Finanzkrise
Zinsschritt in Schweden erhöht Druck auf EZB

Die schwedische Reichsbank hat die Leitzinsen um 1,75 Prozentpunkte auf zwei Prozent gesenkt und damit fast halbiert. Die überraschend deutliche Zinssenkung zog den Dax nach oben – und und facht die Spekulation an, dass die EZB am Nachmittag um deutlich mehr als 50 Basispunkte die Leitzinsen senken wird.

HB STOCKHOLM. Zentralbank-Gouverneur Stefan Ingves begründete seinen Überraschungscoup mit einer zu erwartenden weiteren kräftigen Eintrübung der wirtschaftlichen Aktivität im kommenden Jahr. Der Schritt sei nötig, um den Einbruch bei Produktion und Beschäftigung zu kontern und gleichzeitig das Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen. Allerdings will Ingves den Leitzins offenbar nicht mehr so schnell antasten. Der Zinssatz werde im kommenden Jahr wohl auf dem jetzt erreichten Niveau bleiben, heißt es in der schriftlichen Begründung des Beschlusses.

Die Zinssenkung war mit Abstand die stärkste in der Geschichte der schwedischen Notenbank. Zugleich war sie kräftiger als viele Analysten angenommen hatten. Am Markt wurde zumeist eine Senkung um 1,0 Punkte erwartet.

Am Devisenmarkt reagierte die schwedische Krone mit Verlusten auf die Nachrichten aus Stockholm. Für einen Euro wurden nach der Entscheidung 10,53 Kronen gezahlt. Davor waren es noch 10,44 Kronen. Die Riksbank hatte den Leitzins bereits im Oktober zweimal reduziert, einmal im Rahmen einer gemeinsamen Aktion führender Zentralbanken in aller Welt.

Von Analysten gab es viel Lob für den Schritt: „Das war wirklich gut“, erklärte Mats Kinnwall von Handelsbanken. Torbjorn Isaksson von Nordea sprach von einer faustdicken Überraschung. „In außergewöhnlichen Situationen sind außergewöhnliche Maßnahmen angebracht. Und das ist es, was wir gerade erleben.“ Knut Halberg von der Swedbank erwartet nun einen „kräftigen Schub“ für die schwedische Wirtschaft.

Die Riksbank gab mit ihrem Beschluss den Startschuss für weitere Zinssenkungen im Laufe des Tages. Bevor am Nachmittag die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinsentscheidung bekannt gibt, blicken die Finanzmärkte nach London. Von der britischen Notenbank wird ein Zinsschritt um mindestens einen Prozentpunkt nach unten erwartet, nachdem Zentralbank-Gouverneur Mervyn King im November mit einer massiven Zinssenkung um 150 Basispunkte auf drei Prozent überrascht hatte.

Im Fall der EZB gehen die Meinungen der Experten auseinander. Viele hoffen auf einen großen Zinsschritt von mehr als 50 Basispunkten, die Mehrheit der Volkswirte glaubt jedoch nicht daran, dass die Hüter des Euro erstmals in der Geschichte der Währungsunion so stark an der Zinsschraube drehen werden.

Dennoch dürfte die schwedische Zinsentscheidung bei den Beratungen des dieses Mal in Brüssel tagenden EZB-Rats und des geldpolitischen Komitees in London für Furore und Diskussionen sorgen: „Sie (die Riksbank) hat den Ton für den Rest des Tages vorgegeben“, sagte Währungsstrategin Audrey Childe-Freeman von Brwon Brothers Harriman in London. „Das bestätigt, dass die Zentralbanken derzeit sehr aggressiv vorgehen und die Riksbank ist da keine Ausnahme.“

Die Märkte reagierten indessen bereits auf den Zinsschritt in Schweden. Nach anfänglichen Verlusten vollzog der Dax im frühen Handel eine rasche Tendenzwende und liegt mittlerweile deutlich im Plus.

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