Finanzmarktkrise
Bank of England schnürt Nothilfepaket

In der Kreditkrise springt die Englische Notenbank mit einem rund 50 Milliarden Pfund schweren Nothilfepaket ein. Doch es gibt schon Gerüchte, der Betrag könnte sich verdoppeln.

HB LONDON. Die Bank of England werde den britischen Banken Zugang zu Staatsanleihen im Wert von 50 Milliarden Pfund – rund 63 Mrd Euro – geben, um so den Hypothekenmarkt zu stützen, teilte das Institut am Montag in London mit. Dabei können die Banken ihre potenziell riskanten Hypothekenkredite vorübergehend gegen – sicherere – Staatsanleihen eintauschen.

Die Banken, die sich seit Ausbruch der US- Immobilienkrise untereinander nur noch zögerlich Geld leihen, sollen dadurch wieder Zugang zu frischen Mitteln bekommen. Die Maßnahme solle bis zu drei Jahre gelten. Medien berichteten, dass sich das Volumen sogar auf 100 Milliarden Pfund verdoppeln könne, falls die Aktion nicht den gewünschten Effekt hätte.

Die britische Regierung steht seit Monaten wegen der Kreditkrise unter Druck, da die Banken den Bürgern nicht mehr so gute Konditionen für Hypothekenkredite gewähren. Die Maßnahme solle das Vertrauen in die Märkte stärken, sagte der Gouverneur der Bank of England, Mervyn King. Die Opposition kritisierte jedoch, dass der Steuerzahler für die Risiken der Großbanken aufkommen müsse.

Die Bank of England griff in der Kreditkrise erstmals im vergangenen September ein, als sie die Hypothekenbank Northern Rock mit einem Notkredit in Milliardenhöhe rettete. Der Baufinanzierer musste nach monatelanger Suche nach einem privaten Käufer verstaatlicht werden. Die Zentralbank senkte zudem in den vergangenen Monaten drei Mal die Zinsen und pumpte immer wieder Geld in den Markt.

Unterdessen bestätigte Großbritanniens zweitgrößte Bank, die Royal Bank of Scotland, eine Kapitalerhöhung zu erwägen. Medien hatten berichtet, dass sich die Bank, die neben der Kreditkrise die Übernahme der niederländischen Konkurrenz ABN Amro zu verarbeiten hat, von ihren Anteilseigner zehn Milliarden Pfund beschaffen wolle, um ihre Bilanz aufzubessern.

Während die britische Bankenbranche den Schritt der Bank of England begrüßte, zweifelten Analysten an der Durchschlagskraft des Hilfsplans. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) mahnte weitere Schritte an.

Der britische Bankenverband begrüßte den Plan als „innovative und einmalige“ Antwort auf die jüngsten Kreditprobleme in der Branche. Durch das Programm würden die Probleme auf den britischen Geldmärkten abgefedert, teilte der Verband mit. Analysten zeigten sich dagegen skeptisch. „Das wird nicht den Schaden rückgängig machen, den die Volkswirtschaft bereits erlitten hat“, sagte Alan Clarke von BNP Paribas. Der Plan könne lediglich dabei helfen, dass die Probleme nicht noch größer würden. Auch Geraldine Concagh von AIB Group Treasury in Dublin reagierte reserviert: „Es bleibt abzuwarten, wie wirkungsvoll der Plan ist.“

Der Leiter der Europa-Abteilung des IWF, Michael Deppler, begrüßte das Programm und trat Befürchtungen entgegen, die Hypothekenkrise könne in Großbritannien ein ähnlich großes Ausmaß erreichen wie im Ursprungsland USA. Dennoch könne der Plan der britischen Notenbank nur ein Schritt unter vielen sein bei den Bemühungen, die angespannte Kreditlage auf dem Geldmarkt zu verbessern, sagte Deppler.

EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy sagte in einer ersten Stellungnahme in Frankfurt, er sehe keinen Anlass für eine Intervention wegen des Hilfsplans. Ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel erklärte, es sei noch zu früh für ein Urteil darüber, ob es sich bei dem Programm um eine Form illegaler staatlicher Beihilfe handle.

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