Finanzkrise
Ökonomen sehen schwarz für Weltwirtschaft

Es könnte "richtig ungemütlich" werden. Das hatte der britische Nobelpreisträger Clive Granger schon vor Wochen prognostiziert. Noch handele es sich zwar weitgehend um eine Finanzkrise. Was ihn aber so unruhig werden ließ und ihm Sorgenfalten auf die Stirn trieb: die Sorge, dass die Krise außer Kontrolle geraten und in großem Stil auf die Realwirtschaft und damit die Arbeitsmärkte übergreifen könnte. Inzwischen ist es ungemütlich geworden.

FRANKFURT/LONDON/NEW YORK. Die Krisenlawine hat in der vergangenen Woche derart an Tempo zugelegt, dass Grangers Sorge alles andere als unbegründet erscheint. Die Lehman-Pleite, die Verstaatlichung des Versicherers AIG und der Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac - es sind die schwärzesten Tage der US-Wirtschaft seit Jahrzehnten.

Aber nicht nur der US-Wirtschaft. Rund um den Globus nehmen die Stimmen zu, die Schreckensnachrichten verbreiten. Sie verkünden, dass die Turbulenzen der vergangenen Wochen die Risiken für die Weltwirtschaft deutlich erhöht haben und die Wachstumsraten der vergangenen Jahre so schnell nicht wiederholt werden können. Kein Wunder: Der Anteil der USA am weltweiten Bruttoinlandsprodukt hat sich zwar in den vergangenen Jahren kontinuierlich verringert, er beträgt laut Weltbank aber immer noch gut 27 Prozent.

"Nachdem die Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren über ihrem langfristigen Trend gewachsen ist, wird sie in den kommenden Jahren darunter liegen", prophezeit die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro. Eine Zeit lang sei kein Preis für Risiko vorhanden gewesen - weil es von den Zentralbanken enorme Liquidität gegeben habe, die von den Finanzmärkten noch vervielfacht worden sei, argumentiert sie. "Der Abbau dieser Ungleichgewichte, die aus der hohen Verschuldung der US-Haushalte und den aufgeblasenen Bilanzen der Banken bestehen, wird die große Aufgabe der kommenden Jahre werden."

Jahre der Anpassung - die erwarten auch viele US-Ökonomen, die trotz der aktuellen Krise vor einer Verteufelung der modernen Finanzinstrumente warnen. Die enormen Wohlstandsgewinne der vergangenen Jahrzehnte seien auch auf die Liberalisierung der internationalen Finanzmärkte zurückzuführen, dieses Schmiermittel werde der Weltwirtschaft dank der Spätfolgen der Kreditkrise fehlen.

"Trotz der Finanzkrisen in Lateinamerika, Asien und Russland waren die vergangenen 25 Jahre eine bemerkenswerte Periode des Wohlstands, nicht nur in den Schwellenländern, sondern weltweit", sagt beispielsweise Gary Hufbauer, Ökonom am renommierten Peterson Institute for International Economics in Washington. "Wenn man eine Liste der tausend Top-Unternehmen aus dem Jahre 1980 mit der gleichen Liste von heute vergleichen würde, könnte man vermutlich sehen, dass mehr als die Hälfte der Firmen ersetzt wurde. Das wäre unmöglich, wenn diese Firmen nicht Zugang zu Risikokapital, dem Aktienmarkt oder einem wettbewerbsfähigen Bankensektor gehabt hätten."

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