Finanzen

Sieben Länder schreiben schwarze Zahlen

Die Bundesländer ächzen unter der Last der Schuldenbremse, Steuererhöhungen seien unausweichlich heißt es in vielen Landeshauptstädten. Doch ein Blick auf die tatsächlichen Haushaltsdaten zeichnet ein anderes Bild.
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Ist Berlin tatsächlich pleite? Der Stadtstaat erzielt höhere Pro-Kopf-Überschüsse als Bayern. Quelle: dpa

Ist Berlin tatsächlich pleite? Der Stadtstaat erzielt höhere Pro-Kopf-Überschüsse als Bayern.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEnde August hat das Defizit der 16 Bundesländer lediglich zwei Milliarden Euro betragen. Das Loch in den öffentlichen Kassen ist damit drei Milliarden Euro kleiner gewesen als im Vorjahreszeitraum, heißt es in einer neuen Übersicht des Bundesfinanzministeriums, über die das Handelsblatt in seiner Montagausgabe berichtet.

Obwohl wegen des Weihnachtsgelds die besonders hohen Steuereinnahmen stets erst am Jahresende in die Kassen fließen, schrieben bereits Ende August sieben Länder schwarze Zahlen. Unangefochten an der Spitze der Tabelle steht Bayern, das in acht Monaten fast 1,7 Milliarden Euro Überschuss erzielte. Schlusslicht ist Nordrhein-Westfalen, das mit 2,2 Milliarden Euro im Minus steht.

Setzt man die Überschüsse allerdings ins Verhältnis zur Einwohnerzahl, zeigt sich, dass die wahren finanzpolitischen Musterländer Berlin, Sachsen und Brandenburg heißen; sie erzielten Pro-Kopf-Überschüsse zwischen rund 150 bis 250 Euro. Bayern landet in dieser Disziplin lediglich auf Platz vier.

Am unteren Ende der Tabelle rangieren Bremen, das Saarland und Rheinland-Pfalz mit Pro-Kopf-Defiziten zwischen 600 und knapp 300 Euro.

Es gibt sie doch: Die Stadt ohne Schulden

  • asr
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7 Kommentare zu "Finanzen: Sieben Länder schreiben schwarze Zahlen"

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  • @ Ludwig500

    Tatsächlich müssten bei 25.000€ Verschuldung pro Kopf und ungefähr 2% Zins darauf nur jährlich 500€ für den Zins aufgewendet werden. Da die Hälfte der Vollzeitarbeitenden auch noch das Viertel der Einkommenslosen mittragen muss erhöht sich der Anteil auf 750€ Zins.

    Mit zusätzlichen 450€ pro Jahr zur Tilgung würden die Schulden schmelzen wie in der Sonne. Wir könnten mit etwas Ausgabendisziplin und 100€ im Monat Schuldentilgung pro Einkommensbezieher über 1800€ brutto unsere Schulden abbauen.

    Aber wer von unseren Politikerbeamten will das schon? Und welcher der vom Giro-Dispo lebenden Bürger will tatsächlich Schulden tilgen?

  • Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, inwieweit die Daten des Länderfinanzausgleichs berücksichtigt sind.

  • @Ludwig500:

    Richtig.

    Das nennt sich "Dezemberfieber".

  • Eine der Hauptursachen der Finanzprobleme der Länder sind die steigenden Pensionslasten, die jedes Jahr einen höheren Anteil an den Haushalten verschlingen!
    Die Profiteure sind die Politiker und Beamten. Deshalb sollen die Steuerzahler und letztlich die Rentenversicherten diese Privilegien mit steigenden Steuern weiter bezahlen!
    Privilegien wie keine Bemessungsgrenzen, d.h. erheblich höhere Pensionen als Renten, kein Demographie Faktor - die Steuerzahler sind ja vermehrbar, volle Anerkennung der Ausbildungszeiten, keine eigenen Beiträge, etc.
    Dieses aus dem Feudalismus stammende System ist schlicht asozial für die Mehrheit der Bevölkerung.

  • Eine Schuldenrückzahlung ist doch garnicht angestrebt, weil sie unmöglich ist. Das Geldsystem ist auf immer höhere Verschuldung ausgelegt. Denn Verschuldung ist das schönste auf der Welt - für die andere Seite der Schulden, die Vermögen. Und dabei spreche ich nicht von 20.000 Euro auf der hohen Kante, sich selbst vermehrendes Vermögen fängt ungefähr bei 3 Millionen Euro an.

    Wenn ein paar Bundesländer schwarze Zahlen schreiben, dann liegt dass daran, dass sie von den Bürgern etwas mehr Steuern abgepresst haben als ausgegeben werden musste. Bei einer in den Händen der Politik liegenden Steuerstellschraube keine grosse Kunst. Um aber den Schuldenberg abzutragen wären viele Jahre lang 90% Steuerbelastung für die malochende Schicht erforderlich. Und selbst dann würde es einigen Ländern gelingen, anderen nicht, weil die Zinsen noch immer höher sind als die jährlichen Zahlungen.

  • Achtung Propaganda Alarm
    Für wie blöd halten Sie die Bürger? Berlin hat einen Überschuss von 150-250€? Wir kann das bitte schön gehen, wenn es eine pro Kopfverschuldung von knapp 22.000€ gibt? Wenn das so weitergeht und man keine Zinsen und Zinseszinsen bezahlen müsste hat Berlin in 90-140 Jahren die Schulden getilgt. Erst dann kann man von Überschuss sprechen! Von der Unschärfe spreche ich gar nicht erst.
    Man könnte vermelden das Berlin seine pro Kopf Verschuldung um 150-250€ im Jahr reduzieren kann. Selbst der „RTL2 Zwerker“ oder wie der heißt würde Berlin zum Konkursverfahren drängen.

  • "Obwohl wegen des Weihnachtsgelds die besonders hohen Steuereinnahmen stets erst am Jahresende in die Kassen fließen"

    Ausgleichend wird am Jahresennde gerne dafür gesorgt, dass öffentliche Budgets auch gefälligst verbraucht werden. Da wird noch schnell allerlei Nonsens fabriziert und finanziert, Hauptsache man liefert kein Argument, nächstes Jahr mit weniger auskommen zu müssen.

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