Finanzkrise
EZB profiliert sich im Liquiditätsmanagement

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist so etwas wie ein Gewinner der aktuellen Finanzkrise. Die EZB profitierte zwar nicht wirtschaftlich, konnte jedoch durch gutes Krisenmanagement überzeugen – durch Interventionen funktionierten die Märkte weiter. Experten loben die Details.

mak FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) übt sich in der Kunst des Liquiditätsmanagements am Geldmarkt und erntet dafür viel Anerkennung aus Wissenschaft und Praxis. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise eindeutig Position bezogen: „Um welchen Preis auch immer – die Märkte müssen funktionieren.“

Bisher hat die EZB seit dem Ausbruch der Krise Anfang August dem Geldmarkt mit kurzfristigen Schnelltendern fünf Mal zusätzliche Liquidität zur Verfügung gestellt. Der zweite außerplanmäßige langfristige Tender mit 90 Tagen Laufzeit wurde gestern ausgeschrieben.

Der EZB-Rat hatte einen neuen Drei-Monatstender vom Grundsatz her bereits in der vergangenen Woche beschlossen. Die Zuteilung erfolge nach dem sogenannten amerikanischen Verfahren, teilte die EZB gestern mit. Danach bezahlen die Banken den Zinssatz, zu dem sie geboten haben. Die EZB legt heute fest, bis zu welchem Zinssatz die Gebote zum Tragen kommen sollen beziehungsweise welchen Betrag sie zuteilen will. Bei den regulären Langfristtendern teilt sie üblicherweise 50 Mrd. Euro zu.

Anders als bei den Kurzfrist-Tendern hat die bloße Ankündigung der zusätzlichen langfristigen Liquiditätsspritze nicht zu einer Entspannung bei den Zinssätzen geführt. Das galt auch für die Bekanntgabe der Modalitäten des Tenders. Dreimonatsgeld notierte unverändert bei 4,60 zu 4,75 Prozent. „Die Banken neigen dazu, sich nicht wie sonst Kredite einzuräumen. Sie horten Geld“, erklärte Christine Glockmann, die bei der Bundesbank für die Durchführung geldpolitischer Operationen der EZB zuständig ist. „Wenn bei unverändert hoher Nachfrage kein ausreichendes Angebot da ist, bleiben die Sätze hoch.“ Anders als beim Tagesgeld könnten sich die Banken nicht sicher sein, dass die EZB beim Drei-Monatsgeld aktiv bleiben werde, sagte Glockmann. Außerdem brauchten manche Banken auch Geld für den Eigenbedarf.

Am kurzen Ende hat die EZB gestern mit ihrem als Zinstender ausgeschriebenen Hauptrefinanzierungssgeschäft mit sieben Tagen Laufzeit dem Markt zehn Mrd. Euro mehr zugeführt, als nach ihren Prognose eigentlich zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage erforderlich gewesen wäre. Statt des so genannte Benchmark-Zuteilungsvolumens von 259 Mrd. Euro gab die Notenbank ab einem Zinssatz von 4,14 Prozent 269 Mrd. Euro in den Markt. Der gewichtete Durchschnittssatz habe 4,17 Prozent betragen, teilte die EZB mit. Insgesamt hätten 381 Banken Gebote über 406,1 Mrd. Euro abgegeben. Der höchste Zinssatz lag bei 4,29 Prozent.

Gleichzeitig hat die EZB gestern mit einem zusätzlichen Ein-Tages-Schnelltender 60 Mrd. Euro zu einem Zinssatz von vier Prozent aus dem Markt genommen. Die EZB reagierte damit darauf, dass der Zinssatz für Tagesgeld am Montag zeitweise auf 3,45 Prozent, also unter den geltenden Notenbankzins gesunken war.

Die überschüssige Liquidität bedeutet für die Banken, dass sie Verluste machen. Sie haben sich bei der EZB zu einem Zinssatz von wenigstens vier Prozent mit Liquidität eingedeckt und können diese bestenfalls bei der EZB in der Einlagenfazilität zu drei Prozent parken. Solche Verluste der Banken wollte die EZB gering halten.

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