Finanzkrise
Alarmstimmung bei der Fed

In den USA droht vielen Banken der Kollaps. Das bereitet Fed-Chef Ben Bernanke erhebliche Kopfschmerzen.

NEW YORK. Es war der Traum praktisch eines jeden Amerikaners: Eine Sommerresidenz oder ein Altersruhesitz unter Palmen in den sonnenreichen Bundesstaaten Florida und Kalifornien. Und lange verhießen billige Bankkredite und ein stetig steigender Beleihungswert der Immobilien die leichte Erfüllung dieses Traums. Heute – gut ein Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise – stehen viele dieser Prachtbauten leer oder zum Verkauf. Die Preise fallen ins Bodenlose. Und auch die kreditgebenden Banken sind nur einen Schritt vom Abgrund entfernt. Amerika droht – jenseits spektakulärer Insolvenzfälle wie bei Bear Stearns – ein flächendeckendes Bankensterben.

Viele der 600 im Boom zwischen 2000 und 2007 gegründeten Institute stehen mit dem Rücken zur Wand. „Hunderte von Banken riskieren derzeit den Bankrott“, urteilte jüngst Nouriel Roubini, Wirtschaftsprofessor an der Universität von New York. Die typische US-Kleinbank mit einer Bilanz von weniger als vier Mrd. Dollar habe mehr als die Hälfte davon im Immobiliensektor investiert. Das sei angesichts der Immobilienkrise zu viel und werde einen Großteil in den Ruin treiben. Selbst größere Regionalinstitute mit Immobilienengagements vor allem in den Sonnenstaaten seien bedroht.

Insgesamt gibt es in den USA mehr als 8 000 Institute, die zum Teil sehr klein sind. Mindestens 90 werden von der US-Notenbank Fed derzeit wegen akuter Lebensgefahr beobachtet. Bislang sind acht – außerhalb der USA praktisch unbekannte Banken – faktisch insolvent, weil sie die Abschreibungen auf ihre Immobilienkredite nicht mehr auffangen können. Darunter war mit dem kalifornischen Immobilienfinanzierer IndyMac die drittgrößte Bankenpleite der US-Geschichte. Die Folge: Eine Destabilisierung des Bankensystems, weil verunsicherte Kunden auch auf Gerüchte hin bereit sind, schnell Gelder abzuziehen und damit selbst halbwegs gesunde Institute gefährden. Nicht umsonst hat die US-Regierung zuletzt den Weg für Milliardenkredite an die Einlagensicherungstelle FDIC frei gemacht. So will der Staat das Vertrauen in das Bankensystem bei Unternehmen und Konsumenten stärken.

Vielen Instituten auf demLande wird aber nicht nur ihr monolithisches Geschäftsmodell zum Verhängnis. Da sie zu klein sind, um Refinanzierungspapiere im Volumen von oft nur zehn oder 20 Mill. Euro direkt am Kapitalmarkt zu platzieren, verkauften sie ihre Titel in der Vergangenheit an Manager von Collateralized Debt Obligations (CDOs). Bekanntlich sind diese derivativen Kreditvehikel einer der Auslöser der aktuellen Krise. Der CDO-Markt ist heute tot, und diese Manager fallen als Abnehmer aus.

Licht am Ende des Tunnels können zumindest etwas größere Regionalbanken und ihr Oberaufseher, Fed-Chef Ben Bernanke, bald sehen. Denn ausländische Bankenkonzerne sind derzeit auf Schnäppchenjagd. So steht der japanische Finanzkonzern Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG) kurz vor der Übernahme der Union Bank of California. Offenbar wollen die Japaner das von der Krise nur leicht betroffene Institut als Plattform für weitere Übernahmen nutzen. „Wir wollen stärker in den US-Markt einsteigen“, sagte MUFG-Vize Katsunori Nagayasu kürzlich in Tokio.

Am Montag erhöhte die MUFG ihr Angebot für die kalifornische Bank und erklärte, sie habe nun auch das Einverständnis des bislang widerspenstigen Managements. Analysten gehen davon aus, dass die MUFG nun daran gehen wird, die Nummer 25 unter den US-Banken mit 300 Filialen vor allem an der Westküste auszubauen. Weitere Auslandsbanken könnten dem Beispiel folgen.

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