Finanzmarktkrise
DIW fordert Reform der Finanzaufsicht

Angesichts der unterschiedlichen Reaktionen in der EU auf die Finanzkrise sieht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin den europäischen Bankenplatz in Gefahr. DIW-Konjunkturchef Christian Dreger hält Konsequenzen für die Finanzaufsicht daher für unabdingbar.

HB DÜSSELDORF. „Längerfristig muss man sicherlich die Finanzaufsicht überdenken“, sagt der Leiter der DIW-Konjunkturabteilung, Christian Dreger, im Interview des am Mittwoch erscheinenden Wochenberichts des Instituts, das Handelsblatt.com vorab vorlag.

Europa habe einen „ordnungspolitischen Flickenteppich“, begründet Dreger seinen Vorschlag. Die Finanzmarktaufsicht sei national organisiert, während die Banken zunehmend international aufgestellt seien. „Das passt nicht zusammen und ist nicht effizient“, meint der Konjunkturexperte. Denn die Länder könnten unterschiedlich auf die gleiche Krise reagieren, und das stärke nicht den europäischen Bankenplatz. „Von daher ist eine stärkere Harmonisierung der Finanzaufsicht in Europa erforderlich“, fordert Dreger. Allerdings gibt der DIW-Experte auch zu bedenken, dass dabei der Wettbewerb und die zunehmende Marktintegration nicht behindert werden dürfen.

In eine ähnliche Richtung gehen auch Überlegungen von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD). Im Deutschen Bundestag kündigte er unlängst in einer Regierungserklärung an, er werde sich bei den EU-Partnern für eine weitere europäische Harmonisierung der Finanzaufsicht stark machen. Allerdings warnte er damals davor, „in einem Urknall“ das Entstehen einer europäischen Aufsichtsbehörde zu erwarten. „Das wird ein evolutiver Prozess sein“, sagte der Finanzminister. Dass es eine solche Behörde vielleicht in zehn Jahren gebe, sei nicht auszuschließen.

Steinbrück schlug einen Acht-Punkte-Plan für neue Finanzmarkt-Regeln vor, die laut Medienberichten auch beim nächsten Treffen der Finanzminister der sieben größten Industrieländer (G7) Mitte Oktober in Washington eine Rolle spielen sollen.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik
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