Finanzmärkte
Alles in der Hand von Fed-Chef Bernanke

Die US-Notenbank Fed trifft sich am heutigen Mittwoch zu ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause. Die Finanzmärkte rechnen fest mit einer erneuten Erhöhung der Leitzinsen - und fragen sich besorgt, wie viele Zinsschritte Börsen und Konjunktur noch verkraften können. Fed-Chef Ben Bernanke steht unter Zugzwang.

NEW YORK. Als Ben Bernanke Anfang Februar das Amt des US-Notenbankchefs übernahm, schien die Zeit der geldpolitischen Grausamkeiten fast vorbei zu sein. 14-mal hatte die Federal Reserve unter ihrem alten Chairman Alan Greenspan bis dahin den Geldhahn langsam, aber sicher zugedreht und das Zinsniveau von 1 auf 4,5 Prozent gebracht. Eine Zinserhöhung wollten die Finanzmärkte Bernanke noch zugestehen - danach sollte aber Schluss sein.

Fünf Monate später steht der Leitzins in den USA bei fünf Prozent, und einige Ökonomen an der Wall Street halten eine weitere Anhebung auf bis zu sechs Prozent in den kommenden Monaten für möglich. Selbst ein Doppelschlag von 0,5 Prozentpunkten bei der letzten Fed-Sitzung vor der Sommerpause am Mittwoch in Washington wird nicht mehr ausgeschlossen. Der Grund für die überraschende Trendwende findet sich im gerade veröffentlichten Jahresbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Darin warnt die "Zentralbank der Zentralbanken", dass die Inflation "mit aller Macht" in die Weltwirtschaft zurückkehren könnte. Die BIZ fordert die Notenbanken deshalb auf, den restriktiven Kurs in der Geldpolitik fortzusetzen.

Nachdem Bernanke die Inflationsängste anfangs als übertrieben abgetan hat, schlägt er seit einigen Wochen eher harsche Töne an. Der Fed-Chef bezeichnete kürzlich den An-stieg der Kerninflationsrate auf zuletzt 2,3 Prozent als "unliebsame Entwicklung" und kündigte an, dass die Notenbank sicherstellen werde, dass der Preisauftrieb sich nicht fortsetze. In ähnlich scharfer Tonlage äußerte sich seitdem fast täglich ein US-Notenbanker nach dem anderen. Die Finanzmärkte reagierten mit Kursausschlägen. An der immer nervöser werdenden Wall Street wurde die Fed als "Quasselbude" gebrandmarkt. Auf die Frage, ob Schweigen für einen Zentralbanker nicht immer noch Gold sei, nickte kürzlich ein Fed-Mitglied nur mit dem Kopf.

In ihrem Kampf gegen eine aufkeimende Inflationsgefahr schauen die Notenbanker weniger auf die Preisdaten der letzten Monate. Preise sind ein Spätindikator der konjunkturellen Entwicklung und deshalb keine gute Richtschnur für eine Zinspolitik, deren realwirtschaftliche Wirkungen sich meist erst nach sechs Monaten entfalten.

Der eigentliche Kampf gilt deshalb den Inflationserwartungen in der Wirtschaft, die im Juni mit 3,4 Prozent weit über der Schmerzgrenze der Fed lagen. Die Preissignale und die Tatsache, dass Bernanke sich als neuer Notenbank-Chef den Ruf eines Währungshüters erst noch erwerben muss, haben die Fed zu weiteren Zinserhöhungen getrieben. Die Notenbanker versuchen damit den Eindruck zu vermeiden, dass ihr die Inflation bereits entglitten ist und sie dem Preisauftrieb hinterherlaufen.

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