Finanzkrise
US-Wirtschaft trübt sich weiter ein

Verbraucher kaufen weniger ein, Unternehmen bestellen weniger Güter, die Hausverkäufe brechen ein und die Arbeitslosigkeit bleibt hoch. Die neuesten Konjunkturdaten zeigen: Die USA rutschen immer tiefer in eine Rezession.

NEW YORK. Die Konsumausgaben der privaten Verbraucher sind im Oktober um ein Prozent geschrumpft, teilte das Handelsministerium am Mittwoch mit. Einen solchen Fall hatte es seit dem Abschwung nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nicht mehr gegeben. Im September 2008 waren die Konsumausgaben bereits um 0,3 Prozent gefallen. Die Ausgaben der Verbraucher sind für die US-Wirtschaft von entscheidender Bedeutung, tragen sie doch 70 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Das BIP war im dritten Quartal bereits um 0,5 Prozent geschrumpft.

Gleichzeitig legen die Amerikaner zunehmend Geld beiseite, statt es auszugeben: Die Sparquote stieg im Oktober auf 2,4 Prozent des Einkommens, im Vormonat lag sie noch bei einem Prozent. Das gesparte Geld fehlt den US-Einzelhändlern, die das schlechteste Weihnachtsgeschäft seit Jahrzehnten fürchten. Angesichts der neuesten Zahlen rechnen Experten damit, dass die US-Wirtschaft im vierten Quartal schrumpfen wird.

Wie das Handelsministerium weiter mitteilte, ist auch der Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter im Oktober massiv eingebrochen. So sanken die Orders gegenüber September um 6,2 Prozent und damit weit mehr als erwartet. Die Auftragseingänge ohne Rüstung - ein wichtiger Indikator für die Investitionsbereitschaft der Wirtschaft - ging im Oktober um 4 Prozent zurück, nach einem Minus von 3,3 Prozent im September. Allein die Bestellungen für Zivilflugzeuge sanken um 4,7 Prozent, für Autos und Autoteile um 4,5 Prozent. Experten sehen die rückgängigen Aufträge vor allem als Folge der zunehmenden Schwierigkeiten von Unternehmen, Kredite für Investitionen zu erhalten.

Auch die Zahl der Verkäufe neuer Häuser ist stärker als erwartet gefallen. So wurden im Oktober 5,3 Prozent weniger Immobilien verkauft. Für das Gesamtjahr geht das Handelsministerium nun von 433 000 Häusern aus - das niedrigste Niveau seit mehr als 17 Jahren. Volkswirte hatten mit einem Wert von 450.000 gerechnet.

Unterdessen ist die Zahl der Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Woche bis 22. November saisonbereinigt um 14 000 gesunken - bleibt allerdings mit insgesamt 529 000 auf einem hohen Niveau. Außerdem stieg in den vergangenen vier Wochen die Zahl der Neuanträge im Schnitt um 11 000 auf 518



000. Der höchste Anstieg seit Januar 1983.

Die Börse reagierte besorgt auf die Zahlen: Der Dow-Jones-Index der Standardwerte sank im frühen Handel um 1,8 Prozent auf 8324 Punkte, der breiter gefasste S&P-500 verlor 1,7 Prozent auf 844 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 0,9 Prozent nach auf 1453 Punkte.

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik
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