Finanzprofis skeptisch
ZEW-Konjunkturindex stürzt überraschend ab

Die Griechenland-Krise und die Unsicherheit über die US-Wirtschaft haben das ZEW-Konjunkturbarometer deutlich nach unten gedrückt. Der Index fiel mehr als doppelt so stark, wie von Experten erwartet.
  • 11

Mannheim/BerlinDie Schuldenkrise in der Euro-Zone und Sorgen um die US-Wirtschaft drücken den Konjunkturoptimismus von Börsenprofis deutlich. Das ZEW-Stimmungsbarometer für die nächsten sechs Monate sank im Juni auf minus 9,0 Punkte von plus 3,1 Zählern und damit das vierte Mal in Folge, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mitteilte. Der Indikator sackte auf das niedrigste Niveau seit Januar 2009.

Von Reuters befragte Experten hatten im Mittel einen Rückgang auf minus 2,0 Punkte erwartet. Die aktuelle Lage bewerteten die 290 befragten Investoren und Analysten deutlich besser. Allerdings gab es auch hier einen Rückgang auf 87,6 Zähler nach dem Rekordhoch von 91,5 Punkten im Mai.

Der Refinanzierungsbedarf Griechenlands habe den Blick der Finanzmärkte erneut auf die Schuldenkrise in einigen Euro-Ländern gelenkt, erklärte das ZEW. „Die Schwierigkeiten im Euroraum und die befürchtete Konjunkturabschwächung in den USA schlagen den Finanzmarktexperten offenbar aufs Gemüt“, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. „Außerdem mehren sich nach Auffassung der Finanzmarktexperten offenbar die Anzeichen, dass sich der Höhenflug der deutschen Wirtschaft in den nächsten Monaten abschwächen könnte.“

Analysten werteten den Einbruch als Indiz dafür, dass sich der Aufschwung in Deutschland abschwächt. "Die Aussichten für die deutschen Exporteure haben sich in der Tat eingetrübt, da sich die Anzeichen für eine Delle in der Weltkonjunktur mehren. Die höheren Ölpreise, Probleme in den Lieferketten in Japan und die straffere Geldpolitik in einigen Volkswirtschaften werden das Wachstum der Weltwirtschaft schmälern“, sagte Aline Schuiling von ABN Amro.

HSBC Trinkhaus Analyst Stefan Schilbe warnte jedoch vor einer Überbewertung des Rückgangs. "Wir haben einen breit gefächerten Aufschwung. Die Exporte laufen gut, die Investitionen ebenfalls - und auch für den privaten Konsum sind die Voraussetzungen nach wie vor gut. Klar ist aber auch, dass die Schuldenkrise in Griechenland die Anleger verunsichert.“

Zuvor hatte der Wirtschaftsweise Franz in der ARD betont, die Schuldenkrise um das von der Staatspleite bedrohte Griechenland dürfte sich kaum auf die deutsche Konjunktur auswirken. Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten wegen der Krise würden den Aufschwung allerdings belasten.

Franz traut der heimischen Wirtschaft 2011 ein Wachstum von drei Prozent oder mehr zu. Im zweiten Halbjahr werde sich die Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung leicht abschwächen. Für 2012 sei daher nur noch mit einem Anziehen der Konjunktur um weitere zwei Prozent zu rechnen, sagte der ZEW-Chef.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Finanzprofis skeptisch: ZEW-Konjunkturindex stürzt überraschend ab"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • er wird aufhören. das konjunktursponsoring ist unweigerlich zuende.

  • Hoffentlich hört der Aufschwung auf. Das wäre eine Erlösung für Millionen Menschen.

  • daß es früher so war, daß die börse der konjunktur vorläuft, weiß ich auch. ich rede aber nicht von früher, sondern von heute, falls es dir nicht aufgefallen sein sollte. und heute ist es eben anders. naja klar, einer wie du weiß es natürlich auch besser als die analysten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%