Finanzmarktturbulenzen
Notenbanken geben keine Entwarnung

Führende Zentralbanken sehen vorerst kein Ende der Finanzmarktturbulenzen. "Ich würde nicht sagen, das Schlimmste liegt schon hinter uns", sagte am Mittwoch der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments.

FRANKFURT/LONDON. Nach Ansicht des Gouverneurs der britischen Zentralbank, Mervyn King, hat die Krise sogar eine neue, gefährliche Phase erreicht. Die Bank of England (BoE) suche mit den Großbanken des Landes nach einer "langfristigen Lösung", sagte King am Mittwoch bei einer Anhörung vor dem britischen Parlament.

King machte unmissverständlich klar, dass die Risiken von den Aktionären der Banken getragen werden müssten und nicht verstaatlich werden könnten. In der vergangenen Woche waren Spekulationen aufgekommen, dass die Zentralbanken in einer international koordinierten Aktion schlechte Aktiva privater Banken aufkaufen wollten, um deren Bilanzen zu entlasten. Angesichts der Finanzkrise deutete King Spielraum für weitere Zinssenkungen in Großbritannien an. Wegen der anhaltenden Inflationsgefahren machte er aber gleichzeitig klar, dass er weder Anlass noch Möglichkeiten für radikale Zinsschritte wie in den USA sehe.

Die Mehrheit der Analysten geht bislang davon aus, dass die BoE im Mai ihren Leitsatz von 5,25 Prozent auf fünf Prozent senken wird. Trichet betonte, dass die Finanzinstitute im Euro-Raum in einer robusten Verfassung seien. Auch hätten die Finanzmarktturbulenzen die Finanzierungsbedingungen in der Währungsunion nicht wesentlich verschlechtert. Die heftigen Schwankungen in einigen Finanzmarktsegmenten würden sich aber wohl noch fortsetzen.

Trichet unterstrich in diesem Zusammenhang erneut, dass die momentan exzessiven Bewegungen der Wechselkurse Anlass zur Sorge gäben und unerwünscht seien. Am Mittwoch stieg der Euro von seinem Tagestief von 1,5582 zeitweise auf 1,5756 Dollar. Eine Lockerung der Geldpolitik lehnte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) erneut ab. Das aktuelle Zinsniveau sei notwendig, um mittelfristig Preisstabilität zu gewährleisten. Im Februar hatte die Teuerungsrate mit 3,3 Prozent den höchsten Stand seit Beginn der Währungsunion erreicht. Trichet bekräftigte, die EZB werde weiterhin für ein reibungsloses Funktionieren der Geldmärkte sorgen. Ziel sei es, die Zinsen am kurzen Ende so nah wie möglich am Euro-Leitzins von vier Prozent zu halten.

Tagesgeld wurde am Mittwoch am Geldmarkt allerdings zu 4,22 Prozent angeboten. Die Vertrauenskrise am Markt sei unverändert, sagte ein Händler. Der Satz für Drei-Monatsgeld erhöhte sich von 4,70 auf 4,72 Prozent. Die EZB hatte morgens im Rahmen ihres 91-tägigen Hauptrefinanzierungsgeschäfts 50 Mrd. Euro zu Sätzen von 4,72 bis 4,44 Prozent zugeteilt.

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