Finanzaffäre
Ermittlungsverfahren gegen IWF-Chefin Lagarde

IWF-Chefin Lagarde ist wegen ihrer Verwicklung in eine Finanzaffäre von der französischen Justiz verhört worden. Nun wird ein Ermittlungsverfahren eröffnet. An der Spitze des Währungsfonds will sie dennoch bleiben.
  • 10

ParisDie französische Justiz hat gegen IWF-Chefin Christine Lagarde ein Verfahren wegen Fahrlässigkeit eröffnet. Die 58-Jährige muss sich in einer Affäre um mutmaßliche Veruntreuung öffentlicher Mittel verantworten. Der Vorwurf steht im Zusammenhang mit der sogenannten Tapie-Affäre. Einen Rücktritt von der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) schloss die Französin aus. „Ich kehre diesen Nachmittag zum Arbeiten nach Washington zurück“, sagte sie.

Zuvor war Lagarde von der französischen Justiz verhört worden. Richter des Gerichtshofs der Republik in Paris befragten die frühere französische Finanzministerin. Es war bereits das vierte Mal, dass die IWF-Chefin den Richtern in der sogenannten Tapie-Affäre Rede und Antwort stehen musste.

In der Affäre geht es um eine umstrittene staatliche Schadenersatzzahlung an den französischen Unternehmer Bernard Tapie. Ein Schiedsspruch hatte Tapie 2008 nach dem Verkauf des Sportartikelherstellers Adidas staatlichen Schadenersatz in Höhe von rund 400 Millionen Euro zugesprochen. Lagardes Finanzministerium hatte zuvor ein privates Schiedsgericht angerufen, um einen langjährigen Justizstreit mit Tapie zu beenden.

Diese Entscheidung wurde von den Ermittlern ebenso unter die Lupe genommen wie Lagardes Beschluss, den Schiedsspruch nicht anzufechten. Es besteht der Verdacht, dass Tapie eine Vorzugsbehandlung erhielt, weil er im Präsidentschaftswahlkampf 2007 den späteren konservativen Staatschef Nicolas Sarkozy unterstützt hatte.

Im Mai 2013 war Lagarde einem formellen Ermittlungsverfahren noch entgangen. Sie wurde damals als Zeugin mit Rechtsbeistand eingestuft, ein Zwischenstatus zwischen Zeugin und Beschuldigter. Der IWF hat sich seit Beginn der Ermittlungen gegen Lagarde stets hinter seine Direktorin gestellt. Die französische Justiz interessiert sich auch für die Rolle des Elysée-Palasts in der Tapie-Affäre. Diese könnte damit auch für Ex-Staatschef Sarkozy noch gefährlich werden.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Finanzaffäre: Ermittlungsverfahren gegen IWF-Chefin Lagarde"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Stichwort "Fachkompetenz":
    Man sollte meinen, auf so einem Posten würden erfahrene und hochstudierte Ökonomen sitzen. Nee, iss nich! Die Lagarde ist JURISTIN!

    Was beweist: Kompetenz nich wichtig oder gar unerwünscht. Wichtiger ist "Lager-Politik" betreiben. Also finanzwirtschaftliche Instrumente politisieren, egal ob man dabei sämtliche Regeln und Gesetze der Ökonomie verletzt (siehe "EURO-Politik")...

    Aber ist ja in Brüssel (EU, EURO, EZB usw.) schon lange gang und gebe und ganz im Sinne fränzösischer Politik.

  • Frau Lagarde ist auf Grund ihrer enormen "Fachkompetenz" m.E. die ideale Besetzung für den IWF-Job. Da diese todkranke EU einschließlich der unfähigen politischen Führung so schnell wie möglich einem vernünftigen Neuanfang weichen muß, sollte uns Frau Lagarde, ebenso wie Herr Hollande, unbedingt noch länger erhalten bleiben- auch- wenn sie ein wenig kriminell sein sollte!

  • Das ist wie bei uns in Deutschland nur alles Scheinkämpfe denn alle sind sich einig beim Geldverbrennen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%