Fed-Zinssitzung
Weltwirtschaft wartet auf Reaktion der US-Notenbank

Kann die US-Notenbank an den verunsicherten Märkten für neues Vertrauen sorgen? Angesichts der Turbulenzen erwarten Analysten ein klares Signal von Fed-Chef Ben Bernanke.
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In der US-Schuldenkrise rechnen Experten mit einer deutlicheren Sprache der US-Notenbank Federal Reserve nach der Zinssitzung am (heutigen) Dienstagabend. Der Offenmarktausschuss (FOMC) dürfte einen genaueren Zeitrahmen bekannt geben, wie lange die Niedrigst-Zinsen beibehalten werden. Am Wochenende hatten Fed-Vorsitzender Ben Bernanke und Finanzminister Timothy Geithner bei Krisengesprächen der G-7-Staaten teilgenommen. In einer Erklärung der sieben führenden Industrienationen hieß es im Anschluss an die Telefonkonferenz, die G-7 stehe bereit, „alle notwendigen Maßnahmen zur Unterstützung der Finanzstabilität und des Wachstums“ zu ergreifen.

Auf Worte müssten nun Taten folgen, sagen viele Volkswirte. Angesichts der derzeitigen Krise obliege es nun der Fed, vertrauensbildende Maßnahmen zu ergreifen, erklärte Mark Zandi, Chefvolkswirt bei Moody's Analytics. Viele Optionen hat die Fed nicht: Sie könnte den stets viel beachteten Wortlaut der FOMC-Erklärung ändern und deutlich machen, wie lange die Zinsen auf historisch niedrigem Niveau beibehalten werden. Bislang hieß es nur, die seit drei Jahren bei null bis 0,25 Prozent liegenden Leitzinsen blieben für „einen längeren Zeitraum“ unverändert.

Ein genauer Zeitrahmen könnte auch bezüglich der Rekordbestände an US-Staatsanleihen genannt werden, sagen Analysten. Nach dem Ende des Milliardenprogramms der Fed hieß es, die Bestände würden erst bei einer Konjunkturerholung wieder abgebaut. Die Fed hatte den Markt mit Geld überschwemmt und Anleihen im Volumen von 600 Milliarden Dollar (mehr als 400 Milliarden Euro) gekauft. Ende Juni wurde das umstrittene Fed-Programm, bereits das zweite dieser Art, wie geplant beendet.

Einige Volkswirte fordern ein drittes Anleihekaufprogramm, doch das dürfte am Widerstand einiger FOMC-Mitglieder scheitern, die bereits die zweite Geldschwemme wegen der damit einhergehenden Inflationsgefahren kritisierten. Experten halten dritte Geldschwemme für wenig wahrscheinlich Um ein drittes Anleihekaufprogramm einzuleiten, müsste eine große Hürde überwunden werden, sagte David Jones, Chefvolkswirt bei der Beratungsfirma DMJ Advisors in Denver. „Fed-Vertreter, die gegen die zweite Runde waren, werden anführen, dass die Fed alles getan habe, um die Konjunktur zu stützten, und dass alles Darüberhinausgehende eine höhere Inflation zur Folge haben würde.“

In seiner Rede vor dem Kongressausschuss Mitte Juli hatte Bernanke erklärt, die Fed würde nur weitere konjunkturelle Anreize erwägen, wenn die Wirtschaft sich weiter abschwäche und das Risiko einer Deflation wiederkehre. Die Zinssitzung am (heutigen) Dienstagabend gehört nicht zu den vier der acht FOMC-Sitzungen pro Jahr, nach denen neuerdings Pressekonferenzen abgehalten werden - ein Novum in der Geschichte der Fed, das erst dieses Jahr von Bernanke eingeführt wurde.

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  • Ach, was soll denn die Notenbank tun? Geld drucken?

    Die Politik ist gefragt! Sie hat die Suppe eingebrockt, nun muß sie die auslöffeln. Ganz klar, der american way of life ist gescheitert; absolut.

    Der Schwob, er schwäbet:
    http://www.bps-niedenstein.de/content/view/192/2/

    Rechts oder links
    http://www.bps-niedenstein.de/content/view/191/2/

    Kommentar zum E-Quicki
    http://www.bps-niedenstein.de/content/view/202/2/

    Das Versuchsmodell
    http://www.evico.de/magnet-lager/supratrans-ii/

    http://www.evico.de/supratrans-galerie/

    Intelligentes Sparen durch multifunktionales Bauen
    http://www.bps-niedenstein.de/content/view/195/2/

    Innenstadt-Autobahnkleeblatt
    http://www.bps-niedenstein.de/content/view/188/2/

    Die Zukunft der Menschheit liegt in den Städten.

  • Ob Bernanke über hinreichende Instrumente zur Überwindung der Schuldenkrise verfügt ist fraglich. Zurzeit bergen weltweit alle Maßnahmen zum Schuldenabbau die Gefahr in sich, die Wirtschaft abzuwürgen. Die weitere Erhöhung der Geldmenge kann zwar den Konsum kurzfristig anschieben und damit Produktionsanreize beleben, aber das Grundproblem wird nicht angetastet: die sehr differenzierte Geldzirkulationsgeschwindigkeit. Der Umschlagzyklus beträgt bei den meisten Bürgern nur einen Monat; bei vielen sogar nur einen Tag. Sehr Vermögende tragen zur Beschleunigung der Umschlagzyklen zu wenig bei und befördern damit den Zyklus von Konsumtion und Produktion nicht. Die Verteilung der Geldvermögen verschärft den negativen Effekt. Das muss sich ändern. Falsch wäre aber eine Sozialneiddebatte; belebt werden muss die Freude am "Geld ausgeben". Das Gegenteil (auch in der Wirkung) ist das Anlegen mit Zins- und Zinseszinserwartungen. Damit plustert sich die Geldmenge weiter auf, ohne den Produktions-Konsumtions-Zyklus maximal anzutreiben. Hinzu kommt, dass prosperierende Drittmärkte den Kapitalexport lukrativer machen, als Inlandsinvestitionen. Die USA verfügen zusätzlich über ein Problem: Die technisch fortschrittliche und überaus innovative Rüstungsindustrie produziert ineffizient. Ursache ist die Verschonung der Branche vor dem Wettbewerb. Das war vor Jahren ganz anders: zahlreiche zivil genutzte Produktinnovationen waren appliziertes Wissen aus der Rüstungsindustrie. So besteht aktuell die Problemstellung, die herausragende Innovationskraft wieder mit höherer Produktivität zu verbinden und damit potentielle Marktchancen durch Diversifikation besser nutzen zu können.

  • "Einige Volkswirte fordern ein drittes Anleihekaufprogramm"

    Nennt diese Falschgeld-Betrüger bitte nicht Volkswirte. Das sind bestenfalls aufgeblasen-verbohrte Pyramidenspiel-Animateure, die ganze Volkswirtschaften mit ihrem jahrezentelang propagierten Unsinn in die Irre und zu Kapitalfehlallokationen gigantischen Ausmaßes verführt haben. Jagt sie mit Schimpf und Schande aus der Stadt,, sie können ihren Sandkastenblödsinn zusammen mit den marktradikalen Spinnern, die wir nach dem Lehman-Crash entsorgt haben, den Ameisen im Wald erzählen.

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