Finanzminister räumt ein

Frankreich verfehlt seine Haushaltsziele

Bis 2015 hat Frankreich Zeit seine Finanzen zu regeln. Doch auch in diesem Jahr wird das Land laut Finanzminister Moscovici sein Defizitziel verfehlen. Zumal die Wirtschaft einen weiteren Rückschlag erleiden musste.
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Müssen sich weiter um die heimische Wirtschaftskraft sorgen: Frankreichs Präsident Francois Hollande (r.) und sein Finanzminister Pierre Moscovici. Quelle: ap

Müssen sich weiter um die heimische Wirtschaftskraft sorgen: Frankreichs Präsident Francois Hollande (r.) und sein Finanzminister Pierre Moscovici.

(Foto: ap)

ParisUnerwarteter Rückschlag für die französische Wirtschaft: Die Unternehmen drosselten ihre Produktion um Juli überraschend um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie die Statistikbehörde Insee mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten hingegen im Schnitt ein Wachstum von 0,6 Prozent erwartet, wobei keiner der 20 Experten ein Minus vorausgesehen hat. Im Juni fuhren die Unternehmen ihre Fertigung sogar um 1,4 Prozent nach unten.

Die schwierige Wirtschaftslage bleibt auch dem Finanzminister nicht verborgen. Nach Einschätzung der Regierung wird das Land im laufenden Jahr seine Haushaltsziele verfehlen. Das Defizit werde etwas höher ausfallen als die bisher vorhergesagten 3,7 Prozent der Wirtschaftsleistung, sagte Finanzminister Pierre Moscovici im französischen Radio. Bereits Ende Juni hatte Präsident Francois Hollande eingeräumt, dass das Ziel vermutlich wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage und wegbrechender Steuereinnahmen nicht erreicht werden kann. Die EU-Kommission räumte Frankreich erst im Frühjahr mehr Zeit ein, um seine Finanzen unter Kontrolle zu bringen. Das Land hat bis 2015 Zeit, um sein Haushaltsdefizit wieder unter die Grenze von drei Prozent zu drücken.

Die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hatte im Frühjahr ihre Rezession beendet. Im Juli erlitt sie jedoch einen unerwarteten Rückschlag: Die Industrie drosselte ihre Produktion um 0,6 Prozent, während Experten mit einem Wachstum gerechnet hatten. Die EU-Kommission rechnet für 2013 mit einem Schrumpfen des Bruttoinlandsproduktes um 0,1 Prozent.

  • rtr
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34 Kommentare zu "Finanzminister räumt ein: Frankreich verfehlt seine Haushaltsziele"

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  • Frankreichs Rating wird im Herbst sicher wieder abgestuft werden.Dann muss Frankreich wieder höhere Zinsen als heute zahlen und Draghi muss seine franz.Kumpel mit noch niedrigeren Zinsen raushauen.Wir sind also sehr wohl betroffen,wenn Frankreich versagt.


  • Oh, erneut diese Asterixleistungsbilanzen für Bedürftige.

  • Wir dort in diesem Jahr ebenfalls den Urlaub verbracht. Die Desinformation durch die Massenmedien in der Grande Nation ist mir ebenfalls aufgefallen.
    Da sind wir mit "tagesschau" und "heute" geradezu gut bedient - was ich mir vorher nicht vorstellen konnte.

  • 'Henry' sagt
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    Das ist doch der ständige Beweis dafür, dass der Euro auch zu hart für Frankreich ist.
    --------------------

    Selten so einen Unsinn gehört.

    Offensichtlich gibt es andere Möglichkeiten als "Abwertung" um ein Leistungsbilanzdefizit auszugleichen.

    Italien, Spanien, Irland und Portugal scheint das ja zu gelingen:

    Italiens Leistungsbilanz in %BSP letzte 12 Monate bis

    Mär 2011 : -3,8%
    Jun 2011 : -3,8%
    Sep 2011 : -3,6%
    Dez 2011 : -3,1%
    Mär 2012 : -2,5%
    Jun 2012 : -1,8%
    Sep 2012 : -1,3%
    Dez 2012 : -0,7%
    Mär 2013 : -0,2%

    ================

    Spanien Leistungsbilanz in %BSP letzte 12 Monate bis

    Mär 2011 : -4,6%
    Jun 2011 : -4,2%
    Sep 2011 : -3,9%
    Dez 2011 : -3,7%
    Mär 2012 : -3,5%
    Jun 2012 : -3,0%
    Sep 2012 : -2,3%
    Dez 2012 : -1,1%
    Mär 2013 : -0,1%

    ================

    Irlands Leistungsbilanz in %BSP letzte 12 Monate bis

    Mär 2011 : +0,6%
    Jun 2011 : +0,9%
    Sep 2011 : +1,0%
    Dez 2011 : +1,1%
    Mär 2012 : +1,7%
    Jun 2012 : +3,4%
    Sep 2012 : +4,4%
    Dez 2012 : +5,0%
    Mär 2013 : +6,4%

    ================

    Portugal Leistungsbilanz in %BSP letzte 12 Monate bis

    Mär 2011 : -10,0%
    Jun 2011 : -9,3%
    Sep 2011 : -8,4%
    Dez 2011 : -7,0%
    Mär 2012 : -6,1%
    Jun 2012 : -3,9%
    Sep 2012 : -2,5%
    Dez 2012 : -1,5%
    Mär 2013 : -0,5%

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    Und das ganz ohne eigene Währung.

    +++

    'Henry' sagt
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    Wir können uns drehen und wenden wie wir wollen, es führt an der Wiedereinführung von nationalen Währungen kein Weg daran vorbei. --------------------

    Sie können sich drehen und wenden wie Sie wollen - eine Wiedereinführung von nationalen Währungen ist so überflüssig wie ein Kropf.

    +++

    'Henry' sagt
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    Das unterschiedliche Wirtschaftswachstum hat nichts mit der Bankenzockerei zu tun.
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    Stimmt.

    Es hat aber auch nichts mit der Währung zu tun - die ist ja bei allen die gleiche.

    Sondern es hat mit verfehlter Wirtschafts- und Sozialpolitik einiger Länder zu tun.

  • „Bis 2015 hat Frankreich Zeit seine Finanzen zu regeln. Doch auch in diesem Jahr wird das Land laut Finanzminister Moscovici sein Defizitziel verfehlen. Zumal die Wirtschaft einen weiteren Rückschlag erleiden musste.“

    Das ist doch der ständige Beweis dafür, dass der Euro auch zu hart für Frankreich ist. In den letzten Wochen wurde das Augenmerk zu sehr auf die Zocker-Banken gerichtet. Blenden wir die Banken einmal aus, so sehen wir sehr deutlich die Diskrepanzen im unterschiedlichen Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone.

    Wir können uns drehen und wenden wie wir wollen, es führt an der Wiedereinführung von nationalen Währungen kein Weg daran vorbei. Das unterschiedliche Wirtschaftswachstum hat nichts mit der Bankenzockerei zu tun.

    Die kalte Jahreszeit kommt mit riesen großen Schritten auf uns zu und der Tourismus geht im Süden erheblich zurück. Die Wirtschaft wird im Herbst, im Winter und Anfang 2014 dramatisch einbrechen. Dann sieht es um die Wirtschaft der Südländer noch schlimmer aus als jetzt.

    Die Geberländer werden die mächtigen Rettungsschirme nicht mehr lange durchhalten. Dann fliegt uns der Euro sowieso um die Ohren. Die Politiker spekulieren wie die Börsianer mit Aktien. Die Politiker spekulieren, dass das Wirtschaftswachstum steigt. Der totale Wirtschaftseinbruch wird durch weitere Subventionen –noch- verhindert. Die D-Mark muss wieder her. Darum die AfD wählen.

  • 'azaziel' sagt
    ---------------------
    Zitat Rechner: “Und für Frankreich ist bis jetzt kein Tropfen deutschen "Blutes" gespendet worden.”

    Sie irren gewaltig! Ein sehr grosser Teil der Rettungsgelder floss ueber die Krisenlaender direkt zu franzoesischen Banken. Sie koennen die Entwicklung der Aussenstaende europaeischer Banken bei der BIZ recherchieren. Frankreich war bisher der groesste Profiteur der Rettungspolitik.
    ---------------------

    Touché!

    Allerdings ist Frankreich auch der zweitgrößte Finanzier der "Rettungen" und Deutschland (Commerzbank, HRE, WestLB, ...) der zweitgrößte Profiteur.

    Weshalb der "Nettovorteil" für Frankreich hier noch erträglich ist.

    Mehr als ein paar Milliarden (einstellig) kann ich mir da nicht vorstellen.

    Und wieviel bei den Rettungen als Nettokosten übrigbleibt, ist auch noch nicht 'raus.

    Dadurch schmilzt Frankreichs Rettungs-Nettovorteil weiter erheblich zusammen.

  • 'Guzzi_Cali2' sagt
    -------------------------
    Aber die Jungs sind sichtbar glücklich. Klar - wenn man weiß, daß der gutmütige Trottel aus dem Osten der Grande Nation einen niemals im Stich lassen wird.
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    Dieses "Wissen" ist ein vermeintliches - umgangssprachlich auch als "Illusion" bekannt.

    Die Franzosen werden schon selber früh genug drauf kommen.

    +++

    'Guzzi_Cali2' sagt
    -------------------------
    Denn Mitterrand hat ja festgeschrieben: Zustimmung zur Wiedervereinigung nur unter der Bedingung, daß die Mark aufgegeben wird.
    -------------------------

    Irgendwelche rechtsverbindlichen Vereinbarungen gibt es nicht - selbst wenn Mitterand und Kohl irgend etwas derartiges im Hinterzimmer ausgehandelt haben sollten bindet das niemanden außer diese beiden.

    Die Bedingungen für den Euro sind in den europäischen Verträgen klar festgelegt - sollten die gebrochen werden hat ein Vertragspartner seinerseits das Recht zu tun was zur Schadensabwehr erforderlich ist.

    Das schließt grundsätzlich auch einen "Austritt" ein.

    Allerdings ist das Recht zur Selbsthilfe bei Vertragsbruch durch das Gebot der Verhältnismäßigkeit eingeschränkt.

    +++

    'Guzzi_Cali2' sagt
    -------------------------
    Jetzt haben wir den Salat. Kohl hat dem bösen Spiel zugestimmt und Merkel wird es bis zum bitteren Ende weiterspielen.
    -------------------------

    Woher wollen Sie das wissen?

    Sie scheinen zu übersehen, daß Mutti unter Schäuble Kanzler ist.

  • Tja, Merkel tourt durch die Wahlveranstaltungen und berichtet davon, Griechenland sei "auf einem guten Weg", weil im Juni die Industrie-Produktion um +0,4% anzog, holla!!

    ABER gestern kam die neue Zahl für Juli: - 8,1%

    das wird verschwiegen!!!!
    ----------------------------
    Griechenland: Industrieproduktion im Juli -8,1% nach +0,4% im Vormonat (y/y).
    11:05 - Echtzeitnachricht


    WirtschaftsWoche:

    Euro-Kritiker Frank Schäffler (FDP) und Vermögensverwalter Max Otte fordern den Euro-Austritt Griechenlands und ein Ende der Rettungspolitik zu Lasten der Sparer.
    09:12 - Echtzeitnachricht


    ...........

    Bei den italienischen Geschäftsbanken ist das Volumen der faulen Kredite im Juli um 22,2% gegenüber dem Vorjahr gestiegen nach einem Plus von 21,9% im Vormonat.
    10:52 - Echtzeitnachricht

  • Zitat Rechner: “Und für Frankreich ist bis jetzt kein Tropfen deutschen "Blutes" gespendet worden.”

    Sie irren gewaltig! Ein sehr grosser Teil der Rettungsgelder floss ueber die Krisenlaender direkt zu franzoesischen Banken. Sie koennen die Entwicklung der Aussenstaende europaeischer Banken bei der BIZ recherchieren. Frankreich war bisher der groesste Profiteur der Rettungspolitik. Pikant ist, dass die Deutschen ihre eigenen Pleitebanken HRE und Commerzbank/Dresdner Bank und andere direkt aus deutschen Haushaltsmitteln retten mussten.

  • 'Eurowahn' regt sich auf
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    @Rechner

    Auf jeden Fall bluten wir Deutsche dann nicht für andere Länder -------------------------

    Hier geht es aber um Frankreich - und nicht um "andere Länder".

    Und für Frankreich ist bis jetzt kein Tropfen deutschen "Blutes" gespendet worden.

    +++

    'Eurowahn' regt sich auf
    -------------------------
    !! Sehen Sie es ein, dass Franzosen bis 60 Jahre arbeiten und wir bis 67 Jahre ??? Dass man dort unter 9,40.- Euro morgens keinen Fuß aus dem Bett setzt und bei uns Menschen für 4-6 Euro arbeiten gehen müssen.
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    Diesen unsinnigen Luxus zahlen sich die Franzosen zu zwei Dritteln selber mit einem Staatsanteil von 56,6% (Deutschland: 45%) am Bruttosozialprodukt.

    Mit anderen Worten: wesentlich höhere Steuern und Sozialversicherungsbeiträge als in Deutschland.

    Und das restliche Drittel leihen Sie sich an den Finanzmärkten.

    ...

    Sicher - das kann nicht ewig so weitergehen - und Hollandes Idiotenidee einfach die "Reichen" noch mehr als bisher zu schröpfen wird von denen mit Auswanderung und Produktionsverlagerung beantwortet.

    Also wird er sich was anderes einfallen lassen müssen.

    In einem Jahr finden wieder Wahlen zum Senat statt.

    Das könnte Hollandes sonst eher träge Denkprozesse etwas beschleunigen.

    ...

    Wir bereiten uns schon 'mal auf eine "ich will es nicht - aber ich kann nicht anders" Rede vor.

    ...

    Ihre Angstvorstellung, daß Deutschland das französische bon vivre bezahlen müßte, scheitert an den wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten.

    Denn Deutschland würde dem nie zustimmen.

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