Finanzkrise
Walter: Banken sind nicht über den Berg

Die internationale Bankenbranche ist nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter noch nicht über den Berg. „Es ist zwar eine gewisse Besserung des Finanzsektors zu beobachten. Dies ist aber nur eine Zwischenerholung und noch keine endgültige,“ sagte Walter.

HB FRANKFURT. Bei den Abschreibungen auf toxische Papiere infolge der Immobilienkrise in den USA dürfte das Gröbste überstanden sein. „Doch mit der Risikovorsorge für Kreditausfälle infolge der tiefen Rezession weltweit kommt bereits die nächste Welle auf die Banken zu“, sagte Walter. Hier dürfte es vor allem die stark auf das Kreditgeschäft konzentrierten Institute treffen, die dann bald wieder neues Kapital brauchen, das sie sich nicht am freien Markt besorgen können. „Ich befürchte, dass dann der Staat wieder mit direkten Kapitalhilfen einspringt“, sagte er.

Weltweit sei den Regierungen noch kein effektives Mittel eingefallen, um die Bankbilanzen von der Last schlechter Anlagen zu befreien. Weder das britische Versicherungsmodell noch der amerikanische Versuch, dies gemeinsam mit privaten Investoren zu bewältigen, hätten einen guten Start gehabt, sagte Walter. Auch das deutsche Konzept, die Lasten auf jeweils institutsnahe vom Staat unterstützte „Bad Banks“ auszulagern, laufe noch nicht richtig.

In letzter Zeit habe es in Deutschland und auch in den USA, wo die Finanzkrise ihren Anfang genommen hat, Zeichen der Besserung gegeben, sagte der Chefvolkswirt der größten deutschen Bank, die bislang ohne staatliche Hilfe auskommt. So konnten sich zahlreiche britische und amerikanische Großbanken mit dem Verkauf von Aktien und Anleihen am Kapitalmarkt refinanzieren. Mit den Mitteln wollen die meisten Banken die größtenteils im Herbst gewährten Staatshilfen zurückzahlen.

Walter sieht nach der Europawahl am kommenden Sonntag den Weg frei für eine mit den Amerikanern abgestimmte Neuordnung der Regulierung der Finanzbranche. „Die führenden Wirtschaftsnationen haben bei ihrem Treffen Anfang April in London den Weg dafür bereitet. Jetzt muss das umgesetzt werden“, sagte Walter, der hier, anders als bei der Umweltpolitik, europäische Führung als erfolgversprechend ansieht. Wichtig sei es, die Regulierung international abzustimmen und möglichst einheitlich umzusetzen.

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