Federal Reserve: US-Notenbank lässt Leitzins unberührt

Federal Reserve
US-Notenbank lässt Leitzins unberührt

Die US-Notenbank Fed zögert die erste Leitzinserhöhung in diesem Jahr weiter hinaus. Sie entschied am Mittwoch, den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld in einer Spanne von 0,25 bis 0,5 Prozent zu belassen.

Washington/New YorkDie US-Notenbank Federal Reserve lässt bei ihrer Geldpolitik weiter größte Vorsicht walten. Der Leitzins für die größte Volkswirtschaft der Welt bleibt unverändert in einem Zielkorridor von 0,25 bis 0,5 Prozent, wie der Offenmarkt-Ausschuss der Fed am Mittwoch bei seiner September-Sitzung beschloss. Der Ausschuss sendete jedoch deutlich Signale für eine Zinserhöhung im Dezember. Die Fed hatte den Zins zuletzt im Dezember 2015 leicht erhöht. Vorausgegangen waren fast sieben Jahre eines Zinses nahe der Nulllinie.

Es ist die sechste Zinsentscheidung in Folge, in der die US-Notenbank ihren Zinssatz unberührt lässt. Die zehn Mitglieder des Offenmarkt-Ausschusses waren sich nicht einig. Die Fed hatte Ende 2015 signalisiert, sie könnte 2016 bis zu vier Mal an der Zinsschraube drehen. Stattdessen wird es höchstens einen Zinsschritt in diesem Jahr geben.

Uneinigkeit unter den Fed-Mitgliedern

Fünf Teilnehmer stimmten mit Fed-Chefin Janet Yellen und ihrem Stellvertreter William Dudley gegen eine sofortige Zinserhöhung. Drei Mitglieder, Esther George, Chefin der Fed Kansas, Loretta Mester, Chefin der Fed Cleveland und Eric Rosengren, der Chef in Boston, haben allerdings gegen den Beschluss gestimmt. Sie hätten sich eine Anhebung um einen Viertel Prozentpunkt auf die Spanne zwischen 0,5 und 0,75 Prozent gewünscht. Rosengren hatte neulich vor einer Überhitzung des Marktes für Gewerbeimmobilien gewarnt, die seiner Meinung die Folge langfristig niedriger Notenbankzinsen ist.

„Die Investitionen in die Wirtschaft bleiben weich, sowohl im Energiesektor als auch darüber hinaus“, sagte Yellen. In der Energiebranche gebe es jedoch Anzeichen, dass die Bohraktivitäten langsam wieder anzögen. Die Inflation sei in den vergangenen zwölf Monaten mit weniger als 1 Prozent deutlich unter der Zielmarke von zwei Prozent geblieben. „Aber wir erwarten, dass die Zielvorgabe in den nächsten zwei bis drei Jahren erreicht wird“, sagte Yellen.

„Wir sind weniger als sieben Wochen von der Wahl entfernt. Bei den gemischten Signalen von den Märkten ist die Fed ganz klar auf Nummer sicher gegangen“, sagte Dennis de Jong vom Online-Broker UFX.com. Mit einer moderaten Anhebung wird nach der US-Präsidentschaftswahl gerechnet. Erste Gelegenheit wäre im Dezember.

„Die Argumente für eine Zinserhöhung sind stärker geworden“, hieß es in einer Mitteilung der Fed. Allerdings wolle der Ausschuss noch warten, bis sich die Anzeichen, dass sich die Wirtschaft in Richtung ihrer Zielvorgabe entwickelt, verfestigen.

Anleger reagierten wenig überrascht. „Die Märkte haben bereits weitgehend einen Zinsanstieg im Dezember eingepreist“, sagte Mike Read vom Händler-Netzwerk Pelican in London. Er befürchtet jedoch, dass das „Klima der Unsicherheit“ in den kommenden Monaten noch intensiver werden wird, auch wegen der „Brexit“-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU. Der Kurs des Euro legte nur zeitweise etwas zu und erreichte ein Tageshoch bei 1,1197 US-Dollar. Zuletzt stand die Gemeinschaftswährung aber wieder kaum verändert. Auch an den US-Aktienmärkten beflügelte der Zinsentscheid nur kurz. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte 0,4 Prozent höher mit 18.208 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 lag 0,6 Prozent im Plus bei 2152 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq tendierte 0,5 Prozent fester bei 5266 Stellen.

Wie der Ökonom Michael Feroli von JP Morgan schreibt, verhält die Fed sich weitgehend wie erwartet: „Sie hatte im vergangenen Dezember zum ersten Mal seit der Finanzkrise den Leitzins erhöht, von nahe Null auf die Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Sie betont wie schon in den Vormonaten, dass sie auch langfristig die Zinsen nur sehr langfristig weiter erhöhen wird.“ Der Chicagoer Ökonom Randall Kroszner hatte am Dienstag im Interview mit dem Handelsblatt die Erwartung geäußert, dass die Fed in etwa drei Jahren ihren Leitzins bis auf drei Prozent anheben könnte.

Die Bank of Japan (BoJ) hatte zuvor die Börsen mit einem neuen Rahmenwerk überrascht: Statt ihre massiven Staatsanleihekäufe auszuweiten, setzte sich die Notenbank ein neues langfristiges Zinsziel. So soll der Zins zehnjähriger japanischer Staatsanleihen bei etwa null Prozent gehalten werden - die Politik des billigen Geldes hält in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt also noch lange an. Ihren Strafzins von minus 0,1 Prozent verschärfte sie aber nicht.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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