Finanzkrise
Banken sorgen sich um Osteuropa

Die Lage der osteuropäischen Länder spitzt sich zu: Die Wachstumsraten brechen dramatisch ein, die Zahl der Firmenpleiten nimmt zu, immer mehr Kredite fallen aus. Thomas Mirow, Chef der europäischen Entwicklungsbank EBRD, sieht Osteuropa erst am Anfang einer einschneidenden Krise. Andere Experten pflichten ihm bei.

WIEN. Im Unterschied zu vielen Industrieländern waren die Banken in Osteuropa zunächst nicht sonderlich bedroht. Doch nun wirkt sich in der gesamten Region in extremer Weise die Krise der Realwirtschaft aus, verbunden mit einer stark steigenden Zahl von Unternehmenspleiten und privaten Konkursen.

"Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass die ganz großen Herausforderungen erst noch kommen werden", warnt Thomas Mirow, Chef der europäischen Entwicklungsbank EBRD. Im Gespräch mit dem Handelsblatt ruft der frühere Staatssekretär im Bundesfinanzministerium dazu auf, die "Krise energisch zu bekämpfen". Andernfalls drohten ernsthafte soziale Spannungen in Osteuropa.

Die Krise in der Realwirtschaft in Osteuropa verschärft sich zurzeit von Woche zu Woche. Die meisten Staaten müssen deshalb ihre Wachstumsaussichten für dieses Jahr noch einmal deutlich zurücknehmen. So kündigte die rumänische Regierung zu Wochenbeginn an, dass die Volkswirtschaft des Landes voraussichtlich um 8,5 Prozent schrumpfen werde - doppelt so viel wie bislang erwartet. Die tschechische Nationalbank in Prag sieht das Minus für das eigene Land jetzt bei 3,8 Prozent, zuvor hatte sie noch einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,4 Prozent vorhergesagt. Ganz hart trifft die Krise die Ukraine - nach EBRD-Schätzungen wird die Wirtschaft dieses Jahr dort um 15 Prozent schrumpfen.

Der gesamten Region droht in diesem Jahr ein Minus von fünf Prozent; 2008 war die Wirtschaft Osteuropas noch mit vier Prozent gewachsen. Und EBRD-Chef Mirow erwartet keine schnelle Besserung in den osteuropäischen Ländern. Wenn es zu einer Wiederbelebung der Weltwirtschaft komme, dann zunächst in Asien und in Nordamerika. "Osteuropa sehe ich tendenziell eher am Ende dieser zeitlichen Abfolge", betonte er. Die Banken in Osteuropa müssten sich auf jeden Fall auf steigende Kreditausfälle vorbereiten.

In den zurückliegenden Boomjahren hatten internationale Investoren mit Milliardentransfers die hohen Wachstumsraten in Osteuropa erst möglich gemacht. In einzelnen Staaten wie der Slowakei und Rumänien waren Zuwächse von acht bis zehn Prozent keine Seltenheit. Doch wegen der weltweiten Finanzkrise haben Investoren wieder viel Geld aus Osteuropa abgezogen. Der Kapitalmangel bremst nun die Realwirtschaft massiv. Außerdem sind die lukrativen Exporte in die westlichen Industriestaaten eingebrochen.

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