten USA eine Liquiditätsspritze mit 600 Mrd. Dollar - im vollen Bewusstsein möglicher Nebenwirkungen seiner Therapie. Deutsche Spitzenökonomen reagieren entsprechend beunruhigt.
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DÜSSELDORF. Deutsche Spitzenökonomen haben die jüngste geldpolitische Lockerung der US-Notenbank scharf kritisiert. „Die Fed überdehnt ihre Rolle im Policy Mix“, sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, Handelsblatt Online. „Schon grundsätzlich ist der Kauf von Staatsanleihen durch die Notenbank ein ordnungspolitischer Sündenfall.“ Erschwerend komme noch hinzu, dass mit den zusätzlichen Käufen keines der strukturellen Probleme der US-Wirtschaft gelöst werde, die mit der Verschuldung des privaten Sektor und der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu tun haben. „Die schwache Kreditentwicklung ist vor allem der schwachen Nachfrage geschuldet, nicht aber einer Kreditklemme“, so Hüther. „So läuft die Fed Gefahr, langfristig Schaden anzurichten.“

Kritisch äußerte sich auch das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo). Da die Verschuldung speziell der privaten Haushalte ein zentrales Problem der USA sei, könne man zwar mit einer Lockerung der Geldpolitik Zeit gewinnen, um den Abbau der Verschuldung konjunkturschonend hinzubekommen. „Diese Politik birgt jedoch die Gefahr, dass sich die Verschuldungsniveaus nur soweit anpassen, dass sie zu den derzeit extrem niedrigen Zinsen tragfähig erscheinen“, sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen Handelsblatt Online. „Zudem ist zu befürchten, dass der Staat seine Verschuldung in einem Maße ausweitet, das ohne Fed-Programme und Niedrigzinspolitik sehr problematisch sein kann.“

Nach Einschätzung des Ifo Experten hat das erneute Ankaufprogramm der Fed wohl zum Ziel, den Märkten klar zu signalisieren, dass die langfristigen Zinsen mit allen Mitteln für lange Zeit niedrig gehalten werden. "Wenn die geldpolitische Transmission funktioniert, profitieren davon auch Haushalte und Firmen, indem Verschuldung für sie günstig und planbar ist", erklärte Carstensen. Das helfe der Konjunktur.

Der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, sieht die Maßnahmen der Fed als „Akt der Verzweiflung vor dem Hintergrund einer blockierten Politik“. Die geldpolitische Stimulanz werde aber angesichts einer immer noch labilen Lage im Finanzsektor „kaum eine direkte stimulierende Wirkung in der amerikanischen Wirtschaft entfalten“, sagte Horn Handelsblatt Online. Mit Verzögerung könnten sich dennoch „auf indirekte Weise positive Effekte einstellen“, fügte der IMK-Chef hinzu. „Mit der höheren Liquidität dürften die Kurse an den Wertpapierbörsen steigen und sich auf diese Weise die Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen und das Vermögen der privaten Haushalte erhöhen.“ Das könne sich positiv auf Investitionen und Konsum auswirken. „Zugleich wird der Dollar abwerten, was über kurz oder lang den amerikanischen Exporten zugute kommt“, so Horn weiter. Nicht zu vergessen sei zudem, dass die höhere Liquidität auch den Finanzsektor weiter stabilisiere.

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Kommentare zu " Fed-Politik: Ökonomen verdammen Bernankes Geldflut-Strategie"

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  • Als Herausgeber des Rankings der deutschen Spitzenökonomen sollte das Handelsblatt doch eigentlich wissen, dass Herr Hüther nicht zu diesem Kreis gehört. Er ist Lobbyist.

    Moderne Spitzenökonomen zeichnen sich heute vor allem durch eine undogmatische Herangehensweise an (volks-)wirtschaftliche Fragestellungen aus. Dies kann man wohl keiner der hier aufgeführten Personen unterstellen.

  • "..bernankrupt.."

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