Finanzkrise greift auf Realwirtschaft über
US-Ökonomen warnen vor Rezession

US-Ökonomen befürchten, dass die Konjunktur im vierten Quartal dramatisch einbricht. Der Grund für den um sich greifenden Pessimismus sind die wirtschaftlichen Folgen der Finanzkrise. Hatten die Ökonomen zunächst gehofft, die Auswirkungen der Kreditklemme ließen sich auf die Finanzbranche begrenzen, mehren sich jetzt die Anzeichen, dass die Krise auf Unternehmen und Verbraucher übergreift.

NEW YORK. Die jüngste Schätzung für das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal dürfte den Amerikanern wie ein Rückblick in längst vergangene Zeiten vorkommen. Mit einem auf das Jahr hochgerechneten Plus von 4,9 Prozent stand die US-Wirtschaft nach Angaben des Handelsministeriums in den Sommermonaten noch unter Volldampf.

Inzwischen hat sich das Bild umgekehrt: Ökonomen befürchten, dass die Konjunktur im vierten Quartal dramatisch einbricht. So rechnen die Volkswirte der Investmentbank Morgan Stanley nur noch mit einem mageren Zuwachs von 0,3 Prozent auf annualisierter Basis. Und auch für nächstes Jahr ist die US-Regierung wenig optimistisch: So senkten der Wirtschaftsrat und das Finanzministerium ihre gemeinsame Prognose für 2008 gestern von 3,1 auf 2,7 Prozent.

Der Grund für den um sich greifenden Pessimismus sind die wirtschaftlichen Folgen der Finanzkrise. „Das Risiko einer Rezession ist sehr hoch“, sagte Harvard-Ökonom Martin Feldstein. Die Volkswirte der Investmentbank Goldman Sachs beziffern die Wahrscheinlichkeit einer Wirtschaftskrise inzwischen auf bis zu 45 Prozent.

In den letzten Wochen haben sich die Konjunkturindikatoren auf breiter Front verschlechtert. Das Konsumklima ist auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) berichtet in ihrem jüngsten Konjunkturreport (Beige Book) von „schwachen“ Einzelhandelsumsätzen und einem „langsamen“ Weihnachtsgeschäft. In der Industrie sind die Auftragseingänge im Oktober überraschend stark gesunken. Und der starke Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im dritten Quartal ist vor allem dem Aufbau hoher Lagerbestände zu verdanken. Folglich dürfte die Produktion im Schluss-quartal spürbar zurückgehen.

Volkswirte hatten angesichts der hohen Energiekosten - der Ölpreis nähert sich der 100-Dollar-Marke - und des Einbruchs im Bausektor zwar mit einer Wachstumsflaute gerechnet. An den Rand einer Rezession ist die US-Wirtschaft jedoch erst dadurch geraten, dass die Krise auf den Finanzmärkten jetzt auch die Kreditvergabe für Unternehmen und Verbraucher bedroht. Dabei handelt es sich um eine Kettenreaktion.

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