Finanzkrise ernst, aber lösbar
IWF und Weltbank fordern Schulterschluss

Nach seiner negativen Prognose für die Weltkonjunktur im kommenden Jahr, verbreitet der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, jetzt Zuversicht. Zwar sei die Lage angesichts der Finanzkrise sehr ernst, es gebe aber auch Hoffnung auf eine Lösung der Krise – vorausgesetzt nationale Alleingänge würden vermieden. Auch die Weltbank forderte abgestimmte Maßnahmen.

HB WASHINGTON. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank forderten zur Lösung der weltweiten Finanzkrise ein gemeinsamen Handeln der betroffenen Länder. „Die Lage ist sehr ernst, aber wir können die Probleme lösen, wenn wir schnell, entschlossen und gemeinsam handeln“, sagte IWF-Chef Strauss-Kahn am Donnerstag im Anschluss an eine gemeinsame Tagung mit der Weltbank in Washington. Er forderte insbesondere die europäischen Länder zu einer engeren Zusammenarbeit auf. „Es gibt keine nationale Lösung für eine Krise wie diese“, sagte der IWF-Chef. „Ich dränge die europäischen Länder zur Zusammenarbeit“, sagte er. Weltbank-Präsident Robert Zoellick ergänzte, wichtig sei es vor allem, wieder Vertrauen zu schaffen. Dies könne nur durch koordiniertes Handeln geschehen.

Der Weltwirtschaft steht nach den Worten Strauss-Kahns aufgrund der Finanzkrise schwierige Zeiten bevor. Sie bewege sich am Rande einer Rezession. Kein Land sei immun gegen die Krise. Für die Weltwirtschaft sagt der IWF 2009 ein Wachstum von drei Prozent voraus. Bei Werten unter dieser Marke spricht der Fonds von einer Rezession. „Der Beginn der Erholung kommt Ende 2009“, sagte er. „Wachstum wird sich zu diesem Zeitpunkt wieder einstellen“, prognostizierte er.

Am Mittwoch hatte der IWF bereits in seinem Ausblick auf die Weltwirtschaft seine Wachstumsprognosen gegenüber der letzten Vorhersage aus dem Juli dieses Jahres deutlich nach unten korrigiert. Danach wird die Weltwirtschaft in 2008 nur noch um 3,9 Prozent wachsen (2007: 5 Prozent) und sich weiter auf drei Prozent in 2009 verlangsamen. Die Wachstumsdynamik erreicht damit ihren niedrigsten Wert seit 2002. Für Deutschland rechnet der IWF in 2009 mit einem Nullwachstum, nach 1,8 Prozent im laufenden Jahr.

Die Europäische Zentralbank deutete unterdessen im Kampf gegen die Finanzkrise und den weltweiten Abschwung weitere koordinierte Zinssenkungen an. „Auf kurze Sicht scheint es natürlich absurd, aber ich schließe nichts aus“, sagte EZB-Ratsmitglied Miguel Angel Fernandez Ordonez am Donnerstag in Madrid auf die Frage nach weiteren Zinssenkungen. Zugleich stellt sich die Europäische Zentralbank (EZB) auf eine längere Schwächeperiode der Konjunktur ein. „Es ist damit zu rechnen, dass wir zumindest über einen Zeitraum von mehreren Quartalen ein sehr schwaches Wachstum sehen werden“, sagte das deutsche Mitglied im EZB-Direktorium, Jürgen Stark.

Die EZB wird laut Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi daher ihre Wachstums- und Inflationsprognosen revidieren. „Unsere Vorhersage von 1,2 Prozent Wachstum 2009 wird nach unten korrigiert“, sagte Bini Smaghi der italienischen Zeitung „Il Sole 24 Ore“. In diesem Zusammenhang könne die Inflation sich bis Ende 2009 schneller der Zwei-Prozent-Marke nähern.

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