Finanzaufsicht
Die großen Risiken im Blick

Der neue „Systemrisikorat“, der die Finanzaufsicht in Europa auf Makro-Ebene verbessern soll, nimmt Konturen an. Herzstück der europäischen Makro-Aufsicht für das Finanzsystem sollen die Notenbanken werden.
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FRANKFURT. Die EU-Kommission bereite gerade die Gesetzestexte für die Gründung und Funktionsweise des „European Systemic Risk Board“ (ESRB) vor, berichtete der Vize-Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Lucas Papademos, bei der XI. ECB Watchers’ Conference in Frankfurt. Die Vorschläge der Kommission würden dem EU-Parlament und dem Europäischen Rat Ende September zugeleitet.

Die aktuelle Krise habe gezeigt, dass in der Finanzmarktregulierung und -aufsicht Systemrisiken, also Gefahren für das Finanzsystem als Ganzes, zu wenig berücksichtigt worden seien, sagte Papademos. Man habe sich vielmehr auf die Stabilität einzelner Finanzinstitute, Märkte und Infrastrukturen konzentriert.

Die Krise habe aber offen gelegt, dass makroökonomische finanzielle Faktoren, die Verwobenheit der Märkte und Institute sowie die Globalisierung für die Größe der Systemrisiken, ihren Charakter und ihre Ausbreitung eine wichtige Rolle spielten. Es sei daher wichtig, einen effizienten Rahmen für die so genannte „makroprudenzielle Aufsicht“ (Überwachung des ganzen Finanzsystems) zu schaffen. Dieser Rahmen werde eine systematische, umfassende und integrierte Analyse der Systemrisiken erlauben.

Die Zentralbanken sind nach Ansicht von Papademos aufgrund ihrer analytischen Fähigkeiten auf den Gebieten der Geldpolitik und der Finanzstabilität sowie aufgrund ihrer Nähe zu den Geld- und Finanzmärkten für diese Aufgabe prädestiniert. Entsprechend wird der Vorstand des ESRB die 27 Gouverneure des erweiterten EZB-Rats, einschließlich des EZB-Präsidenten und seines Vize umfassen. Außerdem sind darin ein Mitglied der EU-Kommission und die Vorsitzenden der neuen EU-Aufsichtsbehörden für Banken, Versicherungen und Börsen vertreten. Sie alle sollen über Stimmrechte verfügen. Zu den Sitzungen des Gremiums wird zusätzlich je ein Vertreter der nationalen Aufsichtsbehörden und der Chef des EU-Wirtschafts- und Finanzausschusses geladen.

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