Finanzlage
EZB erwartet entschiedene Sanierungspolitik von Griechenland

EZB-Vizepräsident Lukas Papademos erwartet, dass die griechsche Regierung wirksame Schritte gegen die kritische finanzielle Lage des Landes einleiten wird. Sie müsse "rasch und entschieden vorgehen, um das Defizit zu senken".
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BERLIN. Papademos sagte am Wochenende in Berlin am Rande einer Konferenz des Center on Capitalism and Society, die Situation der griechischen Staatsfinanzen sei "eindeutig ernst". Es nötig, dass die griechische Regierung auch mit "strukturellen Reformen die tieferen Ursachen" der Probleme auf dauerhafte Weise angehe.

Seine Erwartung, dass die Regierung tatsächlich tätig wird, begründete Papademos mit den politischen Zusagen, die sie gemacht habe und mit dem gewachsenen Bewusstsein der griechischen Öffentlichkeit für die Unhaltbarkeit der finanziellen Lage.

Griechenland weist ein sehr hohes Staatsdefizit auf und ist nach einem wiederholten Downgrading seiner Staatsanleihen in eine kritische Situation geraten: Hätte die Europäische Zentralbank nicht im Rahmen ihrer Antikrisenmaßnahmen die Bedingungen gelockert, würde sie griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheit akzeptieren. In diesem Moment würden sie am Markt praktisch wertlos und das Land stünde vor der Zahlungsunfähigkeit.

Von dieser Front her droht keine unmittelbare Gefahr, da erwartet wird, dass die EZB ihre großzügigeren Kriterien noch über Monate beibehält. Intensiv diskutiert wird nun über eine abgestimmte Stützungskation der EU für Griechenland. Der Maastricht-Vertrag sieht keine Rettung eines Mitlgieds des Währungsunion vor. Denkbar ist allerdings, dass im Gegenzug für ein hartes Sanierungsprogramm der griechischen Regierung Hilfen gewährt werden, die ähnlich wie die Programme des IWF an strenge Konditinen gebunden sind.

Bundeskanzlein Angela Merkel hatte sich vergangene Woche in entspechender Form zu Griechenland geäußert. Dies werten Finanzexperten als politische Weisung für ene mögliche europäische Stützungsaktion. Die Präferenz der EU scheint zu sein, eine eigene Lösung ohne Beteiligung des IWF zu finden.

Papdemos äußerte die Überzeugung, dass eine wirksame Konsoliierungspolitik Vorteile für Griechenland habe. Das langfristige Wachstm werde gestärkt. Zugleich sei es von Vorteil für die Eurozone, wenn Griechenland endlich seine Problem in Angriff nehme: Das verbessere die Kohärenz und das Funktionieren der Währungsunion.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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  • Sehr geehrter Herr Höhler,


    ich nehme ihren heutigen Artikel gerne zum Anlass um einige kritische

    Anmerkungen beizusteuern, die mir in den vergangenen Tagen, als

    kritischen beobachter der aktuellen berichtserstattung über die "Finanzmisere"

    Griechenlands gewissermaßen "schwer auf meinem Herzen liegen": Man kann

    sich als Leser insbesondere der angelsächsischen und bundesdeutschen

    Wirtschaftspresse nicht des Eindruckes erwehren, dass inzwischen die Grenze der

    "konstruktiven Kritik" an der Wirtschaftspolitik Griechenlands schon lange überschritten worden ist,

    und gewissermaßen ein Maß einer "Hysterie" angenommen hat, wenn man sich als interessierter Leser

    in den unweiten des digitalen Kosmos begibt. Längst wird man als Hellene in diversen Foren und Artikeln

    quasi als "EU-Schmarotzer" dargestellt, Kommentare "unter der Gürtellinie" selbst von der Fachpresse sind

    an der Tagesordnung. Mit großer Verwunderung musste ich feststellen, dass selbst der Chefredakteur des

    Handelsblatts in einem Kommentar, in dem er selbst den Wittelsbacher Otto i. bemühte, um sich als großen

    Kenner der griechische Geschichte erkennen zu geben, in einer arroganten, man könnte sagen dekadenten

    Art, uns weismachen wollte, dass jenes Land Griechenland seit jeher "pleite gewesen sei" und sich an jenem

    Zustand auch bis zur Gegenwart nichts verändert habe, so der Tenor des Artikels. Nun offensichtlich ist es ihrem

    "Chefhistoriker" beim Handelsblatt, Herrn Ziesemer, offensichtlich entgangen, dass der junge Staat Griechenland gerade 500 Jahre Knechtschaft

    unter dem Osmanenjoch hinter sich hatte, aber das spielt natürlich keine Rolle, wenn man eine vorgefertigte Meinung verkünden will.

    im Übrigen zeugt es auch nicht von professioneller Recherche, wenn das Handelsblatt nicht einmal den aktuellen griechischen

    Ministerpräsident von dem russischen Aussenminister unterscheiden kann,sondern bestätigt eher meinen Verdacht.

    (vgl. http://www.handelsblatt.com/politik/international/griechenland-parteichefs-beraten-ueber-schuldenkrise;2497200)

    Kritik ist sicherlich berechtigt und nötig. bitte aber mit einer gewissen kritischen Distanz, und nicht in Form

    einer "Antihellenischen-Kampagne".


    Hochachtungsvoll

    Kosmopolit

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