Fed will zunächst abwarten
US-Notenbank lässt Leitzinsen unverändert

Die US-Notenbank (Fed) hat am Dienstag erwartungsgemäß die Leitzinsen unverändert auf dem niedrigsten Niveau seit 45 Jahren belassen und erneut vor den Gefahren sinkender Preise für die Konjunktur gewarnt. Zugleich betonten die Währungshüter in Washington ungewohnt deutlich ihre Bereitschaft, die Zinsen „für eine beträchtliche Zeit“ niedrig zu halten, um der sich langsam erholenden US-Wirtschaft weitere Impulse zu geben.

Reuters WASHINGTON. Nach dem einstimmigen Beschluss des Offenmarktausschusses der US-Notenbank liegt der Schlüsselzins der weltgrößten Volkswirtschaft weiter bei 1,00 % und damit nur halb so hoch wie in der Euro-Zone. Den Konjunkturausblick beurteilte die Fed eher verhalten optimistisch. Die Aussichten auf weiter niedrige Zinsen und damit geringe Finanzierungskosten für die Unternehmen lösten an der Wall Street indes geringe Kursgewinne aus. Volkswirte begrüßten die Deutlichkeit der Fed. Analysten hatten einhellig diese Entscheidung erwartet, nachdem Fed-Chef Alan Greenspan erst vor einem Monat signalisiert hatte, die Leitzinsen bis auf weiteres niedrig zu halten.

Risiko eines weiteren Inflationsrückgangs

In ihrer mit Spannung erwarteten Erklärung hoben die Währungshüter hervor, dass ihre Hauptsorge für absehbare Zeit dem Risiko eines weiteren unerwünschten Inflationsrückgangs gelte. Dieses sei derzeit höher als die Chance für einen deutlichen Anstieg der Teuerung. Die Möglichkeiten der Unternehmen, ihre Preise anzuheben, sei begrenzt. „In diesem Umfeld gehen wir davon aus, dass die lockere Geldpolitik für eine beträchtliche Zeit beibehalten werden kann“, teilte die Fed mit.

Mit ähnlichen Warnungen vor einer Gefahr sinkender Preise für die sich allmählich erholende Konjunktur hatte die Fed an den Finanzmärkten im Frühjahr Sorgen vor einer Deflation, also einer Abwärtsspirale aus nachhaltig sinkendem Preisniveau und rückläufiger Nachfrage, ausgelöst. Die Kurse der Staatsanleihen waren daraufhin zunächst drastisch gestiegen, die Renditen gesunken. Als die Währungshüter aber anschließend wiederholt deutlich machten, dass sie trotz möglicher Deflationsgefahren nicht zu ungewöhnlichen geldpolitischen Maßnahmen wie dem Rückkauf von Staatsanleihen bereit seien, stiegen die Renditen wieder kräftig. Dies führte an den Aktienmärkten wiederum zu Sorgen vor hohen Finanzierungskosten für Investitionen der Unternehmen, was die Kurse zuletzt etwas belastete.

US-Preisdaten mit Spannung erwartet

Volkswirte erkannten in der Erklärung der Fed wenig neue Aspekte. Lediglich das Signal, die Zinsen in diesem Inflationsumfeld für länger niedrig halten zu wollen, sei ungewohnt deutlich gewesen, sagte Stephen Stanley von RBS Greenwich Capital. „Dies sollte eigentlich bereits jedem klar sein, aber nun haben sie es klar betont und mit roten Buchstaben für jeden sichtbar gemacht.“ Weitere Zinsänderungen erwarten die Experten in diesem Jahr daher nicht mehr. „Sie werden wohl die Zinsen bis Anfang nächsten Jahres unverändert lassen“, sagte Patrick Fearon von AG Edwards & Sons. Dann rechnen die meisten Experten mit einer Erhöhung. Mit Spannung werden nun die Erzeuger- und Verbraucherpreisdaten aus den USA erwartet, die am Donnerstag beziehungsweise Freitag veröffentlicht werden sollen. In den vergangenen Monaten haben die Preise praktisch stagniert.

Zu den Konjunkturaussichten äußerte sich die Fed zurückhaltend. „Aufwärts- wie Abwärtsrisiken für das Erreichen nachhaltigen Wachstums in den nächsten Quartalen halten sich nach Einschätzung des Ausschusses in etwa die Waage“, hieß es. Die Ausgaben der Verbraucher und Unternehmen zögen zwar an, aber die jüngsten Daten zum Arbeitsmarkt seien eher uneinheitlich ausgefallen.

In den USA gehen die Mehrheit der Experten und auch die Regierung von einer spürbaren konjunkturellen Belebung in der zweiten Jahreshälfte aus. Bereits im zweiten Quartal war das US-Bruttoinlandsprodukt auf das Jahr hochgerechnet um 2,4 % und damit überraschend stark gestiegen. Dieses Wachstumstempo reicht aber noch nicht aus, um für mehr Beschäftigung zu sorgen. Volkswirte rechnen erst ab einem Wachstum von 3,5 % mit Impulsen für den Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei 6,2 % nahe an einem Neun-Jahres-Hoch. In der krisengeschüttelten Industrie sind seit Mitte 2000 rund 2,6 Mill. Arbeitsplätze abgebaut worden.

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