Finanzmarktkrise
Sarkozys EZB-Kritik stößt auf Protest

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat das Krisemanagement der Europäischen Zentralbank während der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten scharf kritisiert. Die EZB habe „merkwürdig“ gehandelt und nur Kreditlinien für Spekulanten geschaffen. In der EU stieß diese neue harsche Kritik des Franzosen auf scharfen Protest.

HB PORTO/PARIS. Er halte es für merkwürdig, dass die EZB Kredite zur Verfügung gestellt habe, ohne die Zinsen zu senken, sagte Sarkozy in einem Interview mit der Tageszeitung „Le Monde“. Damit seien nur Kreditlinien für Spekulanten geschaffen worden, während Unternehmen die Arbeit erschwert werde. Sarkozy ergänzte, er wolle seine „Offensive“ gegen den bisherigen Umgang Europas mit Finanzangelegenheiten fortsetzen.

Die Krise am US-Hypothekenmarkt hatte in den vergangenen Wochen dazu geführt, dass Banken sich aus Misstrauen kaum noch Geld liehen und die kurzfristigen Zinsen im Geldhandel stark stiegen. Die EZB stellte den Banken einige hundert Milliarden Euro an zusätzlichen Krediten zur Verfügung, um die Marktzinsen zu drücken.

Die Finanzminister der Europäischen Union lobten die Zentralbank für ihr rasches Eingreifen. Diese hatte auf eine weitere Anhebung des Leitzinses von vier Prozent wegen der Turbulenzen an den Märkten kürzlich verzichtet. EZB-Ratsmitglied Erkki Liikanen bekräftigte unterdessen, es gebe weiterhin Inflationsgefahr im Euro-Raum.

Sarkozy ging auch mit Jean-Claude Juncker, dem Vorsitzenden der Euro-Finanzministergruppe, hart ins Gericht. „Welche Initiative hat er ergriffen? Über den Finanzkapitalismus führen Angela Merkel und ich die Debatte“, sagte der Präsident. Juncker sollte sich seiner Meinung nach selbst in Frage stellen. Sarkozy und Bundeskanzlerin Merkel hatten vergangene Woche nach einer Zusammenkunft angekündigt, Finanzmarktkrisen und Handelsverzerrungen zur Chefsache in der EU machen zu wollen. Sie schlugen dazu Beratungen der Staats- und Regierungschefs auf dem Gipfel Mitte Oktober in Lissabon vor.

In der EU ist neue harsche Kritik des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy am Krisenmanagement der Europäischen Zentralbank (EZB) und am luxemburgischen Premierminister Jean-Claude Juncker auf scharfen Protest gestoßen. „Juncker verdient unsere Anerkennung“, sagte EU-Währungskommissar Joaquín Almunia am Samstag in Porto nach Beratungen der EU-Finanzminister.

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