Finanzhilfen für Griechenland
Gespräche verzögern sich

Wann und vor allem unter welchen Bedingungen erhält der Schuldenstatt Griechenland Milliardenhilfen? Vertreter der Europäischen Union, dem Internationalen Währungsfonds und Griechenland verhandeln aktuell über Finanzhilfen. Eine Entscheidung lässt auf sich warten.
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HB ATHEN. Warten auf den Gelsegen: Die Gespräche der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) über die Milliardenzahlungen aus dem Rettungspaket an Griechenland ziehen sich hin. Griechische Teilnehmer und der IWF führten am Montag "technische Gründe" für die Verzögerung an. Das Land wurde in diesem Frühjahr mit einem Finanzpaket von 110 Milliarden Euro vor der Pleite gerettet. Das Geld wird in vierteljährlichen Raten ausgezahlt. Voraussetzung dafür ist, dass Athen die strengen Vorgaben der EU und des IWF erfüllt. Die Regierung zeigte sich zuversichtlich.

Eigentlich sollten die Verhandlungen am Montag abgeschlossen sein, doch nach Angaben des IWF wurden sie um einen Tag verlängert. Griechischen Medienberichten zufolge gibt es bei den Gesprächen zwischen Geldgebern und Geldnehmern Meinungsverschiedenheiten über die Reform des Arbeitsmarktes. Der griechische Finanzminister Giorgos Papaconstantinou widersprach dieser Darstellung aber umgehend: Es gebe keine Schwierigkeiten.

Griechenland werde mit Sicherheit die dritte Tranche in Höhe von neun Milliarden Euro aus dem Rettungspaket bekommen, die im Januar gezahlt werden soll, sagte Regierungssprecher Giorgos Petalotis. "Die Verhandlungen sind hart", sagte er und zeigte sich zuversichtlich, dass auch die vierte Tranche in Höhe von 15 Milliarden wie geplant ausgezahlt werde.

Bislang hat die griechische Regierung Renten und Löhne gekürzt, Steuern erhöht und Kürzungen im Öffentlichen Sektor angekündigt, der gigantische Ausmaße angenommen hat. Griechenland hat bereits 29 Milliarden Euro aus dem Rettungspaket bekommen.

IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn hatte erst in der vergangenen Woche beteuert, dass die Regierung in Athen mit ihren Sparanstrengungen auf Kurs sei. Griechenland will das Defizit im nächsten Jahr um weitere fünf Milliarden Euro zurückfahren, indem es die Verbrauchssteuern erhöht und Mittel für Gesundheit und Verteidigung einspart.

Der rigide Sparkurs ist auf heftige Kritik der Gewerkschaften gestoßen. Ein Streik folgt dem anderen. In den Straßen von Athen türmt sich der Müll, weil die Bediensteten der Stadtverwaltung am Montag am vierten Tag in Folge im Ausstand waren. Am Dienstag sollte ein 24-stündiger Streik der Seeleute den Fährverkehr lahmlegen. Die ganze Woche lang wollen zudem Krankenhausärzte Patienten in der Ambulanz kostenlos behandeln, um gegen Einschnitte im Gesundheitsbereich zu protestieren.

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