Finanzkrise
EZB fürchtet weitere taumelnde Banken

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht in der Finanzkrise nach wie vor immense Risiken für die Banken im Euro-Raum – und erwartet weitere Milliardenabschreibungen.

HB FRANKFURT. Den Abschreibungsbedarf vor allem aus Kreditrisiken von jetzt an bis Ende 2010 schätzt die Notenbank auf 283 Milliarden Dollar, umgerechnet 204 Milliarden Euro, wie aus ihrem am Montag veröffentlichten „Finanzstabilitätsbericht“ hervorgeht. Seit Beginn der Krise im Sommer 2007 bis Ende 2010 würden sich die Abschreibungen auf 649 Milliarden US-Dollar summieren. Die EZB ist damit optimistischer als der Internationale Währungsfonds (IWF), der für den Zeitraum 2007 bis 2010 Abschreibungen in Höhe von 900 Milliarden Dollar erwartet. Die Aussagen der EZB drückten am Montagabend dennoch den Euro unter 1,38 Dollar.

Die Zahlen seien mit großer Unsicherheit behaftet, sagte EZB-Vizepräsident Lucas Papademos in Frankfurt. Die weitere Entwicklung hänge vor allem von der Konjunktur ab. Insgesamt sieht die EZB die Konjunkturschwäche als Hauptrisiko für die Stabilität der Finanzmärkte im Euro-Raum. „Wir sehen eine Verbesserung auf den Geldmärkten verglichen mit der Situation vor ein paar Monaten, aber das Finanzsystem ist nach wie vor unter Druck“, sagte Papademos. „Alle Marktteilnehmer müssen in der kommenden Phase besonders wachsam sein“, mahnte die EZB. Für Selbstzufriedenheit sei kein Platz, denn „die Risiken für die Finanzstabilität bleiben hoch“.

So bestehe die Gefahr, dass es zu einer weiteren „Erosion der Eigenkapitalbasis der Banken“ komme, heißt es in dem Bericht. Dies könne zu einem erneuten Vertrauensverlust in die großen Kreditinstitute führen. Der Bankenrettungsfonds Soffin befürchtet zunehmende Eigenkapital-Probleme bei deutschen Banken. Die angekündigte Rating-Herabstufung bei strukturierten Wertpapieren drohe, „den konjunkturell bedingten Anstieg der Risikoaktiva großer deutscher Banken massiv zu verschärfen“, heißt es in einem Positionspapier, über das das Handelsblatt bereits berichtet hatte. „Dadurch wird deren ausreichende Kapitalisierung gefährdet sein.“ Der Soffin sieht momentan kein anderes Mittel als die Auslagerung von Risiko-Papieren in sogenannte Bad Banks: „Bad Banks helfen Kapital sparen und dienen damit der Stabilität der Finanzmärkte.“

Die EZB forderte die Geschäftsbanken auf, für angemessene Liquiditätspolster zu sorgen. Mittel- bis langfristig müssten die Banken ihre Geschäftsmodelle an das herausfordernde Umfeld anpassen, sagte Papademos. Angesichts der noch vorhandenen Risiken sollten sich die Institute nicht scheuen, staatliche Hilfen anzunehmen.

Die EZB sieht auch außerhalb der Euro-Länder eine Reihe von Gefahren für die Finanzmärkte: Die Preise am US-Häusermarkt könnten stärker fallen als bisher erwartet. Die Spannungen an den Finanzmärkten in Osteuropa könnten sich weiter verschärfen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%