Finanzkrise
US-Konjunkturdaten fallen „bedrohlich“ aus

Der Inflationsdruck auf Erzeugerebene hat in den USA im Juli unerwartet deutlich zugenommen. Gleichzeitig sind sowohl Baubeginne als auch die-genehmigungen drastisch eingebrochen.

HB WASHINGTON. Laut US-Arbeitsministerium stiegen die Erzeugerpreise gegenüber dem Vormonat um 1,2 Prozent. Volkswirte hatten mit einem Anstieg um nur 0,4 Prozent gerechnet. Im Jahresabstand ergab sich mit 9,8 Prozent der stärkste Anstieg seit 1981.

Zudem erhöhten sich die US-Erzeugerpreise in der Kernrate - ohne die volatilen Preise für Nahrungsmittel und Energie - verglichen mit dem Vormonat um 0,7 Prozent. Hier hatten Ökonomen einen Anstieg von 0,2 Prozent prognostiziert. Auf Jahressicht stiegen die Kernerzeugerpreise um 3,5 Prozent und verzeichneten damit das stärkste Plus seit 17 Jahren. Für den Vormonat wurde der gemeldete Anstieg der Kernerzeugerpreise um 1,8 Prozent bestätigt, gleiches gilt für die Kernrate mit plus 0,2 Prozent.

Die Nahrungsmittelpreise, die 22 Prozent des Gesamtindex abbilden, stiegen im Juli auf Monatssicht um 0,3 Prozent. Die Preise von Energie (14 Prozent des Gesamtindex) stiegen um 3,1 Prozent (Vormonat: plus 6,0 Prozent). Benzin verzeichnete ein Minus von 0,2 Prozent und verbilligte sich damit erstmals seit April.

Die Erzeugerpreise von Vorleistungsgütern erhöhten sich um 2,7 Prozent und in der Kernrate um 2,0 Prozent, die Erzeugerpreise von Rohmaterialien stiegen um 4,2 Prozent (Kernrate: plus 3,4 Prozent).

Nicht nur an der Inflationsfront droht der US-Wirtschaft weiteres Ungemach: Nach dem kräftigen Anstieg im Vormonat ist die Zahl der Baubeginne in den USA im Juli eingebrochen. Wie das US-Handelsministerium am Dienstag mitteilte, gingen die Zahl im Vergleich zum Vormonat um 11,0 Prozent auf annualisiert 965 000 zurück. Dies ist der niedrigste Stand seit März 1991, als 921 000 Baubeginne registriert worden waren.

Im Vorfeld der Veröffentlichung hatten Ökonomen einen Rückgang um 10,9 Prozent prognostiziert. Der zunächst für den Vormonat gemeldete Anstieg von 9,1 Prozent wurde auf plus 10,4 Prozent nach oben revidiert. Die Baubeginne lagen im Juli um 29,6 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Die Zahl der erteilten Baugenehmigungen ist den Angaben zufolge im Juli um 17,7 Prozent auf eine Jahresrate von 937 000 gesunken. Hier hatte die Prognose auf ein Minus von 13,8 rozent gelautet. Im Vormonat war ein Anstieg von 16,4 Prozent verzeichnet worden. Die Baugenehmigungen gelten als Vorlaufindikator für die künftige Bauaktivität.

Als "bedrohlich" schätzt Heinrich Bayer, Ökonom im volkswirtschaftlichen Research der Postbank, vor allem den "massiven Sprung" der US-Erzeugerpreise in der Kernrate im Juli ein.

"Das lässt darauf schließen, dass sich die Energiepreissteigerungen auf eine ganze Reihe anderer Preiskomponenten ausgewirkt haben", erklärt der Volkswirt. Mit Blick auf die übergeordnete Erzeugerpreisentwicklung, in deren Berechnung die Preise für Energie und Nahrungsmittel hingegen einfließen, könnte nach Bayers Ansicht vor dem Hintergrund der rekordhohen Ölpreise im Juli der Höhepunkt jedoch womöglich bereits erreicht worden sein.

Trotz der unerwartet negativen jüngsten Teuerungsdaten geht der Ökonom freilich noch nicht davon aus, seine Prognose für die Geldpolitik der US-Notenbank ändern zu müssen: "Ich rechne weiter damit, dass die Federal Reserve erst Anfang kommenden Jahres damit beginnen wird, ihr Leitzinsniveau anzuheben. Bis dahin wird sie die schwache Konjunktur zwingen, stillzuhalten".

Ähnlich äußerte sich Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus: "Mit Blick auf die jüngsten Inflationsdaten wird die Fed sicher ins Grübeln geraten. Sie ist sicher hin- und hergerissen. Wir rechnen dennoch damit, dass die Zinsen erst 2009 angehoben werden", sagte der Experte nach Veröffentlichung der jüngsten Wirtschaftsdaten.

Die enttäuschenden US-Konjunkturdaten haben am Dienstag den Dax unter 6 300 Punkte auf 6 296 Punkte gedrückt. Damit verlor der Leitindex über zwei Prozent. Der Dollar zog leicht an. Der Euro notierte bei 1,4655 Dollar. Der Bund-Future stieg um 28 Ticks auf 114,69 Punkte.

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