Fed und EZB
Bernanke bremst Trichet aus

Die unerwartet kräftige Zinssenkung der US-Notenbank Fed wird es der Europäischen Zentralbank schwer machen, ihre Leitzinsen weiter zu erhöhen. Davon sind die meisten Marktteilnehmer und Bankvolkswirte überzeugt. Einige gehen sogar noch weiter und prognostizieren, die EZB werde der Fed nachfolgen.

HB FRANKFURT. Die von Ben Bernanke geleitete Federal Reserve hatte am Dienstag ihren Leitzins um einen halben Prozentpunkt auf 4,75 Prozent gesenkt. Die Akteure an den Finanzmärkten rechnen schon im Oktober mit einer weiteren Zinssenkung in den USA. „In einem solchen Umfeld kann die EZB unmöglich die Öffentlichkeit auf eine Zinserhöhung vorbereiten“, sagt der Chefvolkswirt von Barclays Capital, Julian Callow. „Wenn sie das täte, würde der Euro durch die Decke gehen.“

Der Euro notierte am Mittwoch knapp unter dem Rekordhoch von 1,3988 Dollar, das er unmittelbar nach der Zinssenkung durch die US-Notenbank erreicht hatte. Wenn die Zinsen in den USA relativ zu denen in Europa sinken, werden Finanzanlagen im Euro-Raum attraktiver, was die Nachfrage nach Euro erhöht und den Kurs nach oben treibt.

Mehrere EZB-Vertreter haben zwar noch in den vergangenen Tagen deutlich gemacht, dass sie das Zinsniveau von derzeit 4,0 Prozent eigentlich für zu niedrig halten. Diese Position ist nach Einschätzung der Marktteilnehmer jetzt aber hinfällig. Die Kurse von Zinstermingeschäften zeigen die klar vorherrschende Erwartung, dass der EZB-Leitzins die nächsten zwei Jahre bei vier Prozent bleiben wird.

Mehrere renommierte Bankvolkswirte gehen sogar noch weiter und prognostizieren, die von Jean-Claude Trichet geführte EZB werde der Fed nachfolgen und die Zinsen senken. „Die Jahre 2000/2001 lehren, dass niedrigere Zinsen wesentlich schneller auf die Tagesordnung kommen können, als dies derzeit viele für möglich halten“, skizziert Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer die Zinsperspektiven. Auch im Oktober 2000, als die New-Economy-Blase an der Börse bereits geplatzt war, schien die Welt in Europa noch in bester Ordnung zu sein – die EZB war auf Zinserhöhungskurs. Im Mai 2001, fünf Monate nach der US-Notenbank, wechselte dann auch die EZB auf den Zinssenkungspfad.

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