Federal Reserve
USA überfluten die Welt mit Dollar

Die Welt braucht mehr Dollar - und die Vereinigten Staaten schicken sich an, sie zu liefern. Die Krise zwingt die Amerikaner in die Rolle des Kreditgebers letzter Instanz. Ein Leitzins von null Prozent wird erwartet.

HB NEW YORK. Die Welt braucht mehr Dollar - und die Vereinigten Staaten schicken sich an, sie zu liefern. In einer radikalen Offensive gegen den größten Konjunktureinbruch seit der Weltwirtschaftskrise übernehmen die USA derzeit sowohl die Rolle des Schuldners als auch des Kreditgebers letzter Instanz, der das Wirtschaftssystem weltweit mit Geld versorgt.

Die Notenbank Federal Reserve hat bereits Hunderte Milliarden Dollar in das Finanzsystem gepumpt, und nach Ansicht von Experten wird sie künftig noch mehr einschießen. Das Finanzministerium in Washington wird in diesem Haushaltsjahr voraussichtlich Verbindlichkeiten von rund 1,5 Billionen Dollar (1,2 Billionen Euro) aufnehmen. Weitere Finanzierungsrunden stehen an.

Mit dem Geld sollen den Banken des Landes weitere Notkredite zur Verfügung gestellt werden, und zudem soll ein Konjunkturpaket finanziert werden, das nach Ansicht von Beratern des künftigen US-Präsidenten Barack Obama ein Volumen von bis zu 700 Mrd. Dollar haben dürfte.

Darüber hinaus sind auch andere Nationen von der Hilfe der Federal Reserve abhängig. Um die weltweit herrschende Knappheit an Dollar zu beheben, hat die Fed mehr als einem Dutzend Zentralbanken über Währungs-Swaps Liquidität zur Verfügung gestellt. Einige der Vereinbarungen, darunter die mit der Europäischen Zentralbank, Großbritannien und Japan, sind nicht beschränkt. Das heißt, dass die Zentralbanken auch künftig so viele Dollar bekommen, wie sie benötigen.

Durch die Anstrengungen der Fed und des Finanzministeriums explodiert der Bedarf an Mitteln: Bis zum 19. November ist die Bilanz der Fed auf 2,2 Billionen Dollar angewachsen. Am 10. September, kurz vor dem Bankrott der Investmentbank Lehman Brothers, belief sie sich noch auf 924 Mrd. Dollar. Ein Ende des Anstiegs ist nicht in Sicht. "Ich wäre nicht überrascht, wenn sie es bis zu Beginn des Neuen Jahres auf drei Billionen Dollar bringen", sagte Richard Fisher, der Präsident der Fed Dallas. Dies entspräche rund einem Fünftel des US-Bruttoinlandsprodukts. Eine Rolle spielt hier insbesondere, dass die Fed die Märkte künftig im Zuge des "quantitative easing"' expansiv mit Liquidität versorgen dürfte. Dabei sorgt sie dafür, dass das im Banksystem vorhandene Geld-Volumen steigt, denn wenn die Zentralbank ihren Leitzins wie von Ökonomen erwartet bis Januar tatsächlich auf null senkt, dann lässt sich die Liquidität nicht mehr länger über eine Verbilligung des Geldes steigern.

Einen solchen Kurs verfolgte Anfang des Jahrzehnts auch die Bank of Japan. Am Ende blähte sich die Bilanz der Notenbank auf rund 30 Prozent des BIP auf, sagt Tom Gallagher, vom volkswirtschaftlichen Berater International Strategy and Investment Group (ISI) in Washington. "Die Fed könnte den Rekord der Japaner brechen", sagt er.

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