Finanzkrise
Notenbanken schaffen kaum Beruhigung

Die Zinssenkungen haben am Geldmarkt bisher nicht wirklich für Entspannung gesorgt. Das liegt nach Expertenmeinung auch an der mangelnden Koordination ihrer Maßnahmen. Unklar ist auch, wie sich die geschaffene Liquidität in Zukunft auf die Inflation auswirken wird.

FRANKFURT. Die jüngste Welle der Finanzmarktturbulenzen führt zu neuen Verspannungen am Geldmarkt. "Im Bankensektor wird Liquidität nach wie vor dringend benötigt. Das gilt auch nach den Maßnahmen der US -Notenbank Fed", sagte Kornelius Purps, Zinsstratege der Unicredit, dem Handelsblatt. "Was die Geldmärkte angeht, wünschen sich die Händler eine bessere Koordinierung zwischen den Notenbanken."

Die Fed hatte den Finanzmärkten in den vergangenen Tagen mit einer Reihe von Einzelmaßnahmen in erheblichem Umfang Liquidität zugeführt. "Die sollen aber alle in erster Linie für Entspannung am Markt für US-Hypothekenanleihen sorgen", erläuterte Purps. Das sei auch gelungen. Die Verspannungen am Geldmarkt seien dadurch aber nicht abgebaut worden.

Im Euro-Raum zogen die Zinssätze für Tagesgeld gestern wieder deutlich an. Tagesgeld wurde zu 4,20 Prozent angeboten - nach 4,07 Prozent am Dienstag. Dreimonatsgeld erhöht sich von 4,65 auf 4,68 Prozent. Nach Informationen aus dem Handel kamen die 25 Mrd. Euro, die die EZB dem Markt am Dienstag bei ihrem einwöchigen Hauptrefinanzierungsgeschäft über den von ihr prognostizierten Bedarf hinaus hatte zukommen lassen, nur zum Teil dort an. "Im Euro-Raum werden Dollar benötigt", erläuterte Purps. "Die Euro wurden in Dollar getauscht." Solche Swaps seien zwar teuer, aber wenn Liquidität benötigt werde, spiele der Preis eine untergeordnete Rolle. Die vorhandene Liquidität suche Sicherheit und werde nicht an andere Banken weiter verliehen.

Der luxemburgische Notenbankchef Yves Mersch versuchte gestern, die Märkte zu beruhigen. Wie lange die Krise noch dauere, sei völlig ungewiss. Die Schwierigkeiten des US-Investmenthauses Bear Stearns zeigten, dass die Finanzkrise länger dauern werde als von der EZB erwartet. Die jüngsten Liquiditätshilfen der Fed seien auf sechs Monate angelegt. In der Zwischenzeit werde die EZB sicherstellen, dass der Geldmarkt im Euro-Raum ordentlich funktionieren könne. "Wir werden alles tun, was nötig ist, um ein Funktionieren der Finanzmärkte sicherzustellen", sagte Mersch.

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